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Wenn die Vögel nicht mehr singen

Völklingen. Nach einer Erlebnisführung durch das Bergwerk Velsen kann einem schon mal der Kopf schwirren. Fachausdrücke und Bergmannsprache wirbeln durcheinander. "Kuli", wie einen ostasiatischen Lastenträger, haben die Bergleute die Schienenflurbahn genannt Von SZ-Mitarbeiterin Beatrix Hoffmann

Völklingen. Nach einer Erlebnisführung durch das Bergwerk Velsen kann einem schon mal der Kopf schwirren. Fachausdrücke und Bergmannsprache wirbeln durcheinander."Kuli", wie einen ostasiatischen Lastenträger, haben die Bergleute die Schienenflurbahn genannt. Mit "Bergmannsbraut" meinten sie die Lampe, die lebenswichtig für die Verständigung per Lichtsignal war, weil bei der Lautstärke der Maschinen eine verbale Verständigung nicht möglich war.



Mit "alter Mann" umschrieben sie Hohlräume, die durch den Abbau enstanden. Nur welche Maschine war nochmal die "Katze"?

Alles muss man sich der Laie wohl nicht merken. Schließlich will man den Besuchern "zeigen, wie es unter Tage zuging". Das sei "im Prinzip der Hauptzweck der Führung", meint Klaus Vollmann.

Vollmann, Elektroingenieur mit Schaltberechtigung, musste als erster vor Ort sein. Die 5000 Voltanlage sei nicht ohne, sagt er. Vor dem Einschalten musste der Lastverteiler in Saarbrücken informiert werden, und auch die Einschaltzeit - 9.25 Uhr - musste er in einer Kladde dokumentieren. Im Stollen sind sogar insgesamt mehr 800 000 Watt installiert.

Schutzjacke an, Helm auf, Lampe um, und einmal kreuz und quer durch den Stollen - 750 Meter Streckennetz über drei Etagen - und überprüft, ob alles in Ordnung ist.

Punkt zehn kann die erste offene Führung starten. 25 Leute aller Altersklassen spazieren durch die Wettertür, was hier einfahren heisst.

Volker Etgen, Bergbauvermessungsingenieur und Vorsitzender des Vereins Erlebnisbergwerk Velsen, leitet die Führung. "In frischen Wettern fahren wir ein", sagt Etgen und erzählt, dass früher die Bergleute Kanarienvögel mit genommen hätten. Kanarienvögel reagierten empfindlich auf Kohlenmonoxid. Wenn sie aufhörten zu zwitschern, drohte Gefahr.

Der Weg führt vorbei an alten Begmannfotos in Sepia und an der Gezähe-Ausgabe. Gezähe, wie Gezeug sei der alte Begriff für Werkzeug, erläutert Etgen. Dann stehen alle an der ersten Streckenkreuzung, wo man die Bergbauarchitektur verschiedener Jahrzehnte studieren kann..

Depression nicht geduldet

Am Blindschacht setzt Etgen an der Schelle die Signalgebung für Seilfahrt vor. Fördermaschinisten müssten nicht nur eine spezielle Ausbildung nachweisen, sondern auch eine arbeitsmedizinische Untersuchung - Epilepsie oder Depression sei nicht geduldet.

In gebückter Haltung mit eingezogenem Kopf geht es den Stoß hinauf zum Streb, wo die Kohle abgebaut wurde. "Herz- oder Lungenprobleme durfte hier keiner haben", meint Besucher Roland Müller. "Ich war Schlosser hier, diese Maschine habe ich schon repariert, sagt er und zeigt auf eine Walze. Ihm gefällt die Führung, "weil auch der richtige Lärm dargestellt wird, weil gezeigt wird, wie es war." Etliche Maschinen werden in Gang gesetzt. Dröhnend. Am Streckenschluss heisst es für Celtric: Ran an den Bohrhammer und los mit Getöse. "Das hat ganz schon gewackelt", meint der Elfjährige aus Klarental.

www.erlebnisbergwerk-

velsen.de

Auf einen Blick

Jeden ersten Sonntag im Monat bietet der Verein Erlebnisbergwerk Velsen um zehn Uhr eine offene Führung an. Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro. Die Führung dauert etwa anderhalb Stunden. Zu sehen ist unter anderem die Lademaschine, die im Tatort "Das schwarze Grab" auf den Kommissar zusteuerte. Auch eine kleine Bahnseilfahrt ist möglich.

Die Anlage in Velsen ist die einzige in Deutschland zugelassene im Übertagebetrieb. hof