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Weg vom Klischee der Basteltante

Silvia Ballas-Klein arbeitet vollzeit in einer Kita und studiert zusätzlich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Foto: Seeber
Silvia Ballas-Klein arbeitet vollzeit in einer Kita und studiert zusätzlich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Foto: Seeber FOTO: Seeber
Saarbrücken. Erzieher tragen zunehmend mehr Verantwortung in der frühkindlichen Bildung. Daher strebt der Gesetzgeber an, dass zumindest Erzieher in Führungspositionen künftig studiert haben sollen. Von SZ-RedakteurinUte Klockner

Nach der Mittleren Reife wollte Silvia Ballas-Klein unbedingt "etwas mit Menschen machen", am liebsten mit Kindern. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Erzieherin - auch nach 26 Jahren noch ihr "Traumberuf". Seit 22 Jahren leitet sie die evangelische Kindertagesstätte in Spiesen. Seit drei Jahren studiert sie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) den berufsintegrierten Bachelor-Studiengang "Pädagogik der Kindheit". "Das Studium ermöglicht es, auch in anderen Bereichen, etwa der Erwachsenenarbeit oder als Bereichsleiterin bei Kita-Trägern zu arbeiten.", sagt die 49-Jährige. Klappt alles mit der Bachelor-Arbeit, ist sie Ende März 2014 studierte Kinderpädagogin.

Studierte Erzieherinnen - was in den meisten europäischen Ländern mit Ausnahme von Österreich und Malta der Standard ist - machte in Deutschland erst nach dem Pisa-Schock Schule, sagt die Studiengangsleiterin an der HTW Charis Förster. Hintergrund sei auch ein gewandeltes Berufsbild der Erzieherin, der immer mehr Verantwortung in der frühkindlichen Bildung zukommt. Sie soll am besten über Kompetenzen in der Sprachförderung verfügen, in Projekten den Kindern Naturwissenschaften näher bringen, sie im Kooperationsjahr auf die Schule vorbereiten. Das Klischee von der Basteltante sei heute unzutreffender denn je.

Seit 2011 bietet die HTW daher den berufsintegrierten Studiengang an, nachdem ein 2006 gestarteter regulärer Studiengang "Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit" von Erzieherinnen nicht gut angenommen worden sei. "Ein Schwerpunkt des Studiengangs ist es, auf Leitungsaufgaben vorzubereiten", sagt Förster. Groß-Kitas mit 40 Mitarbeitern erforderten anderes Management als der kleine Dorf-Kindergarten. Auch der Gesetzgeber strebe an, dass Kita-Leitungen künftig studiert haben sollen. So stehen an der HTW rechtliche und administrative Aufgaben ebenso wie Grundlagen der Betriebswirtschaft und des Personalmanagements auf dem Lehrplan. "Die Anforderungen steigen, unsere Kita hat künftig acht Gruppen", sagt Ballas-Klein, die dann für 25 Mitarbeiterinnen verantwortlich ist. Ihr Wissen über veränderte Rechtslagen, Kindheitspsychologie und Pädagogik gibt sie an ihre Kolleginnen weiter.

Weiteres zentrales Element des Studiums sei die Kindheitspädagogik, sagt Förster. Zwar seien auch die Beobachtung und die Dokumentation von kindlichem Verhalten und der Beurteilung, ob dieses altersgerecht sei, Ausbildungsinhalt an Fachschulen. "Doch wir machen es vertiefend, wenden die Methoden nicht nur an, sondern schauen, welche Ideen und Verfahren dahinter stecken", nennt die Professorin einen Unterschied. Die Studierenden erlernten auch das wissenschaftliche Arbeiten, und führen selbst Studien durch.

Doch nicht alle Erzieherinnen benötigten ihrer Meinung nach einen Studienabschluss. Förster plädiert daher für die Beibehaltung der drei Bereiche: Kinderpflegerinnen, die nach einem Hauptschulabschluss eine zweijährige Ausbildung machen. Daneben Erzieherinnen, die mit Vorbereitungspraktikum, zweijähriger Ausbildung und Anerkennungsjahr vier Jahre den Beruf erlernen und dabei auch ihr Fachabitur ablegen. Und eben studierte Kinderpädagoginnen. Je nach Kompetenz könnten die Aufgaben verteilt werden.

Für Silvia Ballas-Klein ist das Studium parallel zum Vollzeit-Job eine enorme Herausforderung. Umso wichtiger, dass der Kita-Träger und die Kolleginnen sie unterstützen. "Für Erzieherinnen mit kleinen Kindern ist das zeitlich nicht zu schaffen", sagt sie. Ihre Mühe wird sich am Ende jedoch finanziell nicht auszahlen. "Das ist vom Tarifvertrag nicht vorgesehen", bedauert sie.