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Vermittler im Missbrauchsskandal am Johanneum legt sein Amt nieder

Homburg. Professor Bernhard Haupert hat sein Amt als Mediator zwischen dem Orden der Hiltruper Missionare und einer Initiative von Missbrauchsopfern, die am Homburger Gymnasium Johanneum zur Schule gegangen waren, niedergelegt. Das bestätigte Haupert, der in Illingen lebt und an der Fachhochschule Mainz arbeitet, auf SZ-Anfrage

Homburg. Professor Bernhard Haupert hat sein Amt als Mediator zwischen dem Orden der Hiltruper Missionare und einer Initiative von Missbrauchsopfern, die am Homburger Gymnasium Johanneum zur Schule gegangen waren, niedergelegt. Das bestätigte Haupert, der in Illingen lebt und an der Fachhochschule Mainz arbeitet, auf SZ-Anfrage.Er hatte als Ansprechpartner für Opfer fungiert, die nicht direkt mit dem Orden in Kontakt treten wollten. Haupert begründete seinen Schritt damit, dass ihm der Anwalt eines Paters mit rechtlichen Konsequenzen gedroht hatte. Hintergrund sind angebliche Äußerungen des Professors über den Geistlichen im Gespräch mit Opfervertretern und Ordensleitung. Von dem Treffen sollte eigentlich nichts nach außen dringen, da bei Mediationen alle Beteiligten zu Stillschweigen verpflichtet sind. Der Pater, der einen Anwalt eingeschaltet hatte, war an dem Treffen selbst nicht dabei, so dass sich die Frage stellt, wie er überhaupt von solchen Äußerungen erfahren haben will.



Haupert sah sich aufgrund dessen nicht mehr imstande, als Mediator weiterzumachen. Er verwies darauf, dass er sich keinen Rechtsstreit zumuten wolle, der mit erheblichen Kosten für ihn einhergehen könnte und an seinen Nerven zehren würde. Schon die Mediation selbst habe ihn mit Begebenheiten konfrontiert, die man psychisch erst einmal verarbeiten müsse, betonte Haupert.

Neuer Provinzial, also Ordens-Chef der Münster-Hiltruper Herz-Jesu-Missionare, ist Martin Kleer, der auch Missbrauchsbeauftragter des Ordens ist. Kleer teilte der "Rheinpfalz" mit, das Verhältnis der Ordensleitung zu Haupert sei bis zuletzt "außerordentlich gut" gewesen. Der Orden habe nicht gewusst, dass eines seiner Mitglieder einen Anwalt beauftragt hat. "Die von dem Rechtsanwalt unternommenen Schritte hatte dieser wiederum nicht mit dem betreffenden Ordensmitglied abgestimmt", so Kleer. Dazu sagte Haupert, er halte es für höchst unwahrscheinlich, dass die Anwaltsschreiben an ihn nicht mit dessen Mandant abgestimmt gewesen sein sollen.

Ferner teilte er der SZ mit, dass aus seiner Sicht neben den zwei vom Orden eingeräumten Fällen einige weitere Ordensmitglieder als Täter in Betracht kämen - nicht im strafrechtlichen Sinne, aber im Sinne von "pädagogischen Grenzverletzungen". nof