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Weltklasse bei den Saarbrücker Kammerkonzerten

Saarbrücken. "Des Abends" lösen die ersten Töne Schumanns die gespannte Stille im Saal, schwellen die Saiten des Flügels zu den ersten Notenfolgen des Schumann'schen Fantasiestücks unter den Hämmerchen an. Unter den Händen des zwanzigjährigen Ukrainers Alexej Gorlatch werden nicht nur die Tasten sanft berührt; hier berührt das Spiel auch die Zuhörer

Saarbrücken. "Des Abends" lösen die ersten Töne Schumanns die gespannte Stille im Saal, schwellen die Saiten des Flügels zu den ersten Notenfolgen des Schumann'schen Fantasiestücks unter den Hämmerchen an. Unter den Händen des zwanzigjährigen Ukrainers Alexej Gorlatch werden nicht nur die Tasten sanft berührt; hier berührt das Spiel auch die Zuhörer. "Des Abends" am Freitag traf man sich in der Musikhochschule zu den Saarbrücker Kammerkonzerten. Gänsehaut, das ist ein viel bemühtes Bild: aber hier spürte man sie wirklich; später, bei Chopins "Tristesse", erlebt man, wie Gorlatch das Stück, das vom traditionellen Repertoire völlig überbeansprucht wurde, vom Kitsch befreit. Gorlatch dehnt langsame Passagen bis an die Grenze des Spielflusses, ohne dass dieser jemals gefährdet wäre. Seine Forti beziehen ihre Kraft aus seinem künstlerischen Willen, nicht aus der Kraft des Anschlags. So, wie er sie anschlägt, zieht er sie beim Ausklingen an seinen Fingerkuppen auch wieder hoch. Gorlatch traut den Partituren auch zu, dass sie vom Komponisten ausgezählt sind. Schluss ist bei Gorlatch schlicht mit der letzten Note, nicht schon Augenblicke vorher. Gorlatch darf heute schon als Pianist gelten, für den Attribute wie Weltklasse nicht ausreichen, und dessen Wesen so natürlich bescheiden ist, dass "bescheiden" noch zu unbescheiden klingt. Zuletzt gewann er den "Axa-Dublin"-Konkurs und durfte in der Folge seine erste CD produzieren. anw