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Vom Leben und Sterben der Kelten

Eine eisenzeitliche Begräbnisszene stellten die Hochwaldkelten nach.Foto: Frank Faber
Eine eisenzeitliche Begräbnisszene stellten die Hochwaldkelten nach.Foto: Frank Faber FOTO: Frank Faber
Otzenhausen. Die Rekonstruktion einer keltischen Siedlung am Fuße des Otzenhauser Ringwalls nimmt langsam Gestalt an. Beim zweitägigen Keltentreffen ist das Areal im Keltenpark erstmals mit Leben erfüllt worden. Akteure stellten mit ihren Vorführungen das Leben und Sterben der Kelten nach. Von SZ-Mitarbeiter Frank Faber

Das Wohnhaus, ein Handwerker- und ein wie auf Stelzen stehendes Speichergebäude im Keltenpark befinden sich noch im Rohbau. Rundherum haben Keltengruppen ihre Zelte aufgeschlagen. "Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass wir es leider nicht geschafft haben, die Zelte der Keltengruppen mit dem fertigen Gebäude zu arrondieren", bedauert Thomas Finkler, von der Tourist-Info der Gemeinde Nonnweiler. In Kürze, so Finkler, sollen die ersten drei Gebäude fertiggestellt sein. Denkt man sich das Metallgerüst am Speichergebäude einmal weg, so vermittelt das Areal einen Eindruck, wie die Kelten vor 2000 Jahren gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Waren sie wild und langhaarig?

Wert auf Hygiene gelegt

Patrick Meyer von der Keltengruppe Projekt Laténe rückt das klischeehafte Keltenbild zurecht. "Sie waren keine dreckigen, zotteligen Langhaarigen und keine Barbaren", meint Meyer. Er berichtet über die Hygiene bei den Kelten. "Die Hygiene war ihnen ganz wichtig, um gesund zu bleiben", erklärt Meyer, der auf Funde in Männergräbern hinweist. Bereits 400 vor Christus seien Rasiermesser für die Bartpflege den Kelten zuzuordnen, sie hätten auch Läusekämme aus Holz gefertigt, was allerdings sehr schwer nachzuweisen sei. "Es gab auch schon ein Toilettenbesteck", führt Meyer weiter aus. Dazu zählt er noch den Ohrlöffel, die Pinzette und auf Fettbasis hergestellte Seife auf.

Die Geschichte, die man bislang über die Kelten erfahren hat, so sagt Michael Koch von den Hochwaldkelten, ist eine Geschichte aus Gräbern. In der Arena präsentiert die Keltengruppe den Rekonstruktionsversuch einer eisenzeitlichen Begräbnisszene. "Wir sind natürlich immer davon abhängig, was die Forscher für uns erforschen", sagt Koch. In der Szene legt der Druide die Beigaben, bestehend aus Schmuck Waffen, Brot oder Wasser, ins offene Grab hinein.

Keltische Modenschau

Szenenwechsel. Moderator Koch lässt keltische Models aufmarschieren, die die Kleidung von der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit von etwa 800 bis 475 vor Christus) bis in die Zeit des Volksstammes der Treverer präsentieren. "Anhand der Fibelchronologie ist durch deren Funde alles zeitlich einzugrenzen", schildert Koch. Beeinflusst sei die keltische Mode in der Spätlaténezeit (5. bis 1. Jahrhundert vor Christus) durch mediterrane Einflüsse. "Die Kelten haben ja nicht alleine gelebt, sie waren immer im Austausch mit dem Süden, in friedlichen und kriegerischen Zeiten", begründet er. Die Düsseldorfer Textilexpertin für die Hunsrück-Eifel-Kultur Sylvia Crumbach, referiert über die Textilverarbeitung vom Schaf bis zur Haute Couture. Hochwaldkelte Thomas Schäfer zeigt das Bronzegussverfahren, daneben gibt es weitere Handwerksvorführungen, die Bewaffnung/Kampfesweise, Nahrungsmittel, Schmuck sowie Keramik und ihre Herstellung. Finkler bezeichnet das erste Keltentreffen als "Testival", für das er sich am Samstag schon ein paar Besucher mehr gewünscht hätte.


Zum Thema:

Auf einen BlickUnd hier die Akteure beim ersten Keltentreffen im Otzenhauser Keltenpark: das Projekt Laténe, Hassia Celtica, die Hochwaldkelten vom Freundeskreis Keltischer Ringwall, Folkert van Wijk und die Textilexpertin für die Hunsrück-Eifel-Kultur, Sylvia Crumbach. frf