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Krankenhaus-Diskussion
Was jetzt auf die Saar-Kliniken zukommt

Die Landesregierung will nach eigenen Angaben eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Krankenhausversorgung im Saarland gewährleisten.
Die Landesregierung will nach eigenen Angaben eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Krankenhausversorgung im Saarland gewährleisten. FOTO: Daniel Bockwoldt / dpa
Saarbrücken . Das Land fordert mehr Zusammenarbeit. Es gibt Zweifel, ob alle verbliebenen Häuser überleben werden. Von Udo Lorenz

Im Streit um die Zukunft der Krankenhäuser im Saarland hat Ärztekammer-Präsident Dr. Josef Mischo mehr öffentliche Diskussionen mit Bürgern über die Frage verlangt: Brauchen wir das Krankenhaus vor der Haustür oder nicht? Bei einer von der Gesundheitsregion Saar organisierten Expertenrunde zur Krankenhauspolitik sagte Mischo, wer mehr ambulante gesundheitliche Versorgung wolle, müsse allerdings auch berücksichtigen, dass es schon jetzt einen Mangel von Ärzten auf dem Land und an Fachärzten gebe.



Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) kündigte an, Ziel des neuen Krankenhausplanes bis 2025 werde es sein, eine sichere, qualitativ hochwertige und wohnortnahe Krankenhausversorgung für die Bürger sicherzustellen. „Um dieses Ziel zu erreichen, darf es kein Weiter so geben“, sagte sie: „Das heißt aber nicht zwangsläufig Schließungen von Krankenhäusern.“ Mehr Kooperation und Spezialisierung der Krankenhäuser lauteten die Alternativen. „Wir brauchen ein besseres Zusammenwirken der Krankenhausträger und mehr Geld für den Strukturwandel.“ Der Bund habe dazu die Weichen gestellt.

Wer gehofft hatte, die Ministerin würde den Entwurf für den neuen Krankenhausplan und das neue Krankenhausgesetz schon in der Tasche haben, sah sich allerdings enttäuscht. „Wir sind dabei“, betonte sie. „Wir werden kein Krankenhaus vom Netz nehmen ohne Parlamentsberatung.“ Dem Gesundheitsexperten Professor Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, der im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung die Schließung von bis zu fünf der 26 Krankenhaus-Standorte im Land zur Debatte gestellt hatte, wollte sich Ministerin Bachmann so nicht anschließen. Sie forderte ihn auf, „Ross und Reiter zu nennen und zu sagen, welche sollen das sein“.

Das Beispiel Wadern zeige: „Eine Schließung löst nicht nur Probleme, sie schafft auch neue Probleme.“ Für den Strukturfonds der Kassen und der Bundesländer in Höhe von einer Milliarde Euro zu Anreizen und Veränderungen im Krankenhauswesen hätten sich bundesweit 64 Kliniken beworben, darunter seien zwei genehmigungfähige Anträge aus dem Saarland. Über sie werde in den nächsten vier Wochen entschieden. „Es soll keine Abwrackprämie darstellen.“

„Stationäre Versorgung in Qualität heißt das Gebot der Krankenhauspolitik, aber Krankenhäuser müssen auch wirtschaftlich arbeiten“, leitete der Vorsitzende der Gesundheitsregion Saar, Ex-Minister Werner Schreiber, die Expertenrunde ein. Und da sieht es, wie Prof. Boris Augurzky betonte, eher düster aus. In Rheinland-Pfalz und im Saarland machen nach seinen Angaben ein Drittel aller Krankenhäuser Verlust, während beispielsweise in Sachsen alle Kliniken wirtschaftlich arbeiten. Das Saarland habe zudem das zweithöchste Preisniveau der Krankenhäuser und zehn Prozent mehr Pflegekräfte als im Bundesschnitt. Als vorteilhaft im Saar-Krankenhauswesen nannte er die sinkende Verweildauer der Patienten, die verringerte Bettenzahl, die gute Qualität und die gute Erreichbarkeit. Wegen der hohen Krankenhausdichte im Land, der oft niedrigen Spezialisierung und der häufigen Doppelstrukturen stellt Augurzky aber die gesamte Krankenhausstruktur im Land weiter auf den Prüfstand. Zur Wohortnähe sagt er, 99 Prozent der Saarländer seien in 30 Autominuten im nächsten Krankenhaus. Wenn sich das  bei einer Krankenhaus-Zusammenlegung nicht verschlimmere, könne man „mit dem Verlust leben“.

Die Landesgeschäftsführerin der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Susanne Firk, verlangte im  Krankenhauswesen „Erhalt und Verbesserung der Qualität im Zusammenspiel mit Wirtschaftlichkeit“. Im Regionalverband Saarbrücken könnten Überkapazitäten durchaus der Fall sein, meinte sie.

Der Vorstandsvorsitzende der Saarländischen Krankenhausgesellschaft und SHG-Klinikmanager Alfons Vogtel betonte: „Kooperationen sind besser als Schließungen von Einheiten. Aber natürlich wird es zu Krankenhausschließungen kommen, nicht aufgrund von Planung, sondern aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung“.