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Gesundheit
Uniklinik zahlt Hebammen 400 Euro mehr

Hebammen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Doch nach Angaben ihres Verbandes sind die Arbeitsbedingungen schlechter geworden. Dem will das Universitätsklinikum in Homburg nun entgegenwirken.
Hebammen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Doch nach Angaben ihres Verbandes sind die Arbeitsbedingungen schlechter geworden. Dem will das Universitätsklinikum in Homburg nun entgegenwirken. FOTO: dpa / Matthias Hiekel
Homburg/Saarbrücken. Weil die Fachkräfte schwer zu finden sind, soll auch das Einstiegsgehalt steigen. Der Berufsverband hofft, dass andere Kliniken folgen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Der Fachkräftemangel hat längst auch die Geburtshilfe erfasst. Für Krankenhäuser, die im Kreißsaal nicht nur mit Beleghebammen zusammenarbeiten, sondern auch selbst Hebammen beschäftigen, wird es immer schwieriger, den Personalbedarf zu decken. Nun zieht das Universitätsklinikum (UKS) in Homburg Konsequenzen. In der Vereinbarung mit Verdi, die am Donnerstag in Kraft trat, heißt es: „Für Hebammen und Entbindungspfleger wird das UKS eine Zulage von monatlich 400 Euro brutto, bezogen auf eine Vollzeitstelle, zur Deckung des Personalbedarfs und zur Bindung dieser qualifizierten Fachkräfte zahlen.“


Auf SZ-Anfrage versprach die UKS-Leitung außerdem ein höheres Einstiegsgehalt für Hebammen. Sie will vom Mittel der sogenannten Stufenvorwegnahme Gebrauch machen, das es gestattet, Mitarbeiter in Mangelberufen einer höheren Erfahrungsstufe zuzuordnen, die mehr Gehalt bedeutet.

Neben der Zulage von 400 Euro und dem höheren Einstiegsgehalt sollen den Hebammen ab 1. April 2019 auch jene Freischichten, die ihnen nach dem neuen Regelwerk im Fall einer Überlastung eigentlich zustünden, ausbezahlt werden, sofern die Freischicht zu zusätzlichen Unterbesetzungen führen würde. Laut Verdi-Sekretär Michael Quetting entspricht das umgerechnet einem weiteren Plus von etwa 350 Euro.



Zusammen mit den Hebammen will die UKS-Leitung nun Konzepte gegen den Hebammen-Mangel entwickeln. Neben dem finanziellen Anreiz habe die Verstärkung des Teams und die damit erst spürbare Entlastung höchste Priorität. Man hoffe, dass die „sehr guten Ansätze“ in der Vereinbarung zwischen Verdi und UKS dazu beitragen, dass sich Hebammen besser finden lassen, erklärte Ina Grünnagel, Bereichsleitung Hebammen der Klinik. Professor Erich-Franz Solomayer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin, erwartet, dass es dadurch zu einer „Entlastung und nachhaltigen Verbesserung für unsere Hebammen“ kommen wird.

Im Saarländischen Hebammenverband hofft man nun, dass diese Verbesserungen auch auf andere Krankenhäuser übergreifen werden. Aus Sicht der Vorsitzenden Anne Wiesen wäre das dringend nötig. Sie sagte der SZ, es habe noch nie so viele Hebammen gegeben wie zurzeit; allerdings hätten sich viele von ihnen aus der Geburtshilfe zurückgezogen – wegen schlechter Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung. Nach Wiesens Worten stammen die Personalschlüssel für Hebammen noch aus den 70er und 80er Jahren. Hinzu komme, dass die Hebammen im Kreißsaal heute viel mehr leisten müssten als früher, auch ambulant, denn der Kreißsaal sei zur „Notaufnahme für Schwangere“ geworden.

Das Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg – wie die Uniklinik spezialisiert auf Früh- und Risikogeburten – bestätigt, dass es schwierig geworden ist, Hebammen zu finden. Das sei nahezu bei allen Gesundheitsfachberufen so, sagt Geschäftsführerin Susann Breßlein. In ihrem Klinikum seien aber alle Stellen bei den Hebammen besetzt. Das liege sicherlich auch an einem sehr vertrauensvollen Miteinander zwischen Hebammen, Ärzten, Pflegekräften und auch der Krankenhausleitung.