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SaarVV erhöht Fahrkartenpreise
Schüler und Rentner müssen mehr für Monatskarten zahlen

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Völklingen/Überherrn. Verkehrsverbund SaarVV erhöht Preise ab 2019 um etwa 2,3 Prozent. Bürger-Initiative kritisiert „heftige Tariferhöhung“. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Besonders Schüler und Rentner mit Monatskarten sind von der Preiserhöhung betroffen, die am Freitag der Marketing-Chef des SaarVV, Peter Gentes, in einer Pressemitteilung für den Jahresanfang 2019 ankündigte. Gentes sprach von „moderaten Tarifanpassungen“ für Fahrscheine in Bussen und Bahnen im Saarland. Die Preiserhöhung betrage durchschnittlich 2,3 Prozent, hieß es. Die Zeitkarten „Jedermann und Ausbildung“ sowie die Senioren-Tickets würden durchschnittlich um 2,5 Prozent verteuert,  die Bürger-Tickets um 2,3 Prozent. Die größte Preisteigerung müssen die Schüler verkraften, deren Landkreis-Schüler-Ticket-Preise um 2,6 Prozent angehoben werden. „Der aktuelle Tarifabschluss zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband sowie die derzeit extrem hohen Dieselkosten sind bei dieser Preisanpassung noch nicht berücksichtigt“, erklärte Elke Schmidt, Geschäftsführerin der Saarländischen Nahverkehrs-Service GmbH, die den SaarVV trägt.


Erhard Pitzius, Sprecher der Bürger-Initiative Plattform Mobilität Saar-Lor-Lux aus Überherrn-Felsberg, bezeichnete die Preiserhöhung als „heftig“  im Vergleich zu den bereits bekannt gewordenen Preiserhöhungen anderer Verkehrsverbünde, die  unter zwei Prozent lägen. Dass es ausgerechnet Senioren und Schüler am härtesten treffe, sei alles andere als sozial ausgewogen. Bereits heute zahlen viele Eltern für ein Landkreis-Ticket im Jahr für jedes Kind etwa 700 Euro. Nur dafür, dass die Kinder zur jeweiligen Schule kommen. In anderen Bundesländern ist die Beförderung für Schüler im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oft billiger oder gänzlich kostenlos.

Pitzius sagte, als Mitglied des Beirats Verkehrsentwicklungplan im Saar-Verkehrsministerium habe er den Eindruck, dass der ländliche Raum von den Verkehrsplanern langsam ganz aufgegeben werde. „Da ist nur noch von ,Bus on demand´ (Bus auf Bestellung, d. Red.) und selbstfahrenden Bussen die Rede, aber nicht mehr von stabilen regelmäßigen Linienverbindungen“, sagte Pitzius. So könne er abends nicht mehr mit seiner Frau mit dem ÖPNV von seiner Wohnadresse in Felsberg zum Kino und Abendessen in Saarbrücken und wieder zurückfahren. Auch die Regionalzüge auf der Strecke von Saarbrücken nach Merzig seien oft viel zu kurz. „Da drängen sich die Menschen am Saarbrücker Hauptbahnhof hinein, das dauert und führt zu Verspätungen“, so Pitzius. Er habe Schüler des Deutsch-Franzöischen Gymnasiums im vollgepropften Zug nach Saarlouis sagen hören: „Ich bin froh, dass ich bald 18 werde. Dann kaufe ich mir ein Auto, mit dem ich zur Schule fahre.“



Saar-VV-Marketingchef Gentes sagte, die Preiserhöhung für Schüler betrage „nur 1,50 Euro im Monat“. „Bei 40 Fahrten sind das knapp vier Cent pro Fahrt“, betonte der Saar-VV-Manager. Die Preiserhöhung, die auch vom Saar-VV-Aufsichtsratchef Patrik Lauer (SPD), Landrat von Saarlouis, vertreten wird, wurde zwei Tage nach einem Vorstoß der SPD-Landtagsfraktion bekannt. Wie SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn am Mittwoch sagte, gehöre ein guter öffentlicher Nahverkehr „zur Daseinsvorsorge“. „Er ermöglicht Teilhabe und ist ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz“, so Pauluhn. Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. „Wir wollen, dass Schüler und Azubis im Saarland zu bezahlbaren Preisen mobil sind. Und wir wollen ein Tarifangebot, welches Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern besonders stark entlastet“, sagte Pauluhn. Dafür sollen ab 2020 zunächst eine halbe Million Landesmittel zusätzlich fließen.