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Von Freud' und Leid eines RadlersWas die Politik zum Thema Radfahren sagt

Saarbrücken. "Die Situation für Radfahrer in Saarbrücken ist besser geworden. Als wir beispielsweise anfingen, gab es hier so gut wie keine Radwege. Aber richtig gut ist die Lage auch nicht": Detlef Braun weiß, wovon er spricht Von SZ-Redakteurin Ulrike Paulmann

Saarbrücken. "Die Situation für Radfahrer in Saarbrücken ist besser geworden. Als wir beispielsweise anfingen, gab es hier so gut wie keine Radwege. Aber richtig gut ist die Lage auch nicht": Detlef Braun weiß, wovon er spricht. 1991 eröffnete der heute 49-Jährige seinen Fahrradkurierdienst Velofix in Saarbrücken - und trat in Folge dessen überall in der Stadt auch selber in die Pedale. Die SZ wollte von ihm und einem weiteren "Fahrrad-Praktiker" wissen, was sie zum Thema "Radeln in Saarbrücken" sagen - schließlich wird dieses oft in Saarbrücken diskutiert (siehe Kasten).Je nach Auftragseingang schickt Braun täglich zwei bis drei Mitarbeiter der Firma - zumeist Studenten - auf Tour. Die Profis kennen sich dementsprechend gut aus auf Saarbrückens Straßen. Ja, richtig, auf den Straßen: "Denn wir nutzen oft die Radwege nicht." Warum? Weil die Situation in so mancher Straße, zum Beispiel der Mainzer Straße, "katastrophal" sei: "Da münden diverse Einfahrten in den Radweg, das ist sehr gefährlich". Es habe schon Unfälle gegeben. Außerdem seien Radwege oft zugeparkt oder endeten im Nirgendwo. Außerdem, erzählt Braun weiter, fahren die Kuriere auch deshalb auf der Straße, um Konflikte mit Fußgängern zu vermeiden: "Es wäre schon gut, wenn man die Radwege richtig von den Fußgängerwegen trennen könnte, zum Beispiel durch einen kleinen Absatz." Auch in Sachen Abstellmöglichkeiten wünscht sich der Kurierdienst-Chef Verbesserungen: "Denn es wird sehr viel geklaut." Zwei bis drei Räder pro Jahr verschwinden ihm zufolge. Er schlägt deshalb bewachte Fahrradparkplätze vor.Besser geschützte Abstellplätze für Fahrräder wünscht sich auch der Saarbrücker Peter Franke (Foto: SZ): "Mietbare Abstellschuppen oder gar eine Radstation in Saarbrücken wären gut." Der 45-Jährige hat keinen Führerschein, bezeichnet sich selbst als "Berufsradfahrer". Das heißt: Egal, ob der Fachinformatiker für Systemintegration Medienkompetenzkurse an der Uni hält oder Internet- und Telefonservice bei Kunden anbietet - immer kommt er mit dem Rad an den gewünschten Ort. Etwa 25 Kilometer pro Tag legt er zurück, bei jedem Wetter. Franke meint: "Ob Saarbrücken genug Radwege hat oder nicht, ist gar nicht entscheidend. Es kommt vielmehr darauf an, ob man akzeptiert wird." Auch er hat schon schlimme Erfahrungen mit zugeparkten Radwegen gemacht: "Versuchen Sie mal, am Wochenende abends auf dem Radweg in der Bleichstraße entlangzufahren. Der ist dann garantiert von vorne bis hinten zugeparkt." Wenn Radweg, dann bitte richtig, sagt er - und findet viele Beispiele, wie es nicht perfekt ist: "Da sind manche Bordsteine nicht richtig abgeflacht, da ist zum Beispiel der Radweg zur Uni zwischen dem Waldhaus und der Sportschule zu schlecht ausgebaut, man muss ihn mit Fußgängern teilen." Gut dagegen findet er den Radweg über die Bismarckbrücke. Solche guten Beispiele, so sagt er, müsste es mehr geben. Saarbrücken. Welchen Stellenwert hat der Radverkehr in Saarbrücken für die Parteien, wie sieht ihr Konzept für die Weiterentwicklung des Radverkehrs in Saarbrücken aus? Das fragte die Saarbrücker Zeitung. Hier die Antworten:CDU: "Die CDU will eine bessere Vernetzung, ein Miteinander von Auto, Rad und ÖPNV im Verkehrsentwicklungsplan festschreiben. Wir sind deshalb für den Bau neuer Radwege in der Metzer- und Dudweilerstraße und haben im Haushalt die Voraussetzungen für den Ausbau des Rad-/Fußweges vom Ostbahnhof bis zur Scheidter Straße geschaffen."SPD: "Der Radverkehrsanteil wird von zwei auf zehn Prozent erhöht durch Haupt- und Nebenrouten, die möglichst nah an die Fußgängerzonen heranführen, alle Fahrtrichtungen abdecken und die Stadtteile ans innerstädtische Radwegenetz anbinden. Wir fördern die Radtouristik unter anderem durch die Erschließung des Radwegs rechts der Saar." Grüne: "Wir setzen uns für eine Erhöhung des Radverkehrs auf zehn Prozent des Gesamtverkehrsaufkommens ein, dazu brauchen wir aber einen echten Radfahrhaushalt und einen ,richtigen' Fahrradbeauftragten der Stadt. Die CDU/FDP-Mehrheitskoalition hat dies in den letzten fünf Jahren regelmäßig verhindert. Insbesondere fordern wir eine schnelle Verbesserung der Radparksituation am St. Johanner Markt." FDP: "Die FDP Saarbrücken ist für ein ideologiefreies, sachgerechtes und gleichberechtigtes Nebeneinander von Individualverkehr, Radfahrern, Fußgängern und ÖPNV. Der Ausbau des Radwegnetzes muss ausgebaut werden. Auch gibt es kaum Abstellplätze für Fahrräder, diese müssen verstärkt in der Innenstadt geschaffen werden." Die Linke: "Der Saarbrücker Fahrradverkehr wird immer noch stiefmütterlich behandelt. Wenn es gelingen soll, die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir in Saarbrücken einen Fahrradanteil von deutlich über zehn Prozent. Dies geht nur, wenn endlich ein lückenloses Radwegenetz (mittels Radverkehrsstreifen auf den Fahrbahnen) aufgebaut wird." Freie Wähler/Bürgerbündnis: "Radfahren in der Saarbrücker City gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge. Es muss ein sicheres, ausreichendes und schlüssig vernetztes Radwegenetz geplant und umgesetzt werden. Radwege auf Busspuren oder Stückwerk mit willkürlichem Anfang und Ende sind inakzeptabel. Die Saarbahnschienen sind zudem ein extremes Risiko." up



Hintergrund2009 und 2010 sollen 1,2 Millionen Euro in die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur investiert werden. Das sieht das "Strategiepapier zur Entwicklung des Radverkehrs in Saarbrücken" vor. 2009 sollen so 700 000 Euro für Radspuren in der Dudweilerstraße (Brauerstraße bis Beethovenplatz), eine Radspur in der Metzerstraße (bergauf zwischen Schutzbergstraße und Bellevue) und einen Geh- und Radweg in der Metzerstraße (Bellevue bis Folsterhöhe) ausgegeben werden. Die Gelder sind im Haushalt eingestellt. Über die 2010er-Investitionen muss der neue Rat entscheiden. Die Stadt will einen Radverkehrsanteil von insgesamt zehn Prozent errreichen. Kontakt zum städtischen Fahrradbeauftragten, Peter Teschner: Tel. (06 81) 905-40 11. up