| 20:58 Uhr

Homburg/Saarbrücken
Vorstandschef der Uniklinik muss in Zukunft kein Arzt mehr sein

Homburg/Saarbrücken. Der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums in Homburg muss in Zukunft nicht mehr zwingend ein Arzt sein. Bislang schreibt das Uniklinik-Gesetz vor, dass der Ärztliche Direktor – derzeit Professor Bernhard Schick – automatisch auch Vorsitzender des Vorstands ist.

Dem Vorstand gehören auch der Kaufmännische Direktor, der Pflegedirektor und der Dekan der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni an.


Der Landtag hat gestern mit den Stimmen der großen Koalition allerdings die Strukturen an der Uniklinik-Spitze neu geordnet. Demnach wird der Vorstandschef künftig vom Aufsichtsrat bestimmt, um dem Prinzip der Bestenauslese besser gerecht zu werden, wie es im Gesetzentwurf heißt. Allerdings „soll“ der Vorstandsvorsitzende eine ärztliche Ausbildung abgeschlossen haben – in „begründeten Ausnahmefällen“ darf davon abgewichen werden.

Im ursprünglichen Gesetzentwurf hatte es keinerlei Vorgabe zur ärztlichen Qualifikation des Vorstandschefs gegeben. Dagegen hatte sich jedoch Widerstand formiert, auch an der Uniklinik, so dass die Koalition den Entwurf schließlich nachbesserte und die „Soll“-Bestimmung einfügte. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) stellte klar, ein Mediziner an der Spitze der Uniklinik werde – wie in den anderen Bundesländern auch – der Regelfall bleiben, alles andere seien „absolute Ausnahmen“. Wobei der CDU-Abgeordnete Raphael Schäfer die Frage aufwarf, warum nicht auch ein guter Pflegedirektor mal Vorstandschef werden könne. Christina Baltes (SPD) sagte jedoch, bei Patt-Situationen im vierköpfigen Vorstand sei es zwingend erforderlich, dass ein Mediziner als Vorsitzender mit seiner Stimme den Ausschlag gibt.



Die Linke pochte auf die Beibehaltung der Strukturen; die Abgeordnete Barbara Spaniol sagte, es gebe genügend hervorragende Mediziner an der Uniklinik, die als Vorsitzender infrage kämen. Sie forderte mehr Beschäftigtenvertreter im Aufsichtsrat. Dieser Forderung schloss sich AfD-Mann Rudolf Müller an, der vor einer weiteren Ökonomisierung der Uniklinik warnte.