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"Uns schickt der Himmel"

Ein Baumhaus für einen Kindergarten bauen. Müll einsammeln. Für Obdachlose kochen. Das waren Aufgaben der 72-Stundenaktion 2004. Am Donnerstag bekommen 15 katholische Jugendgruppen neue Aufgaben. Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Peter will sich nicht beklagen, aber wenn er einen Wunsch hat, dann den: Bitte, nicht schon wieder Müll sammeln. Peter ist 17 Jahre alt und einer von den 275 Jugendlichen aus dem katholischen Dekanat Saarbrücken, die sich am Donnerstagnachmittag 72 Stunden lang auf das Abenteuer Solidarität einlassen wollen. "Uns schickt der Himmel"heißt die Aktion, die der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) mit Jugendgruppen in den Pfarreien organisiert."Die Jugendgruppen packen da an, wo Hilfe schon lange notwendig gewesen wäre. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement helfen sie dort, wo es sonst niemand tut, wo das Geld fehlt oder die Bereitschaft, anderen unter die Arme zu greifen. Sie kümmern sich um Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen: Obdachlose, Flüchtlinge, Menschen im Altersheim oder psychisch Kranke. Und sie helfen mit, ihre direkte Umgebung freundlicher zu gestalten, indem sie ein Waldstück von Müll befreien, eine Kapelle renovieren oder im Kindergarten um die Ecke neue Spielgeräte bauen", erklärt Hans-Georg Schneider von der Pressestelle des Bistums Trier.


"Es geht dabei nicht um Lückenbüßer-Sachen. Also nicht: Der Hausmeister ist krank, mäht mal den Rasen", betont Martin Bauer, der Leiter des katholischen Jugendcafés Exodus im Nauwieser Viertel. Bauer gehört zum Team, das die Aufgaben vorbereitet, die die in 15 Gruppen aufgeteilten Jugendlichen erledigen sollen. Die Aufgaben bekommen die Gruppen erst in der ersten Minute der 72 Stunden - am Donnerstag um 17.07 Uhr auf dem St. Johanner Markt. Am Sonntag um 17.07 Uhr treffen sich dann alle Gruppen zu einem Abschlussfest in der Kirche der Jugend St. Elisabeth in der Hellwigstraße.

Manche werden dort ganz entspannt ankommen, einige ziemlich müde, weiß Martin Bauer. Bis zur letzten Minute wurde vor fünf Jahren bei der ersten Saarbrücker 72-Stunden-Aktion in vielen Gruppen gearbeitet. Auch deshalb, weil einige Gruppe einen ungeahnten Ehrgeiz entwickelt haben. Die jungen Leute, die den Auftrag hatten, dem Montessori-Kindergarten auf der Rußhütte ein Baumhaus zu bauen, haben ihren Auftrag spontan erweitert und noch schnell ein paar Holzmöbel gezimmert.



Einige der jungen Leute, die am Donnerstag in ein neues Abenteuer starten, wissen, dass für die anspruchsvollen Projekte zwei Dinge besonders wichtig sind: gute Organisation und Sponsoren. "Ganz ohne zu schlafen geht es nicht, aber man kann in Schichten arbeiten", sagt Bernd. Er ist 27 Jahre alt, seit November Arzt, und einer der ältesten Teilnehmer. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter von der katholischen Jugend St. Jakob haben schon begonnen, sich auf ihre Aufgabe - wie sie auch immer aussehen wird - vorzubereiten.

So ist geklärt, dass das Pfarrhaus als "Einsatzzentrale" zur Verfügung steht. Und der Bäcker, der die Brötchen fürs Frühstück zur Verfügung stellt, ist auch schon ausgeguckt. Und jeder, der mitmacht, bekommt ein Einsatz-T-Shirt. Das Ganze soll schließlich Spaß machen, sagt Bernd. "Viele haben sich extra für diese Tage frei genommen", weiß er.

Die Schüler unter den 72-Stunden-Aktivisten bekommen schulfrei, sagt Martin Bauer. Das sei mit den Schulleitern geklärt. Und so sagt der 16 Jahre alte René aus Auersmacher auch ganz klar, dass er mitmacht, weil er "Spaß haben, Leute kennenlernen, etwas Kreatives machen und eine Schulstunde sparen" will.

Alles kein Problem. "Wer für andere vom Himmel geschickt sein will, muss kein Engel sein, sondern einfach da anpacken, wo es nötig ist", sagt Hans-Georg Schneider.

Welche Aufgabe auch immer auf sie und ihre Gruppe warte, sie hoffe, dass es eine "große Herausforderung" wird, sagt Rebecca. Man könne ja zum Beispiel schonmal damit anfangen, den Autobahntunnel für "Stadtmitte am Fluss" zu graben, witzelt die 19-Jährige. "Ich glaube, das würden wir schneller schaffen, als wenn die Stadt das macht", sagt sie.

Tunnel graben? Wäre eine Idee, jedenfalls besser als Müll sammeln, sagt Peter wieder. Vor fünf Jahren haben er und seine Gruppe aus der Malstatter Pfarrei St. Josef Müll gesammelt. Man habe dabei "viel gelacht", aber so anspruchsvoll sei das nicht gewesen, sagt Peter. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, wie die Gruppe, die vor fünf Jahren für Obdachlose gekocht hat, das wäre was, sagt er.

Auf einen Blick

Das Aktionsgebiet der 72-Stunden-Aktion des Bundes der deutschen katholischen Jugend umfasst 14 Bistümer in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen und Niedersachsen.Wer den Jugendlichen, die im Dekanat Saarbrücken andern helfen wollen, mit (Sach-) Spenden unterstützen will, kann sich jetzt schon an Tina Schories, Telefon (06 81) 9 06 81 61 wenden. ols