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DRF Luftrettung
Uniklinik kann auf Hubschrauber hoffen

Die DRF Luftrettung unterhält 50 Hubschrauber an 29 Stationen in Deutschland. Das Foto zeigt einen Hubschrauber vom Typ H 145, der für Intensivtransporte zwischen zwei Kliniken genutzt wird. Er ist mit zwei Piloten, einem Rettungsassistenten und einem Notarzt besetzt.
Die DRF Luftrettung unterhält 50 Hubschrauber an 29 Stationen in Deutschland. Das Foto zeigt einen Hubschrauber vom Typ H 145, der für Intensivtransporte zwischen zwei Kliniken genutzt wird. Er ist mit zwei Piloten, einem Rettungsassistenten und einem Notarzt besetzt. FOTO: DRF
Homburg/Zweibrücken. In Zweibrücken soll ein Helikopter für die Verlegung von Patienten zwischen Kliniken stationiert werden. Die Uniklinik hätte ihn gerne auf ihrem Gelände. Von Eric Kolling

Das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg (UKS) kann bei der Verlegung schwerstkranker Patienten in Zukunft womöglich auf einen speziell ausgestatteten Hubschrauber zurückgreifen. Das Fluggerät soll nach dem Willen der DRF Stiftung Luftrettung bald auf dem Flugplatz Zweibrücken stehen. Diesen sogenannten Intensivtransporthubschrauber hat die DRF am 7. November beim Innenministerium in Mainz und am 23. November in Saarbrücken beantragt – für vier Jahre ab dem 1. April 2019, wie DRF-Sprecherin Petra Hentschel auf Anfrage ausführt. Publik geworden waren die Pläne unter der Woche im Innenausschuss des Mainzer Landtags.


Ein solcher Helikopter werde „für den schnellen und schonenden Transport von Intensiv- und Hochrisikopatienten zwischen Kliniken eingesetzt“, so Hentschel. Bisher gebe es in der Region nur Rettungshubschrauber wie Christoph 16, die vorrangig für die Notfallrettung eingesetzt würden (siehe Info). Hentschel: „Ein Intensivtransporthubschrauber im 24-Stunden-Betrieb ist in der Region noch nicht vorhanden.“ Der Flughafen Zweibrücken eigne sich aufgrund der Infrastruktur sowie der luftfahrtrechtlichen Genehmigungen „hervorragend“ als Standort, erklärt die DRF-Sprecherin. Von einer eventuellen Genehmigung bis zur Stationierung würden nur wenige Wochen vergehen. „Wir rechnen mit einem Bedarf von mehreren hundert Klinik-zu-Klinik-Patiententransporten pro Jahr unter Berücksichtigung der Klinikstruktur in Rheinland-Pfalz und im Saarland“, so Hentschel.

Bei grünem Licht für den Transporthelikopter wäre es noch ein Schritt, bis er auch als Rettungshubschrauber eingesetzt werden kann. Dies ist für den Betreiber lukrativer als ein bloßer Intensivtransporthubschrauber, weil Rettungsflüge zu einer besseren Auslastung führen. Wegen seiner Ausstattung und des medizinischen Fachpersonals an Bord ist der Transporthubschrauber bei Notfällen ohnehin grundsätzlich einsetzbar, wenn kein Rettungshubschrauber verfügbar ist. Um das dauerhaft auf eine rechtlich saubere Grundlage zu stellen, müssen die jeweiligen Bundesländer den Helikopter aber entsprechend beauftragen.



Die Johanniter-Luftrettung hatte erst am 22. Oktober einen Hubschrauber für Patientenverlegungen am Westpfalz-Klinikum in Sembach bei Kaiserslautern stationiert, der seitdem auch eine dreistellige Zahl an Notfalleinsätzen geflogen ist – allerdings nicht im Saarland, wie ein Sprecher der Integrierten Leitstelle sagt. Die Leitstelle habe keine Informationen, weder zu Sembach noch zu den Plänen in Zweibrücken.

Der Johanniter-Hubschrauber könnte heute auch am Homburger UKS stehen, wie Dr. Philipp Lepper, Leiter der pneumologischen Intensivmedizin und Leitender Oberarzt der  Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin, erklärt. Ein gemeinsames Konzept sei schon erarbeitet gewesen. Doch war das UKS nicht gewillt, so lässt Lepper durchblicken, so Fakten zu schaffen, wie es die Johanniter am Westpfalz-Klinikum getan haben. „Wir hatten uns entschieden, die korrekten Wege einzuhalten“, so Lepper, „die sehen nunmal vor, dass das Innenministerium des Saarlandes der Ansprechpartner ist.“ Man wisse nicht, was die Johanniter letztlich dazu bewogen habe, von der sehr engen Kooperation mit dem Uniklinikum abzurücken. Er betont aber, man werde mit jedem Hubschrauberanbieter zusammenarbeiten.

Lepper sieht für den nun von der DRF Luftrettung beantragten Transporthubschrauber einen Bedarf am UKS, „Intensiv-Verlegungsmöglichkeiten für ein Klinikum unserer Größe sind immens“. Gerade weil dieses eine starke Transplantationsmedizin besitze und man viele Patienten mit komplizierten Krankheitsbildern wie schweres Lungenversagen oder Schlaganfälle von weit her – Lepper nennt etwa Karlsruhe, Heidelberg oder Ulm – behandele. Distanzen, die ein Helikopter schneller und bequemer zurücklegen kann als Krankenwagen. Dass die Behandlung schwieriger Krankheitsbilder auch lukrativ fürs Uniklinikum ist, verhehlt er dabei nicht. Hauptsächlich gehe es aber darum, Patienten in entlegenen oder weit entfernten Gebieten spezialisiert zu behandeln.

Dass der Helikopter in Zweibrücken stationiert werden soll, sieht er indes nicht als perfekte Lösung. „Idealerweise steht er am Uniklinikum. Hier ist die Infrastruktur gegeben. Wir haben auch bereits Pläne für den Bau eines Hangars in der Schublade, weil das Thema ja bereits seit 16 Jahren diskutiert wird“, sagt Lepper.