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Verdi will Kliniken mit Streik zum Verhandeln zwingen

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Saarbrücken. Als erstes Krankenhaus verhandelt die Uniklinik mit Verdi über eine Entlastung des Personals. Die Kliniken, die solche Gespräche ablehnen, werden heute bestreikt. Daniel Kirch

Am Tag nach der Landtagswahl will die Gewerkschaft Verdi heute ihren Kampf für eine Entlastung des Personals in den Krankenhäusern mit einem ganztägigen Streik und einer Kundgebung fortsetzen. Aufgerufen zur

sind die Mitarbeiter von zwölf Kliniken, die nicht mit Verdi über eine Entlastung der Beschäftigten verhandeln wollen und auch Sondierungsgespräche ablehnen.

Das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg hatte in der vorigen Woche überraschend als erstes Krankenhaus im Saarland Verhandlungen mit Verdi zugestimmt. Als Ziel vereinbarten UKS-Leitung und Verdi unter anderem, dass kein Krankenpfleger mehr nachts allein auf einer Station ist und Bereitschaftsdienste entlastet werden. Die Verhandlungen sollen schon bald beginnen.

Auch zwei katholische Krankenhausträger - die Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken (cts) und die Marienhaus-Gruppe - sowie das Rote Kreuz wollen mit Verdi sondieren. Diese Gespräche sind unter den Trägern der 22 Kliniken aber umstritten: Die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) ist der Meinung, dass sie nicht weiterführen.

Vom heutigen Streik betroffen sind: Klinikum Saarbrücken (Winterberg), SHG-Kliniken Völklingen, Merzig und Sonnenberg, Kreiskrankenhaus St. Ingbert, Diakonie-Klinikum Neunkirchen, Fliedner-Krankenhaus Neunkirchen, Evangelisches Stadtkrankenhaus Saarbrücken, Caritas-Krankenhaus Lebach, Sankt-Nikolaus-Hospital Wallerfangen, Knappschaftskliniken Püttlingen und Sulzbach. Zunächst wollen Verdi-Mitglieder um 5 Uhr am Flughafen Ensheim die Spitzenpolitiker abpassen, die nach der Wahl zu den Gremiensitzungen ihrer Parteien nach Berlin fliegen - und sie an ihre Versprechen erinnern. Um 11 Uhr soll sich vom Platz vor dem Staatstheater ein Demonstrationszug um den Landtag in Bewegung setzen, gefolgt von einer Abschlusskundgebung auf dem Tbilisser Platz. Die Polizei erwartet rund 1000 Teilnehmer.

Die Krankenhausgesellschaft hatte an Verdi appelliert, nicht zu streiken und stattdessen gemeinsam Druck auf Politik und Krankenkassen zu machen. "Wir waren uns zu jedem Zeitpunkt einig, dass Verursacher der misslichen Lage weder die Krankenhausgesellschaft noch die Arbeitgeber der Mitarbeiter sind, sondern die Politik im Lande und in Berlin, sowie die gesetzlichen Krankenkassen", schrieb die SKG-Vorsitzende Susann Breßlein kürzlich in einem offenen Brief an Verdi. Mit dem Schulterschluss sei bereits viel erreicht worden, etwa die Schaffung von zusätzlich rund 60 refinanzierten Praxisanleiterstellen ab Oktober, die Bundesrats-Initiative der Landesregierung für mehr Stellen und die Zusage für höhere Investitionsmittel des Landes. "Wir, die SKG, sind nach wie vor der Meinung, dass nur ein weiteres gemeinsames Vorgehen wirklich zählbare Verbesserungen mit sich bringen wird", so Breßlein.