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Weiter Streit um Montessori-Schule

Saarbrücken. Die Maria-Montessori-Grundschule im Saarbrücker Stadtteil Rußhütte muss wachsen. Nicht nur, weil die Schule Jahr für Jahr mehr als die Hälfte der rund 50 Bewerber ablehnen muss. Sondern auch, weil die Schule - anders als vom Grundschulstrukturentwicklungsgesetz vorgeschrieben - nur eine Klasse pro Jahrgang unterrichtet Von SZ-Mitarbeiter Andreas Lang

Saarbrücken. Die Maria-Montessori-Grundschule im Saarbrücker Stadtteil Rußhütte muss wachsen. Nicht nur, weil die Schule Jahr für Jahr mehr als die Hälfte der rund 50 Bewerber ablehnen muss. Sondern auch, weil die Schule - anders als vom Grundschulstrukturentwicklungsgesetz vorgeschrieben - nur eine Klasse pro Jahrgang unterrichtet. 50 Anmeldungen pro Jahr, von denen 20 genommen würden - diese Zahl nannte Schulelternsprecherin Petra Thielen am Freitagnachmittag bei einem Treffen, zu dem die Partei Die Linke eingeladen hatte. Guido Roth, Sprecher der Bürgerinitiative Rußhütte, sagte, gegen eine Erweiterung der Schule spreche, dass dadurch die schon schwierige Verkehrslage im Stadtteil noch verschärft werde. Roth spricht jetzt von "verhärteten Fronten" und einer "vergifteten Atmosphäre". Seiner Initiative sei vorgeworfen worden, dass sie die Schließung der Schule in Kauf nehme. "Das ist nicht wahr, wahr ist, dass wir gegen einen umgehemmten Ausbau der Schule sind." Eine durchgängig zweizügige Schule gebe die Infrastruktur der Rußhütte nicht her. Er meint: "Niemand hat was dagegen, wenn eine weitere, eine sechste Klasse hierher kommt, aber wenn es hier acht Klassen gibt, sind die Verkehrsverhältnisse mehr als gefährlich." Bei dem Treffen sollten Bürgerinitiative, Bürger, Eltern, Elternvertretung, Lehrer und Bezirksbürgermeisterin Christa Piper (SPD) den Konflikt erörtern. Schulelternsprecherin Thielen erinnerte daran, dass die Rußhütter Schule die Grundschulreform vor Jahren nur überlebt habe, weil sie nach den Montessori-Grundlagen unterrichtet und deshalb eine Ausnahmegenehmigung bekommen habe, die jetzt auslaufe. Thielen warf auch ein: "Schulerweiterung und Verkehrsberuhigung muss man als zwei getrennte Themen sehen." Zumal eine Untersuchung der Schule ergeben habe, dass die Schule relativ wenig Verkehr verursache. Demnach kommen 20 Prozent der Schüler mit dem Bus, Eltern von Auswärtigen organisieren Fahrgemeinschaften, Lehrer und Betreuerinnen kommen mit einer Ausnahme mit dem Rad.Der Organisator des Treffens Lothar Schnitzler sprach von einer idyllischen Umgebung, in der die Schule liegt. Um dieses Idyll nicht zu verlieren, könne auch die Schule nicht unendlich ausgebaut werden. Sein Lösungsansatz: "Vielleicht macht man ja in einem anderen Stadtteil einen weiteren Montessori-Standort auf." Lehrerin Ursula Warm verwies darauf, dass sich die Verkehrssituation rund um die Straße Am Hof, an der die Schule liegt, verändern könne: "Wenn zum Beispiel der Kindergarten verlagert wird, gibt es wieder weniger Verkehr." Und Bezirksbürgermeisterin Christa Piper wünscht sich, "dass die Diskussion jetzt sachlicher wird."