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Wenn aus Gästen Freunde werden

Denise (links) und ihre Gastschwester Anna im Garten der Familie Busch in Elversberg. Fotos: Oliver Spettel
Denise (links) und ihre Gastschwester Anna im Garten der Familie Busch in Elversberg. Fotos: Oliver Spettel
Elversberg. Jahr für Jahr dürfen Kinder aus Weißrussland einen dreiwöchigen Kurzurlaub im Saarland verbringen. Im Kreis Neunkirchen hat Familie Busch aus Elversberg ein Ferienkind zu Gast. Am Montag fahren die Kinder zurück. Von SZ-RedakteurOliver Spettel

Mit einem freundlichen "Hallo" öffnet die elfjährige Anna die Tür. Wie selbstverständlich führt sie durchs Wohnzimmer auf die Terrasse. Das Besondere: Anna wohnt hier eigentlich gar nicht. Sie ist Teil einer Gruppe von 19 Kindern, denen der Verein "Saarländische Kinderhilfe - Leben nach Tschernobyl" aus dem Mandelbachtal einen dreiwöchigen Kurzurlaub im Saarland ermöglicht hat. Laut Verein stärkt der Kurzurlaub das Immunsystem der jungen Besucher erheblich.

Anna kommt, wie viele ihrer Mitreisenden, aus der Region um die weißrussische Stadt Shitkowitschi. Ein Gebiet, in dem die Menschen noch heute an den Folgen der Reaktorkatastrophe im 200 Kilometer entfernten Tschernobyl leiden.

Anna gefällt es in Elversberg, wo Petra und Stefan Busch zusammen mit Tochter Denise (16) das Mädchen aufgenommen haben. "Wir haben von der Aktion gelesen und uns informiert", erzählt Petra Busch. Nach kurzer Beratung habe sich der Familienrat entschlossen, ein Kind bei sich aufzunehmen. "Das ist eine tolle und ganz persönliche Möglichkeit, etwas von einem anderen Land und den Menschen zu erfahren", sagt Denise. "Ich bin froh, dass wir das gemacht haben."

Die Verständigung gestaltet sich manchmal nicht ganz einfach. In der Familie Busch spricht niemand Russisch, Anna kann kein Deutsch, dafür ein bisschen Englisch. Ein bebildertes Wörterbuch ist deshalb immer mit dabei.

Das vom Verein organisierte Gemeinschaftsprogramm hat dem jungen Feriengast gefallen. Anna nimmt sich mit breitem Lächeln vom Obst auf dem Tisch und erzählt: "Ich habe 3000 Jahre alte Gräber gesehen", und meint damit einen Besuch in den Ausgrabungen des Kulturparks Bliesbruck-Reinheim. Viele Dinge habe sie erlebt: einen Besuch beim Webenheimer Bauernfest, einen Nachmittag mit einem Zauberer, einen Zoobesuch, Reiten, eine Besichtigung des Flughafens in Ensheim und noch mehr. Musik hat sie gemacht und Konzerte besucht.

Trotz des Programms werde sie aber eines besonders in Erinnerung behalten: Sie ziert sich fast ein bisschen und erzählt dann doch, wie nett die Familie zu ihr war, wie viel Spaß sie beim Spielen mit Denise hatte und dass ihr das Haus und der Garten so gut gefallen. Zwischen Denise und Anna hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt. Die kleine Anna hat Denise so fasziniert, dass die sich schon zu einem Russisch-Kurs angemeldet hat.

Und auch wenn der Familienrat noch nicht offiziell beschlossen hat, ob sie alle wieder beim Programm mitmachen, so scheint die Entscheidung längst gefallen. Hat Anna doch Denise versprochen, dass sie nächstes Jahr Fotos von ihren Eltern und den zwei Brüdern mitbringen wird.



Zum Thema:

HintergrundDer Verein Saarländische Kinderhilfe wurde 1997 im Mandelbachtal gegründet. Seither hat die Organisation über 800 Kindern aus der Region Gomel in Weißrussland einen Erholungsaufenthalt bei Gasteltern in unserer Region ermöglicht. Die Aufenthalte dienen dazu, das Immunsystem der Kinder zu stärken. Die Kinder werden vom Verein für die Reise versichert und es gibt kooperierende Ärzte. Das umfangreiche Ferienprogramm wird aus Spenden finanziert. Zusätzlich organisiert der Verein zweimal jährlich einen Hilfskonvoi, der Kleider und Lebensmittel vor Ort zu den Gastkindern, deren Familien und zu hilfsbedürftigen älteren Menschen bringt. spesaarlaendische-kinderhilfe.de

Petra Busch
Petra Busch
Stefan Busch
Stefan Busch