| 21:03 Uhr

Neues zur Industriekultur
Was sich bei der Industriekultur ändern soll

Das Erlebnisbergwerk Velsen soll die Besucherzahlen steigern.
Das Erlebnisbergwerk Velsen soll die Besucherzahlen steigern. FOTO: Erlebnisbergwerk Velsen
Saarbrücken. Kultusminister Ulrich Commerçon ist nun für das Thema zuständig. Er setzt unter anderem auf eine Stärkung des Erlebnisbergwerks Velsen. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus


Saarbrücken Die Parole „Weiter so“ klingt aus dem Mund eines Ministers, der einen neuen Zuständigkeitsbereich übernommen hat, immer ein wenig fad. Deshalb formuliert es Kultusminister Ulrich Commerçon auch anders. Er sagt in Bezug auf die bereits 2013 entwickelte Premium-Standort-Strategie des Landes, die die Bergbau-Denkmäler und -Flächen betraf: „Wir gehen jetzt in die Konkretisierungsphase.“ Was übersetzt heißt: Velsen, Camphausen, Luisenthal und Itzenplitz bleiben die ehemaligen Gruben-Standorte, die Entwicklungs- und Fördergeld-Vorrang haben. Es gibt also keinen Konzeptwechsel. Ende des vergangenen Jahres hat SPD-Mann Ulrich Commerçon die Industriekultur aus eigenem Antrieb und Ehrgeiz aus dem SPD-regierten Wirtschaftsministerium an sich gezogen. Weil dort was falsch oder nur schleppend lief? Bereits seit Jahren rumort es unter den Industriekultur-Engagierten im Land, die das Schneckentempo kritisieren, mit dem es auf den Premium-Standorten, die mehrheitlich noch im Besitz der RAG sind und noch unter Bergaufsicht stehen, vorwärts geht. Commerçon: „Das Wirtschaftsministerium hatte einen anderen Fokus. Dort war man vorrangig damit beschäftigt, die Altlasten-Problematik zu klären.“ Doch von grundlegenden Veränderungen oder einer Tempobeschleunigung ist bei ihm nicht die Rede. Allerdings verschiebt das Kultusministerium sein Augenmerk in eine neue Richtung: „Wie kommen wir an Drittmittel heran? Da geht mehr für die Zukunft.“ Ein eigens fürs Fundraising eingerichtetes Förderreferat soll dafür sorgen, „mehr Geld ins Land zu holen“. Es wird jedoch nicht exklusiv nur für Industriekultur-Projekte arbeiten, sondern Anlauf- und Beratungsstelle für alle Kultur-Antragsteller sein. Noch vor der Sommerpause will Commerçon dem Kabinett ein „Gesamtkonzept“ zur Industriekultur vorlegen. Erste Inhalte verrät er der SZ. Das Thema Vernetzung der Standorte werde eine größere Rolle als bisher spielen. Auch werde man unter den Premium-Standorten eine Priorisierung vornehmen: „Wir können nicht alle vier gleichzeitig entwickeln.“ Für Commerçon gilt: Velsen first. Hier sei man mit allen Beteiligten bereits sehr weit, um eine neue Verantwortlichkeit und Trägerschaft zu installieren. Ein Qualifizierungsprojekt für Studenten als Führer werde installiert, damit das touristisch bereits gut angenommene Erlebnisbergwerk die Besucher-Zahlen steigern und auch Schulklassen intensiver betreuen könne. Auch sollen in Velsen Flächen und Immobilien vermietet werden, um Zusatz-Einnahmen zu erzielen. Die Verzahnung mit dem Völklinger Weltkulturerbe und dem Bergarbeitermuseum in Petite-Rosselle hält Commerçon für eine Kernvoraussetzung für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung in Velsen. Man werde eine engere Kooperation erreichen, verspricht er und scheut sich nicht, ein Projekt aufzurufen, das bereits seit Jahrzehnten als Lippenbekenntnis in allen Debatten auftaucht: die „Route der Industriekultur“, die „touristische Vernetzung“ aller Einzeldenkmäler und Standorte. Neben den Bergbau-Premium-Standorten existieren aber noch weitere Industriekultur-Zentren, die bereits vor rund 18 Jahren durch die Industriekultur Saar GmbH (IKS) definiert und entwickelt wurden, die „Zukunftsstandorte“. Das sind Reden, Göttelborn und das Völklinger Weltkulturerbe. Auch dafür kündigt Commerçon keine Kurskorrekturen an. Auf dem Freizeit- und Erlebnis-Standort Reden verfolge das Land das Projekt Haldenmetro konsequent weiter, im Weltkulturerbe laufe es „großartig“, dort fehle lediglich eine intensivere Anbindung an die Stadt, und das Thema Arbeiterkultur müsse weiter forciert werden. Über all das bereits vor ihm Auf-die-Schiene-Gesetzte hinaus hat Commerçon aber doch eine sehr eigene Sicht auf die Industriekultur: „Industriekultur ist mehr als die Pflege von Trachten und Chören. Daran bin ich durchaus interessiert, aber es geht um mehr, darum, insbesondere Kindern zu vermitteln, wie die Industrie unser Land und die Menschen geprägt hat.“ Er wünscht sich für dieses Themenfeld mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung durch die Museen im Land. Außerdem sagt er: „Ich mache mir nichts vor. Wir werden keine hunderte Millionen Euro haben, um märchenhafte Träume zu realisieren.“ In seinem Haushalt seien 50 000 Euro für Industriekultur ausgewiesen. Noch weniger als im Wirtschaftsministerium, das einst, als es die Premium-Standorte-Strategie auf den Weg brachte, jährlich 220 000 Euro im Etat hatte. Allerdings wurden diese Mittel bereits vor dem Wechsel der Industriekultur ins Commerçon-Ministerium zurückgefahren. Sie seien wegen der komplizierten Altlasten-Verhältnisse auf den Standorten nicht abgerufen worden, so eine Auskunft aus dem Wirtschaftsministerium. Commerçon kündigt zudem „schmerzhafte Einschnitte“ an: „Wir werden nicht jeden Förderturm erhalten können.“ Auch dieser Satz ist nicht neu. Man hörte ihn bereits 2013, als der damalige Wirtschaftsminister Heiko Maas (SPD) sein neues Industriekultur-Konzept vorstellte: das der vier Premium-Standorte.