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Weltladen mit "Draht nach oben"

Blick auf den neuen Weltladen in der Kaiserstraße 20. Foto: Jörg Martin
Blick auf den neuen Weltladen in der Kaiserstraße 20. Foto: Jörg Martin
St. Ingbert. Damit hatte wohl niemand gerechnet: Bei der offiziellen Eröffnung des Weltladens in der Kaiserstraße 20 gab es bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Eröffnungsfeier keinen Stehplatz mehr. Zahlreiche Leute mussten vor der Tür warten und konnten die Eröffnungsreden kaum verstehen Von SZ-Mitarbeiter Jörg Martin

St. Ingbert. Damit hatte wohl niemand gerechnet: Bei der offiziellen Eröffnung des Weltladens in der Kaiserstraße 20 gab es bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Eröffnungsfeier keinen Stehplatz mehr. Zahlreiche Leute mussten vor der Tür warten und konnten die Eröffnungsreden kaum verstehen. Einer der Redner war Oberbürgermeister Georg Jung, für den die Pläne zu einem genossenschaftlichen Projekt fairen Handels bereits 30 Jahre zurückliegen. "Das ist eine Bereicherung für diese Stadt", meinte das Stadtoberhaupt an die Adresse des ehrenamtlichen Teams. Lange geborene Ideen würden nach und nach Wirklichkeit und zur richtigen Zeit am richtigen Ort umgesetzt. Das sei in der Mittelstadt auffällig im positiven Sinne: Hier gäbe es ein hervorragendes soziales Engagement und gebildete Bürger. Bei so viel Lob bekam auch der OB eine Anerkennung in Form eines Spatens. Spatenüberreichung an den "Spatenschorsch" einmal anders - soll heißen umgekehrt - wie Vorstandsmitglied Ralf Arand-Agne bestätigte.


Ein christliches Projekt kommt ohne den kirchlichen Segen nicht aus. So hatten die Pfarrer Arno Vogt und Fred Schneider-Mohr diese Aufgabe inne. Letzterer hatte die Bergpredigt auf die Vokabeln des fairen Handels abgeändert und rief bei aller Ernsthaftigkeit Schmunzeln hervor. Als sein katholischer Kollege Vogt den Segen aussprach, endete der Protestant mit der Bemerkung: "Damit ist der Draht nach oben hergestellt".

Im November vergangenen Jahres hat man bereits inoffiziell mit dem Laden begonnen, berichtete Albert Jäger, der Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft, die den Weltladen betreibt. Dabei reicht die Entwicklung bis in den Januar 2007 zurück. Die Grundidee ist etwa 15 Jahre alt.

Aus allen Pfarreien und Kirchengemeinden haben sich rund 30 Helfer zusammengefunden, die das Projekt betreiben. 174 Genossen haben Anteile im Gesamtwert von 23 000 Euro Stammkapital gezeichnet. "Es fehlt noch ein bisschen was", beschrieb Jäger am Samstag den noch existierenden Kapitalbedarf. Zwar gäbe es für die 70 Quadratmeter einen Mietzuschuss durch die Stadt, aber das alleine reiche nicht aus, um das umfangreiche Angebot aufrechtzuerhalten. Taschen, Schmuck, Geschirr, Trommeln, Honig, Kaffee, Bio-Bananen und auch Angebote aus der Biosphärenregion seien hier nur beispielhaft für die umfangreiche Produktpalette erwähnt. Das ändere sich von Woche zu Woche, wie Jäger meinte. Man will so in der Zeit von neun bis 19 Uhr (samstags bis 16 Uhr) auf die besonderen Wünsche der Kunden eingehen. Dafür stehen die Helfer für die entsprechende Gewährleistung, ökologischen Anbau und die Garantie auf Vermeidung von Kinderarbeit ein.

Das Bewusstsein will man durch Vorträge in Schulen und Jugendclubs schärfen. Für Stimmung sorgte bei der Eröffnung die Gruppe Samba ei jóo der Städtischen Musikschule.