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Verhandlungspoker im Millionenspiel

Friedrichsthal/Quierschied/ Neunkirchen. Der Zweckverband der "Landschaft der Industriekultur" (Lik.Nord) verliert ein Mitglied. Der Stadtrat Friedrichsthal hateinstimmig beschlossen, seine Mitgliedschaft fristgerecht zum Ende des Jahres 2013 zu kündigen (wir berichteten) Von SZ-Redakteurin Claudia Emmerich

Friedrichsthal/Quierschied/ Neunkirchen. Der Zweckverband der "Landschaft der Industriekultur" (Lik.Nord) verliert ein Mitglied. Der Stadtrat Friedrichsthal hateinstimmig beschlossen, seine Mitgliedschaft fristgerecht zum Ende des Jahres 2013 zu kündigen (wir berichteten). Grund: Das für Friedrichsthal wichtige Projekt Saufangweiher/Hoferkopf sei nicht in die Förderung im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes aufgenommen worden. Allerdings sei die Stadt bereit, mit dem Verband erneut zu verhandeln. Eine vorsorgliche Kündigung."Wir bedauern den Austritt von Friedrichsthal sehr, weil sich die Partner immer als Einheit verstanden haben", reagierte Detlef Reinhard als Geschäftsführer des Zweckverbandes Lik.Nord auf Anfrage unserer Zeitung.


Die Idee der Planer, die Wasserhaltung des Saufangweihers durch eine Trennung der Weiherfläche in einen beangelten und einen beruhigten Teil mit wechselndem Wasserstand zu verbessern und dadurch zum einen die erheblichen Kosten des Angelsportvereins für die Wasserpumpen zu reduzieren und zum anderen eine naturschutzfachliche Aufwertung zu erreichen, habe bei den Fördergebern Bund und Land keine Zustimmung gefunden, so Reinhard weiter: "Wir versuchen zurzeit über andere Fördermöglichkeiten eine nachhaltige Lösung für das Problem zu finden und dadurch die Stadt im Zweckverband zu halten." Sollte die vorsorgliche Kündigung Bestand haben, bedeute dies derzeit: "Wir haben dann sechs statt sieben Mitglieder. Für das Projekt mit seinen Inhalten hat es jedoch keine Auswirkungen."

Der Zweckverband erhebt Umlagen bei seinen Mitgliedern. Die Umlage zur Deckung des Eigenanteils - Personal- und Sachkosten beispielsweise - werden von allen Mitgliedern zu gleichen Teilen getragen - also auf sieben oder gegebenenfalls auf sechs verteilt. Kosten für Biotope, Flächenerwerb und Pacht oder Planungsleistungen übernehmen Mitglieder, auf deren Gebiet die Maßnahme umgesetzt wird. Reinhard: "Der Verbandsausschuss hat festgelegt, dass die Kommunen jedes Jahr ein Zehntel von der Summe zahlen, die sie im Gesamtprojektzeitraum zu entrichten haben. Das ist für die Kommunen planbar und leistbar." Lineare Verteilung statt großer Posten in einzelnen Projektphasen.

Der Zweckverband Lik.Nord trägt zehn Prozent des rund 13 Millionen Euro umfassenden Gesamtvolumens des Projektes von 2013 bis 2022. Von diesen zirka 1,3 Millionen Euro entfallen laut Zweckverband auf die Mitglieder (gerundet): Friedrichsthal 34 000 Euro, Illingen 253 000 Euro, Merchweiler 192 000 Euro, Neunkirchen 288 000 Euro, Quierschied 79 000 Euro, Schiffweiler 459 000 Euro und IKS 33 000 Euro.

"Die relativ geringen Summen für Friedrichsthal, Quierschied und IKS haben den Hintergrund, dass in deren Hoheitsbereichen kein oder nur geringer Grunderwerb notwendig ist und wie zum Beispiel in Göttelborn die RAG AG umfangreiche Sanierungsmaßnahmen der Halde auf der Grundlage des Pflege- und Entwicklungsplans durchgeführt und finanziert", so Reinhard.



> Seite C 4: Was im neuen Jahr umgesetzt werden soll.

Foto: Elias

"Wir bedauern

den Austritt sehr."

Detlef Reinhard

Hintergrund

Lik.Nord war 2009 Gewinnerregion beim Bundeswettbewerb Idee.Natur im Bereich Naturschutzgroßprojekte und ländliche Entwicklung. Hier arbeiten Friedrichsthal, Illingen, Merchweiler, Neunkirchen, Quierschied und Schiffweiler zusammen. Sie wollen die vom Bergbau geprägte Landschaft erhalten und aufwerten.

Das Finanzvolumen beträgt etwa 13 Millionen Euro. 75 Prozent kommen vom Bund, 15 Prozent vom Land und zehn Prozent vom Projektträger, einem Zweckverband aus den sechs Kommunen und der Industriekultur Saar. Die 18 Kerngebiete der Lik.Nord umfassen 2488 Hektar auf 8600 Hektar Gesamtfläche. cle