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Exzellenzinitiative
Riesenenttäuschung auf dem Campus der Saar-Uni

Der Campus der Universität des Saarlandes.
Der Campus der Universität des Saarlandes. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Saarbrücker Informatik ist mit ihrem IT-Projekt zur „Digitalen Realität“ in der Endrunde der Exzellenzinitiative gescheitert. Von Peter Bylda
Peter Bylda

In der von zahllosen Erfolgen der vergangenen Jahre verwöhnten Informatik der Saar-Universität war die Enttäuschung gestern mit Händen zu greifen. Nach zwei erfolgreichen Durchgängen in der Exzellenzinitiative, dem Wissenschaftswettbewerb der deutschen Hochschulen, ist die Uni in diesem Jahr erstmals leer ausgegangen. Und das ausgerechnet  in ihrer Paradedisziplin, den Computerwissenschaften. Neben dem Imageschaden, den dieses Ergebnis für den Hochschulstandort Saarbrücken bedeutet, sind die finanziellen Konsequenzen durch das Aus in der Endrunde des Hochschulwettbewerbs beträchtlich. Etwa 74 Millionen Euro hätte ein Zuschlag in der Exzellenzinitiative in den kommenden sieben Jahren bedeutet.


Uni-Präsident Professor Manfred Schmitt brachte die Enttäuschung der IT-Wissenschaftler, die zwei Jahre Arbeit in ihr „Digitale Realität“ benanntes Projekt  investiert haben, auf den Punkt. Das Ergebnis sei „maßlos enttäuschend“. Es sei auch deshalb ein schwarzer Tag für die Universität, weil alle Beteiligten fest überzeugt gewesen seien, „dass der Antrag gut war. Wir haben uns im oberen Drittel gesehen.“

Unter 88 Forschungsprojekten hatte eine internationale Jury in Bonn gestern zu wählen, 57 Projekte wurden bewilligt. Die Saar-Uni war nicht darunter – wie auch insgesamt die Informatik in der Endrunde des Wettbewerbs überraschend schlecht wegkam. Nur zwei der 57 bewilligten Projekte waren reine IT-Themen. Woran es gelegen hat, dass speziell das Saarbrücker Konzept, das darauf abzielt, Hard- und Software künftig viel enger mit unserem Alltag zu verflechten, nicht bestätigt wurde, werden die Informatiker möglicherweise nie erfahren, erklärte der Sprecher des Programms, Professor Bernt Schiele. Es sei ein „sehr visionäres Thema“ gewesen und dazu sehr breit aufgestellt. Im Cluster „Digitale Realität“ sollten bis zu 150 Forscher Grundlagen für die Hard- und Software der Zukunft entwickeln. Die wird unter anderem mit einer Vielzahl von Sensoren jede unserer Bewegungen und Regungen registrieren und kann über einen einzelnen Menschen mehr Wissen ansammeln, als seine engsten Angehörigen haben. Solche IT-Systeme müssen aus diesem Grund so gestaltet werden, dass sie die Privatsphäre der Menschen, denen sie dienen sollen, respektieren und gleichzeitig ein Maximum an Kontrollmöglichkeiten bieten, erklärten die Wissenschaftler in der Beschreibung ihres Projekts, das wegen der innigen Verflechtung der digitalen und der physischen Welt schließlich „Digitale Realität“ getauft wurde. Nun wird es nicht realisiert.



Das stelle für den Hochschulstandort Saarland einen „schweren Standortnachteil“ dar, resümierte Bernt Schiele. Denn andere Bundesländer investierten derzeit massiv in die zukunftsträchtigen Computerwissenschaften.  Die Saar-Universität und die Landesregierung müssten sich nun überlegen, wie es möglich sei, auf kleinerer Flamme wenigstens einen Teil der Ziele zu erreichen.