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Warum die SPD sich verweigert

Wer verstehen will, worum es bei dem Krach zwischen CDU und SPD im Kreistag über die Aufteilung der Familienzentren eigentlich ging (siehe nebenstehenden Bericht), muss sich in der personellen Struktur der Träger, über die so heftig diskutiert wurde, auskennen

Wer verstehen will, worum es bei dem Krach zwischen CDU und SPD im Kreistag über die Aufteilung der Familienzentren eigentlich ging (siehe nebenstehenden Bericht), muss sich in der personellen Struktur der Träger, über die so heftig diskutiert wurde, auskennen. Auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, warum bei einem so komplexen und wenig öffentlichkeitswirksamen Thema wie der Jugendhilfe die Meinungen so heftig aufeinander prallen.Nun ist kein Geheimnis, dass die Arbeiterwohlfahrt als SPD-nah gilt, während die Kinder- und Jugendhilfe St. Maria als der CDU nahe stehend gesehen wird. Das hat in der Vergangenheit selten Anlass zum Streit gegeben, warum also diesmal?Wer einen Blick auf die Kinder- und Jugendhilfe St. Maria wirft, stellt fest, dass deren Verwaltungsleiter Wolfgang Maring ist - der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Waderner Stadtrat. Die Kinder- und Jugendhilfe hat vor kurzem den denkmalgeschützten Dagstuhler Bahnhof erworben, damit vor dem Abriss gerettet und eine monatelange Debatte in Wadern beendet. Im Bahnhofs-Hauptgebäude will der Träger eine Kinderkrippe für Wadern errichte. Das erklärte eben jener Wolfgang Maring im März in Dagstuhl, nachdem der Bahnhofskauf unter Dach und Fach war. Nun gibt es aber auch noch ein zweites, kleineres Gebäude. In diesem ehemaligen Dienstgebäude wolle die Kinder- und Jugendhilfe "zusätzliche Angebote der Jugendhilfe" unterbringen, hatte Maring im März erklärt. Man kann sich an drei Fingern abzählen, wo das Familienzentrum Wadern/Weiskirchen (für das die Kinder- und Jugendhilfe nach dem Kreistagsbeschluss vorrangig zuständig ist) hinkommen wird. Schon schmücken sich CDU-Kandidaten aus Wadern mit dem, was mit dem Bahnhof künftig geschehen soll.Dass die SPD im Kreistag eine - aus ihrer Sicht - Wahlhilfe für CDU-Kommunalpolitiker nicht mittragen wollte, wird damit nachvollziehbar. Eine andere Frage ist, ob die Sozialdemokraten mit ihrer Verweigerungshaltung dem Modell einer dezentralen Jugendhilfe-Struktur einen Gefallen getan haben.