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Wenn Disketten oder CDs zu Radierplatten werden

St. Ingbert. Mit den Werken von Gabi Wagner hat eine neue Art von Druckgrafik Einzug in die St. Ingberter Rathausgalerie gehalten. Denn die Kommunikationsdesignerin aus Saarbrücken hat die klassischen Techniken der Radierung durch eine experimentelle Herangehensweise erweitert Von SZ-Mitarbeiterin Brigitte Quack

St. Ingbert. Mit den Werken von Gabi Wagner hat eine neue Art von Druckgrafik Einzug in die St. Ingberter Rathausgalerie gehalten. Denn die Kommunikationsdesignerin aus Saarbrücken hat die klassischen Techniken der Radierung durch eine experimentelle Herangehensweise erweitert. Das beginnt schon bei der Wahl ihrer Radierplatte: Neben der klassischen Metallplatte verwendet sie CDs, Disketten, PVC, Aluminiumdraht und Ähnliches - Dinge, deren Oberfläche sie herausfordert und Interventionen zulässt.


Doch vor allem ist es die Verbindung mit dem Laserdruck, die ihre neueren Arbeiten so besonders macht. Dabei werden Laserdrucke sehr variantenreich übermalt, teilweise abgeschliffen, um schließlich in Radiertechnik überdruckt zu werden. Daneben zeigt sie auch Grafiken, die mit unterschiedlichen Materialien wie Zeitungspapier, Silber- oder Goldfolie oder Gaze collagiert wurden.

Die Formen, die sie ihren Druckstöcken einverleibt, sind Grundformen wie Quadrat, Kreis, Rechteck und Dreieck, die im freien Spiel der Linien ergänzt werden. Immer wieder taucht hier eine Form auf, die mit ihrer halben Spindel an die Unterfläche eines Dampfbügeleisens erinnert und somit Assoziationen weckt. Doch generell geht es in Wagners abstrakten Werken weniger um Assoziationen als um Form und Farbe an sich. Spielerisch kombiniert sie verschiedene Druckstöcke, stets aber in Anlehnung an ein strenges symmetrisches Ordnungssystem. Fantasievoll collagiert und koloriert sie und schafft fast ausschließlich Unikate, die mehr an Gemälde erinnern als an klassische Radierungen. Mal kommen sie in intensiver Farbigkeit, mal mit weichem, kreidigem Schimmer einher und machen gerade mit diesem Variantenreichtum diese Ausstellung so abwechslungsreich.



Mit der Druckgrafik hat Gabi Wagner nach eigenen Angaben vor etwa 14 Jahren angefangen. "Nach einer Woche Grundkurs Basic in den klassischen Techniken der Radierung war ich mir sicher, dass die Druckgrafik mein Medium ist", sagt sie. Als ihren Lehrmeister auf dem Weg zur experimentellen Druckgrafik nennt sie Oskar Holweck. "Die Grundlehre bei ihm war die prägendste Erfahrung für mein künstlerisches Arbeiten." Hinzu kam ein experimentelles Seminar bei Linda Schwarz, die zwei Jahre in der Druckwerkstatt von Rauschenberg arbeite, in experimenteller Drucktechnik.

Gabi Wagner - Druckgrafik. Bis zum 9. Juli. Rathausgalerie St.Ingbert, montags bis donnerstags 8 bis 18 Uhr, freitags acht 8 bis 12 Uhr.

Zur Person

Gabi Wagner absolvierte eine Lehre als Schilder- und Lichtreklameherstellerin, bevor sie die Grundlehre an der HBK (Hochschule der Bildenden Künste) in Saarbrücken besuchte. Es folgte ein Studium in der Fachrichtung Kommunikationsdesign, das sie 1986 mit dem Diplom abschloss, und ein Studium an der École des Beaux-Arts in Marseille. bq