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Unschuldig verurteilter Lehrer aus Völklingen ist tot

Völklingen/Darmstadt. Der in Hessen zu Unrecht wegen Vergewaltigung verurteilte Lehrer Horst Arnold ist tot. Das bestätigte sein Verteidiger, Hartmut Lierow, der nach einem jahrelangen Kampf die Unschuld Arnolds bewiesen hatte. Demnach wurde die Leiche des 53-Jährigen am Freitag auf der Straße nahe der Wohnung des Mannes in Völklingen gefunden

Völklingen/Darmstadt. Der in Hessen zu Unrecht wegen Vergewaltigung verurteilte Lehrer Horst Arnold ist tot. Das bestätigte sein Verteidiger, Hartmut Lierow, der nach einem jahrelangen Kampf die Unschuld Arnolds bewiesen hatte. Demnach wurde die Leiche des 53-Jährigen am Freitag auf der Straße nahe der Wohnung des Mannes in Völklingen gefunden. "Er hatte morgens etwas eingekauft und war auf dem Weg nach Hause", sagt Lierow. Die Polizei geht von einem Herzversagen ohne Fremdverschulden aus.Das Landgericht Darmstadt hatte Arnold 2002 wegen Vergewaltigung einer Kollegin zu fünf Jahren Haft verurteilt, die er komplett absaß. Im Sommer 2011 sprach ihn das Landgericht Kassel frei. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im Februar 2012 (wir berichteten).


Arnold fand nach der Haft keine Arbeit, blieb als Sexualstraftäter stigmatisiert. "Er lebte von Hartz IV. Den Haftentschädigungsantrag hat die zuständige Justizverwaltung noch nicht bearbeitet", kritisiert sein Rechtsanwalt.

Alle Bemühungen, das hessische Kultusministerium zu einer Wiedereinstellung Arnolds zu veranlassen, seien "an der offenbaren Gleichgültigkeit der verantwortlichen Entscheidungsträger gegenüber dem Schicksal meines Mandanten" gescheitert. "Die frühere Kultusministerin Dorothea Henzler beantwortete erst monatelang entsprechende Schreiben gar nicht und ließ dann mitteilen, Horst Arnold könne sich wie jeder andere beim Zentralen Personalmanagement um eine Stelle bewerben. Das hatte er längst getan", sagt Lierow. Nach den Jahren der Haft sei Arnold in ein tiefes Loch gefallen: "Er hatte seine Freiheit verloren, seinen Beruf, sein Ansehen, seine Freunde, sein Vermögen", sagt der Anwalt. Das vermeintliche Opfer sei zwar vom aktiven Schuldienst suspendiert, erhalte als Beamtin weiterhin - inzwischen gekürzte - Bezüge. Obwohl seit vier Jahren der Staatsanwaltschaft Darmstadt die Beweise gegen die Frau vorlägen, gebe es bis heute keine Anklage, kritisiert Lierow. Arnold sei es wegen der Trägheit der hessischen Justiz nicht vergönnt gewesen, die Verurteilung der Frau, die sein Leben zerstört habe, zu erleben. "Die Jahre der Haft und des anschließenden Wartens haben die Gesundheit von Horst Arnold zerrüttet. Sein Herz - so scheint es - hat das alles irgendwann nicht mehr ertragen." ukl/dpa