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SZ-Leser-Reporter
Betrüger fordern Geld für vermeintlichen Telefonsex

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(Symbolbild) FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Saarbrücken. Von Martina Kind

Als SZ-Leser-Reporter Alex L.* (Name geändert) aus Saarbrücken den Hörer auflegte, war es bereits zu spät. Sein Versuch, wieder alles rückgängig zu machen – zwecklos. Denn die Nummer, die ihn just auf seinem Mobiltelefon angerufen hatte, gab es plötzlich nicht mehr. Der Mann, mit dem er noch vor wenigen Minuten sprach, vermeintlicher Mitarbeiter einer digitalen Poststelle in Frankfurt, kannte nun seine Adresse. Die hatte L. ihm offenbart, „nachdem der Herr am Apparat meinte, er könne einen Brief an mich nicht zustellen.“ Drei Wochen später bekam L. auch schon Post. Aus Prag. Eine Rechnung der Firma „Wemo“, über 90 Euro. So viel koste eben der „Service für Erwachsene“, den der Senior an jenem Tag, an dem sein Handy klingelte, in Anspruch genommen haben soll. Acht Tage habe L. Zeit, das Geld zu überweisen. Andernfalls drohten zusätzliche Kosten. „Spätestens da wurde mir klar, dass ich Betrügern zum Opfer gefallen bin“, sagt er. Also ignorierte L. zunächst diese „aberwitzige Forderung“. Bis er wenige Wochen später ein Mahnschreiben in den Händen hielt. „Da waren es dann schon 138 Euro“, berichtet er. L. erstattete sofort Anzeige bei der Polizei – und machte sich indes im Internet auf die Suche nach anderen Betroffenen. „Ich bin beileibe nicht der Einzige, der auf diesen Schwindel hereingefallen ist“, fand er heraus. „Diese Masche scheint es wohl schon länger zu geben.“


In der Tat versuchten Betrüger bereits seit Jahren, auf diesem Weg an das Geld ihrer Opfer zu gelangen, bestätigt Sabine Wilhelm, Beraterin der Verbraucherzentrale Saarland. Dabei tarnten sie sich zwar regelmäßig unter einem neuen Namen, die Vorgehensweise sei aber stets die gleiche: Ein unbekannter Anrufer behaupte, er benötige dringend die Adresse des Betroffenen, weil ein Brief oder ein Paket nicht an ihn zugestellt werden könne. Wenig später liege dann eine Rechnung im Briefkasten des Verbrauchers, für angeblich in Anspruch genommene erotische Dienstleistungen am Telefon. Das Geld, meist ein Betrag in Höhe von 90 Euro, sollen die Betroffenen entweder nach Tschechien oder Slowenien überweisen oder per Einschreiben an ein Postfach in Prag schicken, erklärt Wilhelm. Diese Masche sei deshalb so perfide, weil sie mit dem Schamgefühl der Betroffenen spiele; viele bezahlten, obschon die Vorwürfe nicht stimmten.

In diesem Monat haben sich laut Wilhelm bereits zwölf Betroffene aus dem Saarland an die Verbraucherzentrale gewandt und um Hilfe gebeten. Ihr Rat lautet immer: sich nicht einschüchtern lassen und auf keinen Fall zahlen. Stattdessen gelte es, der Forderung zunächst zu widersprechen und einen Vertragsnachweis anzufordern. Einen entsprechenden Musterbrief gebe es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Meldeten sich die Betrüger trotzdem mit einer Mahnung zurück, sollten Betroffene diese ignorieren, erklärt Wilhelm. „Nach unserer Erfahrung geben die Betrüger irgendwann von selbst auf. Uns ist zumindest kein Fall bekannt, in dem die Sache tatsächlich vor Gericht landete.“ Nichtdestotrotz sei eine Strafanzeige bei der Polizei wichtig.
www.verbraucherzentrale.de



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