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Vereinbarung unterschrieben
Uniklinik in Homburg muss ab sofort Pflegekräfte entlasten

Frank Hutmacher (Verdi), Gesundheitsministerin Monika Bachmann und Klinikdirektor Ulrich Kerle (von links) unterzeichnen den Vertrag.
Frank Hutmacher (Verdi), Gesundheitsministerin Monika Bachmann und Klinikdirektor Ulrich Kerle (von links) unterzeichnen den Vertrag. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Leitung und Verdi besiegeln nach einem zähen Prozess das Ende ihres monatelangen Konflikts. Wird die Vereinbarung ein Modell für ganz Deutschland? Von Thorsten Wolf

Als die Unterschriften die „Vereinbarung zur Entlastung von Beschäftigten“ am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg (UKS) besiegelt hatten, lächelten alle: Ulrich Kerle, der kaufmännische Direktor des UKS, Verdi-Landesfachbereichsleiter Frank Hutmacher und Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). Doch die öffentliche Unterzeichnung gestern am UKS verdeutlichte auch, dass am Ende des langen Wegs hin zu dieser Einigung einschließlich eines drohenden Streiks und eines fast 20-stündigen Verhandlungsmarathons, keine Liebesheirat steht.


„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir hätten uns leicht damit getan. Das haben wir nicht“, verdeutlichte Ulrich Kerle mit Blick auf ein Papier, das es so bis jetzt im deutschen Krankenhauswesen noch nicht gab. „Wir haben einen zähen Prozess hinter uns. Wir haben aber gemerkt, dass es die einzige Möglichkeit ist, einen angedrohten und mit Sicherheit auch umgesetzten Streik am UKS abzuwenden.“ Dies vor dem Hintergrund, so Kerle, die Versorgung der Patienten aufrechtzuerhalten und die Arbeitsplätze am UKS nicht zu gefährden. Man sei von Verdi in diese Vereinbarung „gezwungen“ worden, nun müsse diese mit Leben gefüllt werden. Kerle nannte die Lösung aber auch ein System, das, wenn es laufe, Zukunft habe, „nicht nur am UKS, sondern in ganz Deutschland. Das ist das Positive.“

Für Verdi hob Frank Hutmacher hervor, dass es gelungen sei, 145 zusätzliche Stellen (davon 15 im nicht-medizinischen Bereich) durchzusetzen sowie ein so genanntes Konsequenzen-Management, das dann greife, wenn vereinbarte Vorgaben nicht erfüllt würden. „Wir haben ein System geschaffen, mit dem wir Belastung tatsächlich messen können. Das ist in der Tat einzigartig.“ Auch die nun vertraglich fixierte, zeitlich direkt folgende und rechtlich durchsetzbare Entlastung von Mitarbeitern sei „europaweit einzigartig“.



Gesundheitsministerin Bachmann bedankte sich bei den Verhandlungspartnern, legte den Finger aber auch in eine offene Wunde: Wie soll man um den Nachwuchs werben, der nötig ist, um die neu geschaffenen Stellen überhaupt zu besetzen? „Wir haben zu wenige Pflegerinnen und Pfleger.“ Alle Werbe-Maßnahmen der Vergangenheit hätten wenig gebracht. „Was wir brauchen, ist die Wertschätzung dieses Berufes, daran müssen wir arbeiten.“