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Vollgas am neuen Standort"Merzig bietet uns viele Vorteile"

Merzig/Dillingen. Handwerker beherrschen die Büroräume, modeln um. In der großen Halle bauen Techniker die neue Heidelberger Speedmaster CX mit Fünf-Farben plus Dispersionslackwerk, Inline-Farbmessung und vollautomatischem Druckplattenwechsler auf - im laufenden Betrieb. "Die neue Druckmaschine war für Dillingen geplant Von SZ-Redakteurin Margit Stark

Merzig/Dillingen. Handwerker beherrschen die Büroräume, modeln um. In der großen Halle bauen Techniker die neue Heidelberger Speedmaster CX mit Fünf-Farben plus Dispersionslackwerk, Inline-Farbmessung und vollautomatischem Druckplattenwechsler auf - im laufenden Betrieb. "Die neue Druckmaschine war für Dillingen geplant. Jetzt wird sie in Merzig aufgestellt", verrät Andreas Krüger, Geschäftsführer vom Krüger Druck + Verlag Dillingen, der SZ in einem Interview.Wert der Maschine, die die gesamte Länge der Halle ausfüllt: rund 1,8 Millionen Euro. "Insgesamt investieren wir gut 3,8 Millionen Euro in den neuen Standort - inklusive des Kaufs von Gelände, Gebäude und Maschinenpark", rechnet der Geschäftsführer hoch.


Im Sommer des vergangenen Jahres hat sich das Familien-Unternehmen aus der Hüttenstadt in der Kreisstadt angesiedelt - in der ehemaligen Merziger Druckerei & Verlag GmbH (MDV) im Gewerbegebiet Siebend. Zum 1. August hatte das Traditionsunternehmen Merziger Druckerei dichtgemacht. Grund: Insolvenz. Mehr als 50 Mitarbeiter waren betroffen - ebenso der Gollenstein-Verlag, der sich im Jahr 2007 bei der Druckerei angesiedelt hatte.

"Die teilweise Verlagerung des Betriebs nach Merzig gibt uns die Möglichkeit, noch produktiver - und klar nach Geschäftsfeldern getrennt - zu produzieren", nennt Krüger den Grund für diesen Schritt. "Mit der Teilbetriebsverlagerung gehen mehrere Maschineninvestitionen einher, um die Leistungsfähigkeit und den Qualitätsstandard noch zu steigern und die Flexibilität weiter zu erhöhen."



So ist der Bogen-Offset-Druck in der Kreisstadt angelaufen, darunter auch die Herstellung von Reiseführern. Die ersten Exemplare warten auf den Abtransport. "Am 1. November ist die Produktion in der Kreisstadt gestartet." Die Formular- sowie die Schießscheibenproduktion bleiben nach Krügers Worten in Dillingen. Zwei Drittel der 85 Arbeitnehmer werden ihren Arbeitsplatz in der Kreisstadt Merzig haben. "Wir haben mit den Mitarbeitern gesprochen. Sie sind einverstanden", sagt Geschäftsführer Krüger. "Sie pendeln jetzt schon zwischen beiden Standorten." Was hat den Ausschlag gegeben, einen Teil der Produktion von Dillingen nach Merzig zu verlagern?

Andreas Krüger: Das Unternehmen ist sehr stark gewachsen, der Dillinger Standort - mitten in der Stadt - ist für eine Druckerei in dieser Größe sehr schwierig geworden. Wir hatten logistische Probleme mit der Abwicklung der Aufträge und dem Transport des gesamten Materials. Die Anbindung, Be- und Entlieferung waren mehr als schwierig.

Die Vorteile in Merzig?

Andreas Krüger: Das Gebäude ist technisch und von der Bausubstanz her bestens für uns geeignet. Es gibt ausreichend Büros, die gesamte Produktionsfläche ist auf einer Ebene. Der Warenfluss kann sehr gut gesteuert werden, es gibt sehr gute Voraussetzungen zum Be- und Entladen auf einem großen Hof und über eine Rampe am Lager. Ausreichend Parkplätze für Mitarbeiter und Kunden sind vorhanden. Nicht zu vergessen: die sehr gute Autobahnanbindung.

Waren die Verhandlungen mit der MDV schwierig?

Krüger: Verhandlungen sind eigentlich bei solch einem Projekt immer schwierig, jeder hat seine Vorstellungen. Man muss halt eine tragbare Lösung für beide Parteien finden. Wir haben eine gute gemeinsame Lösung gefunden. Die Sparkasse Merzig-Wadern hat uns sehr bei dieser Sache geholfen.

Wurde der komplette Komplex erworben, also Gelände und Haus?

Krüger: Wir haben das Gebäude und Gelände erworben sowie den gesamten Maschinenpark.

Welche Betriebs-Bereiche werden nach Merzig verlagert?

Krüger: Wir verlagern die Bogen-Offsetdruckerei mit einem Teil der Buchbinderei nach Merzig. In diesem Bereich werden zum Beispiel Geschäftsdrucksachen, Prospekte, Bücher, Flyer und Plakate produziert. Ein Tochterunternehmen der MDV war die Media Serve, ein hoch spezialisiertes Vorstufenunternehmen für Lithographie und Datenbankhandling, ging in Folgeinsolvenz. Wir haben auch dieses Unternehmen übernommen und werden es eigenständig in Merzig fortführen.

Was ist "Bogen-Offsetdruck"?

Krüger: Der Offsetdruck bietet die beste Druckqualität und wird durchgehend bei uns eingesetzt. Dieses Druckverfahren wird weltweit in fast allen Druckereien eingesetzt. Es ist ein indirektes Druckverfahren, die Druckplatte wird eingefärbt, überträgt die Druckfarbe auf das Gummituch und dieses dann den Druck auf das Papier. Bei Krüger Druck bis zu 16 500 Bogen bis zum Format 75 x 105 Zentimeter pro Stunde.

Wie viele Mitarbeiter werden künftig in Merzig arbeiten?

Krüger: Krüger Druck beschäftigt heute 85 festangestellte Mitarbeiter sowie Teilzeitkräfte in Dillingen. Wir werden - je nach Produkten in Merzig - mit zwischen 40 und 60 festangestellten Mitarbeiter produzieren. Je nach Auftragslage werden noch Teilzeitkräfte mit eingesetzt. In Dillingen fertigen wir weiter den Endlosformulardruck auf ganz speziellen Maschinen. Krüger Druck ist Weltmarktführer für die Herstellung von Schießscheiben und Bogenauflagen für die Sportschützen. Diese Produkte werden weiter in Dillingen produziert. Im Bereich der Buchbinderei und der Konfektionierung wird auch weiter vieles in Dillingen gefertigt. Manche Mitarbeiter arbeiten zeitweise in Dillingen und im Wechsel in Merzig.

Sind Neueinstellungen angedacht?

Krüger: Wir haben - inklusive der Media Serve - bis heute elf Mitarbeiter übernommen.

Wann soll die Produktion in Merzig starten?

Krüger: Wir produzieren seit dem 1. November am Standort Merzig. Heute wechseln schon die Mitarbeiter zwischen beiden Standorten. Seit Ende des Jahres installieren wir hier in Merzig eine neue Druckmaschine 5-Farben mit Lackwerk. Der aufwendigste Schritt ist der Umzug unserer 8-Farben-Druckmaschine. Dafür planen wir mindestens drei Wochen ein. Wir werden gleitend Maschinen umsetzen und wollen dies bis Anfang Februar abgeschlossen haben.

Wird wegen des Umzuges kurzfristig die Produktion gestoppt?

Krüger: Natürlich gibt es die eine oder andere Unterbrechung an jedem Standort. Die Produktion wird nie im Gesamten gestoppt.