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Streit um fehlende Pflegekräfte
Uniklinik-Mitarbeiter drohen mit Streik

Streikende Pflegerinnen bald auch in Homburg?
Streikende Pflegerinnen bald auch in Homburg? FOTO: dpa / Maurizio Gambarini
Saarbrücken/Homburg. Den bei Verdi organisierten Pflegekräften reicht es: Sie verlangen von Ministerin Bachmann ultimativ Entlastung. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Über den Ernst der Lage der Beschäftigten am Uniklinikum Homburg scheint sich Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) noch keine Klarheit verschafft zu haben. Am Freitag wollte sie zu dem Brandbrief der bei Verdi organisierten Beschäftigten am Uniklinikum keine Stellung beziehen. Die SZ hatte Bachmann das Schreiben mit einigen Fragen dazu per Mail übermittelt. Eine Bachmann-Sprecherin sagte, dass die Ministerin den Brief aber noch nicht per Post erhalten habe und erst dann auf die SZ-Fragen antworte, wenn dies geschehen sei.


Dabei enthält der Brief der Verdi-Betriebsgruppe an der Uniklinik ein Ultimatum. „Unsere Geduld ist am Ende. Entlastung oder Streik“, ist der Brief übertitelt. Wegen des Pflegenotstands und der Personalnot in Homburg fordert der unterzeichnende Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Quetting Bachmann auf, 250 Stellen am Uniklinikum neu zu schaffen. „Wir lassen uns nicht mehr hinhalten. Auch nette Worte reichen uns nicht mehr“, schreibt Quetting an Bachmann. Entweder gebe es bis zum 22. Juni 2018 eine Lösung, oder: „Wir holen uns unser Recht!“, so Quetting unmissverständlich. Man habe der Geschäftsführung der landeseigenen Uniklinik ein Ultimatum gestellt. Dieses laufe genau 100 Tage nach der Bildung der neuen CDU/CSU/SPD-Bundesregierung aus. Noch könne der Streik abgewendet werden, so Quetting.

Bei einer Verdi-Versammlung im Uniklinikum hatte Quetting den Beschäftigten Mut gemacht: „Wir haben bisher neun Ultimaten ausgesprochen. Und wir haben neun Mal gewonnen!“. Der Gewerkschaftssekretär bezog sich zudem auf das noch nicht eingelöste Versprechen Bachmanns, bis 2020 genau 1000 neue Pflegestellen im Saarland zu schaffen. Es werde täglich Unmögliches von den Pflegekräften verlangt, sagte Quetting: „Auch die Patientinnen und Patienten merken dies zunehmend. Als Beispiel ist der enorme Patientenansturm während der Grippewelle Anfang des Jahres zu nennen. Hier wurden die Grenzen des Machbaren der Pflegekräfte überschritten.“