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"Verbote verboten - von 0 bis 24 Uhr!"

Saarbrücken Von SZ-Redaktionsmitglied Ingo Hinz

Saarbrücken. Einige ungewöhnliche Verlautbarungen in Form "neuer Stadtbeschilderung" gab es im Saarbrücker Stadtbild zu bestaunen: Spaziergänger am Staden sahen sich plötzlich konfrontiert mit ungewöhnlichen Hinweisen wie "Zutritt zu öffentlichen Grünflächen nur für Saarbrücker Steuerzahler!", oder "Fußgänger, bitte Schrittgeschwindigkeit einhalten - Radarkontrollen!" (wir berichteten). Die Reaktionen der Leute schwankten dabei oftmals zwischen amüsiert und verständnislos. Dem Großteil der Bürger fielen sie aufgrund ihrer großen Ähnlichkeit zu Original-Schildern häufig aber gar nicht auf. "Mit meiner Aktion unter dem Motto ,Rettet den deutschen Schilderwald!` wollte ich aktiv einen Beitrag zum Umweltschutz leisten", erklärt der Saarbrücker Student Jochen Pfaffstaller und kann sich ein Schmunzeln dabei nicht verkneifen. Verbote überspitzenDie täuschend echt gefertigten Schilder entlang der Saar waren seine Idee, die Reaktionen darauf beobachtete er dann heimlich. Jochen war allerdings nicht der einzige Schilderbauer und der Staden nicht das einzige "Versuchsfeld": Zehn Studierende der Fachrichtung Design an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) hatten sich im Rahmen eines Projekts mit Professorin Indra Kupferschmid dem Thema "Kommunikation im öffentlichen Raum" gewidmet. "Relativ schnell sind wir dabei auf das Schlagwort "Verbote" gestoßen, denn die machen einen großen Teil des Themas aus", so Kupferschmid. Professorin und Studenten zeigten sich positiv überrascht, mit ihrem Projekt eine gewisse Aufmerksamkeit erregt zu haben, hatten zu ihren Werken jedoch unterschiedliche Resonanz erhalten: "Jeder von uns hat das Thema auf seine Art interpretiert und einige der Aktionen waren schon kurz nach der Installation wieder weg", berichtet die Studentin Charlotte. Sie hatte an katholischen und evangelischen Kirchen im Stadtgebiet Schilder aufgehängt, die auf ein Verbot, beziehungsweise eine Erlaubnis von Verhütungsmitteln hingewiesen hatten. Ihre Kommilitonin Joni konterkarierte dagegen diverse Hinweisschilder für absolutes Parkverbot nüchtern mit dem Hinweis: "Verbote verboten, Montag bis Freitag, von 0 bis 24 Uhr!" Die Jungdesignerin Kaddi versah Bäume im Nauwieser Viertel schlicht mit dem Hinweis "Füttern verboten!" Tipps vom ProfiFür diese bewusst überspitzten Verbots-Interpretationen erhielten die Teilnehmer des viertägigen Projekts auch professionelle Anleitung: Der Düsseldorfer Designer Wanja Ledowski, als Gestalter für öffentliche Kommunikation in Paris tätig, war als Gastdozent nach Saarbrücken eingeladen worden. Er und ein "ziemlich großer Spaßfaktor" stellten für die meisten der Studenten den Anreiz dar, an dem HBK-Projekt teil zu nehmen. Dass zwei der Teilnehmerinnen durch ihre Aktionen sogar einen Job angeboten bekamen, war vor Projekt-Start zwar nicht abzusehen, wurde von der Gruppe allerdings in die Kategorie "positive Bewertungen" eingeordnet. Die Reaktion der Stadt Saarbrücken auf das Projekt wissen die Nachwuchs-Designer der HBK jedoch nicht eindeutig zu bewerten: Denn wenig später war die gesamte "ergänzende Beschilderung" wieder aus dem Stadtbild entfernt worden..