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| 20:27 Uhr

Gedanken zu Weihnachten
Weihnachten mit allem Drum und Dran

Kaiser Augustus und Spekulatius, Santa Claus und Nikolaus, Hirten und Rentiere, Engel und Lebkuchen. Tannengrün, Weihnachtsbaum, in der Herberge kein Raum. Maria und Joseph, Ochs, Esel und hartherzige Gastwirte. Weihnachtsgänse, Weihnachtsbäume, Weihnachtsmänner, Weihnachtsmärkte. Und ein Kind in der Krippe.

 Weihnachten mit allem Drum und Dran. Jetzt auch mit veganer Weihnachtsgans und Low-carb-Zimtsternen. Nur, dass es so nicht stimmt, dieses bunte Durcheinander, zu dem Weihnachten geworden ist. Das ist eben wirklich nur drum und dran – aber nicht drin. Das meiste, was heute dazugehört, gehört eigentlich gar nicht dazu. Vielleicht ist es da nur konsequent, wenn jetzt wieder mal vorgeschlagen wird, Weihnachten endlich in „Winterfest“ oder „O-Tannenbaum-Feier“ umzubenennen.

 Aber was war Weihnachten denn mal? Und wozu heutzutage das ganze Drum und Dran? Die letzte Frage jedenfalls hat letzte Woche eine Reportage auf den Punkt gebracht: „Der wahre Wert von Weihnachten liegt vermutlich vor allem darin, dass man einfach mal gemeinsam eine gute Zeit verbringen darf.“ Einfach mal eine gute Zeit verbringen. Na toll! Eine gute Zeit für die Familien, für den Einzelhandel, für die Kinder, für die Atheisten, für die Humanisten, für Singles, Touristen, Flüchtlinge, für Inländer, Ausländer, Europäer und überhaupt für jeden all überall.

Weihnachten als großes, fast schon globales Volksfest. Von Kiel bis München und von Rom über New York und Bethlehem bis nach Shanghai. Weihnachten als Familienzusammenbringer, Glücklichmacher und Stimmungsaufheller in der Dunklen Jahreszeit. Aber mehr ist wohl leider nicht mehr drin.

 Das Kind in der Krippe bleibt davon unberührt. Weil seine Weihnacht mehr ist. Und ganz anders. Sie findet im Stillen statt. Stille Nacht in einem Stall, weit ab vom bunten und lauten Getriebe der Welt. Stille Nacht zuhause, in der Kirche, unterwegs. Weihnachten ereignet sich in stillen Momenten, wenn uns das Eigentliche bewusstwerden kann, nämlich die Begegnung mit Gott. In dem Kind in der Krippe, im Mann am Kreuz. Eine stille Begegnung, wie ein stiller, tiefer Blick in meine Augen – ein gegenseitiges Erkennen: Du bist mein Gott, der zu mir kommt, der in der Stille der Heiligen Nacht für mich zum Menschen geworden ist.

 In dieser Stille ist mehr drin, als im ganzen weihnachtlichen Drum und Dran. Weil der wahre Wert von Weihnachten darin liegt, dass Gott mit uns Zeit verbringen will. Nicht nur „mal eine gute Zeit“, sondern alle Zeit. Auch die, die sonst keiner mit uns verbringen möchte: beispielsweise um mich zu ertragen, wenn ich übel gelaunt bin – er hält mich aus. Um mich zu trösten, wenn ich traurig bin – er versteht mich. Um bei mir zu sein, wenn alle beschäftigt sind oder keine Lust haben – er hat Zeit für mich. Um mir aufzuhelfen, wenn ich am Boden liege – er hat Hoffnung für mich. Um mir Kraft zu geben, wenn ich krank bin – er hilft mir da durch. Und um noch viel mehr für mich zu tun, zu jeder Zeit.

Also, höchste Zeit, das Drum und Dran hinter sich zu lassen und sich in aller Stille auf den Weg zur Krippe zu machen, zum Heiligen Abend. Gott wartet schon!

Markus Karsch (49) ist seit elf Jahren Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Wendel.