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Saarländischer Fachärztetag
Volle Praxen und kein Nachfolger

Notstand bei den Saar-Fachärzten: Die Gründe dafür sind vielfältig – und Thema beim 12. Saarländischen Fachärztetag in Saarbrücken am Wochenende.
Notstand bei den Saar-Fachärzten: Die Gründe dafür sind vielfältig – und Thema beim 12. Saarländischen Fachärztetag in Saarbrücken am Wochenende. FOTO: Patrick Seeger / dpa
Saarbrücken. Der Saarländische Fachärztetag befasst sich mit dem Notstand der Fachmediziner. Von Udo Lorenz

In den Kassenpraxen der 1120 Fachärzte im Saarland drängeln sich immer mehr Patienten, während es den Medizinern mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren gleichzeitig an ärztlichem Nachwuchs für die Zukunft fehlt. Oftmals müssen Patienten – von akuten Fällen abgesehen – Wartezeiten zwischen vier Wochen und vier Monaten in Kauf nehmen, ehe sie einen Termin bei einem Rheumatologen, Dermatologen, Neurologen oder Psychotherapeuten bekommen. Die Gründe für den „Notstand in der ambulanten ärztlichen fachärztlichen Versorgung“, der am Wochenende Thema des 12. Saarländischen Fachärztetages in Saarbrücken ist, sehen die Mediziner vor allem in der Politik. Doch auch das Patientenverhalten scheint eine Rolle zu spielen.


„Die Facharztpraxen werden überrannt von Patienten mit Fällen, die eigentlich auch gut der Hausarzt behandeln könnte“, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saarland, Dr. Gerhard Hauptmann. Laut einer Repräsentativbefragung der KV von 2017 gehen im Saarland 83 Prozent der 18- bis 79-Jährigen mindestens einmal im Jahr zum Arzt, wobei das Gros der 1,7 Millionen Behandlungsfälle pro Quartal nicht auf die Hausärzte, sondern auf die Fachärzte entfällt.

Dabei ist schon jetzt mehr als jeder vierte Facharzt im Saarland älter als 60 Jahre und sucht oft vergeblich einen Nachfolger. Ein Grund: Die durchschnittliche 55-Stunden-Woche eines niedergelassenen Facharztes und die hohen Anfangs-Investitionskosten in die Praxis lassen viele Nachwuchsmediziner eher eine Anstellung mit 40-Stunden-Woche an einer Klinik oder einem Medizinischen Versorgungszentrum suchen. „Die Ursachen, warum Klinikärzte den Sprung in die Niederlassung scheuen, sind vielfältig und das zentrale Thema des Fachärztetages“, so der Neurochirurg Dr. Axel Feldges und Dr. A. Hümpfner vom Vorstand des Facharztforums Saar. Die Forderungen der Saar-Fachärzteschaft an die Bundesregierung lauten: „Weg mit der Leistungs-Budgetierung in den Praxen, mehr Planungssicherheit und Förderprogramme für den ärztlichen Nachwuchs sowie Hände weg von der ärztlichen Selbstverwaltung“.

Den Hauptvortrag des Saarländischen Fachärztetages hält der Geschäftsführer der Freien Allianz der Länder-KVen, Martin Degenhard, zum Thema „Notstand in der ambulanten fachärztlichen Versorgung“.