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Fachhochschule für Verwaltung
Was die Durchfall-Quote bei der Polizei erklärt

Die Kommissaranwärter der Polizei studieren in Göttelborn, wo vor Jahrzehnten noch Steinkohle gefördert wurde.
Die Kommissaranwärter der Polizei studieren in Göttelborn, wo vor Jahrzehnten noch Steinkohle gefördert wurde. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Sinkende Qualität, zu wenig Dozenten, schlechter Unterricht? Die Gewerkschaften diskutieren, auch das Ministerium meldet sich zu Wort. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Vom 14. März bis zum 22. Mai rauchten in der Fachhochschule in Göttelborn die Köpfe. 123 Kommissaranwärter der Polizei, die fast alle 2017 eingestellt worden waren, schrieben zum Abschluss des Grundstudiums ihre Prüfungen. Sie mussten alle neun Klausuren zumindest mit „ausreichend“ (04 Punkte) bestehen.


Doch eine Mitteilung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) von Donnerstag legt nahe, dass dabei etwas gehörig schieflief. 34 Anwärter sind diesen Angaben zufolge durch die Prüfung gefallen. Der GdP-Vorsitzende David Maaß legte am Freitag noch einmal nach: „Wir wehren uns gegen den pauschalen Vorwurf der Fachbereichsleitung, die schlechten Prüfungsergebnisse seien durch mangelnde Qualität der Studierenden verursacht.“ Das Verhältnis zwischen Fachbereichsleitung und den jungen Anwärtern scheine „extrem angespannt“ zu sein.

Das Innenministerium bestätigte am Freitag auf SZ-Anfrage, dass 24 Studenten im Juli eine oder zwei Klausuren nachschreiben müssen. Schaffen sie dann wenigstens das „ausreichend“, werden sie zum Hauptstudium zugelassen. Andernfalls wird entschieden, ob sie das Grundstudium einmal wiederholen dürfen. Diese Zahl von 24 mag hoch erscheinen, aber sie fällt nicht aus dem Rahmen der vergangenen Jahre. 2017 mussten  27 Studenten nachschreiben, 2016 waren es 19, zuvor allerdings neun und zwölf.



Ungewöhnlich hoch erscheint aber die Zahl der Studenten (zehn), die bei den Klausuren so schlecht abgeschnitten haben, dass sie nicht mehr nachschreiben dürfen. Bei diesen Studenten müssen Innenministerium und Fachhochschule nun entscheiden, ob sie das erste Studienjahr wiederholen können – oder entlassen werden.

Zum Vergleich: In den Jahren 2014 bis 2017 galt dies lediglich für maximal drei Kommissaranwärter. Das Innenministerium spricht davon, dass – im Verhältnis zu den Einstellungszahlen betrachtet – „nur eine ganz geringe Anzahl“ das Studienziel nicht erreicht habe. Die Frage ist aber dennoch, wie sich der Anstieg erklären lässt. Die GdP wies die offenbar an der Fachhochschule vertretene These, es liege an der nachlassenden Qualität der Kommissaranwärter, zurück. „Den schwarzen Peter ausschließlich den Studierenden zuzuschieben, ist eine einfache Art, Verantwortung für diese Misere von sich zu weisen“, erklärte David Maaß. Es werde langsam deutlich, dass die Gründe für die hohen Durchfallquoten „wohl auch durch Mängel in der Wissensvermittlung und Führungsleistung im Fachbereich begründet sind“.

Die Nachwuchs-Organisation der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Junge Polizei, mutmaßte, es könne daran liegen, dass die Zahl der Bewerber deutlich zurückgegangen sei, was auch daran liege, dass der Polizisten-Job nicht mehr so attraktiv sei. Ein anderer Erklärungsansatz zielt auf schlechter gewordene Studienbedingungen: So sei die Zahl der Kommissaranwärter zwar erhöht worden, allerdings sei die Zahl der Dozenten an der Fachhochschule nicht in gleichem Maße angestiegen.

Das Innenministerium weist darauf hin, dass erfahrene Dozenten eingesetzt würden, das Niveau der Klausuren habe den Vorjahren entsprochen. Und die Studienbedingungen hätten sich seit 2016 sogar eher verbessert, denn seither müssten die Anwärter nur noch neun Klausuren schreiben und nicht mehr 13.

Wer es ins Hauptstudium geschafft hat, hat statistisch gesehen übrigens sehr gute Chancen, Kommissar zu werden: 2018 mussten zwar vier Anwärter die Abschlussprüfung wiederholen, am Ende bestanden aber alle 78 Teilnehmer. In den Vorjahren gab es maximal zwei Durchfaller.