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Weiterbildung darf nicht mit 40 aufhören

Regionalverband. Die Bevölkerung im Saarland schrumpft. Schon 2015 werden nach einer Prognose weniger als eine Million Menschen hier leben. Das wird auch den Arbeitsmarkt verändern Von SZ-Redakteur Markus Saeftel

Regionalverband. Die Bevölkerung im Saarland schrumpft. Schon 2015 werden nach einer Prognose weniger als eine Million Menschen hier leben. Das wird auch den Arbeitsmarkt verändern. Müssen ältere Arbeitnehmer künftig deutlich länger arbeiten, weil den Unternehmen der Nachwuchs ausgeht? Sind Firmen bereit, auch Menschen über 50 einzustellen, weil sie keine Facharbeiter mehr finden? Das sind brennende Fragen, die aber bei den Managern vieler Firmen noch nicht angekommen sind, meinte Klaus Utfeld, Personalleiter des Unternehmens Festo in St. Ingbert-Rohrbach: "Ich komme mir vor wie bei einem Tsunami: Alle wissen, dass wir Probleme kriegen, aber keiner reagiert." Utfeld war einer der Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, zu der die FDP-Fraktion in der Regionalversammlung am Dienstagabend in die Saarbrücker Arbeitskammer geladen hatte. Der halb leere Saal bestätigte Utfelds Aussage, der natürlich unterstrich, dass Festo nicht untätig sei. Das Lernzentrum sei wichtig für das lebenslange Lernen der Arbeitnehmer. In dem Unternehmen gebe es zudem ein Fitness-Studio, das die Mitarbeiter für ihre Gesundheit aber auch nutzen müssten. Ford Saarlouis ist einer der größten Arbeitgeber im Saarland. Personalleiter Michael Weber gab aber zu, dass die Chancen für Einstellungen von Älteren über 50 Jahren in einem Produktionsbetrieb wie Ford gering seien: "Ich würde eher zu den Jüngeren tendieren." Ford steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. 1200 Mitarbeiter gingen in Altersteilzeit, sagte Weber. Auch Ford lege Wert auf die Gesundheitsförderung und die Unfallvermeidung. "Bei der Qualifizierung müssen wir aber besser werden", meinte Weber selbstkritisch. Adalbert Ewen, Chef des Christlichen Gewerkschaftsbundes, sagte dazu, es könne nicht sein, dass in vielen Betrieben die Weiterbildung aufhöre, wenn die Mitarbeiter die 40-Jahre-Grenze überschritten. Winfried Hose, Geschäftsführer der Arge Saarbrücken, die sich um die Hartz-IV-Bezieher im Regionalverband kümmert, plädierte dafür, die Zuschüsse für Unternehmen abzuschaffen, die Arbeitslose einstellen. Stattdessen sollten Anreize für Arbeitslose geschaffen werden, gering bezahlte Jobs anzunehmen. Das sei zum Beispiel nach dem Ende der Firma SKF in Püttlingen 2004 gelungen, berichtete Hose. Die Differenz des Lohns zum Arbeitslosengeld habe die Agentur übernommen. So seien viele motiviert gewesen, eine Arbeit zu suchen. Heute bekomme keiner der SKF-Leute mehr staatliche Leistungen. Die Chancen für ältere Arbeitslose seien besonders in der Dienstleistungsbranche gut. Manfred Baldauf, FDP-Kandidat für das Amt des Regionalverbandsdirektors, schlug vor, Rentnern einen Zuverdienst zu ermöglichen. Die Politik müsse auch überlegen, ob es sinnvoll ist, kompetente politische Beamte nur wegen des Alters in Rente zu schicken.