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Anklage gegen Saarländer
Uniform-Posse landet vor Gericht

Jürgen Reimertshofer hat mit der Marineuniform dick aufgetragen: Die Abzeichen sind üblicherweise nicht kombinierbar.
Jürgen Reimertshofer hat mit der Marineuniform dick aufgetragen: Die Abzeichen sind üblicherweise nicht kombinierbar. FOTO: Facebook/Reimertshofer
Sulzbach/Saarbrücken. Die Anklage wirft drei Männern, darunter dem Sulzbacher Ex-Beigeordneten Jürgen Reimertshofer, Betrug sowie Missbrauch von Titeln vor. Von Michèle Hartmann

Die saarländische Uniform-Posse vom Februar dieses Jahres hat ein unrühmliches Nachspiel. Denn die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Männer wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betruges sowie des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen erhoben. Einer dieser Männer war bis Anfang März der Zweite Beigeordnete der Stadt Sulzbach. Er trat dann aber von seinem Amt zurück: Jürgen Reimertshofer. Der SPD-Mann, der der zweiköpfigen „Fraktion der Mitte“ im Sulzbacher Stadtrat angehört, war in schmucker, reichlich dekorierter Uniform in Erscheinung getreten, als rund hundert Rekruten des Fallschirmjägerregiments 26 ihr öffentliches Gelöbnis am Salzbrunnen-Ensemble in Sulzbach ablegten.


Der Rentner erschien zu den Feierlichkeiten als Bürgermeister-Vertreter, wobei allerdings sein Auftritt recht schnell und abrupt beendet war: Feldjäger der Bundeswehr knöpften ihn sich vor. Weil er weder zum Tragen der Uniform noch der daran befestigten Auszeichnungen berechtigt war. Reimertshofer wurde aufgefordert, unverzüglich die Orden und Ehrenzeichen zu entfernen. Anschließend wurde er der Polizei übergeben. Schon Wochen zuvor war dem Bundeswehr-Landeskommando Saarland gemeldet worden, dass sich Reimertshofer in besagter Uniform in der Öffentlichkeit zeigte. Er stand also schon länger unter Beobachtung, bis zum verhängnisvollen Gelöbnis in Sulzbach. Da war der Möchtegern-Spuk vorbei.

Was die mitangeklagten Männer angeht, so handelt es sich erstens um einen Mann aus Quierschied-Göttelborn. Der Dritte im Bunde wiederum wohnt in Sulzbach und gilt vielen als Hochstapler mit dem zweifelhaften Spitznamen „de General“. Verbotenerweise in Uniform soll S. allerdings nicht aufgetreten sein. Reimertshofer, S. und dem Göttelborner Sch. wird nun laut Mario Krah, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Folgendes vorgeworfen: Sie sollen im Januar dieses Jahres in der Saarlouiser Kaserne erschienen und dort wahrheitswidrig behauptet haben, „Inhaber von Dienstgraden der Bundeswehr“ zu sein – und somit diverse Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände verlangt haben. Jürgen Reimertshofer soll ganz konkret als „Oberstabsbootsmann a.D.“ vorstellig geworden sein. Da man seitens der Bundeswehr den Angaben vertraute, erhielten die Herrschaften auch das, was sie begehrten: Kleidung und Ausrüstung im Wert von 75 Euro.



R. und Sch. vollführten laut Anklageschrift ihr unerlaubtes Schaulaufen in aller Öffentlichkeit – mitsamt „Lametta“, wie sich gegenüber der Saarbrücker Zeitung ein Beobachter ausdrückte, der Reimertshofer in Sulzbach erlebte. Die Herren führten ihre Bundeswehr-Uniformen samt Ordensspangen und Tätigkeitsabzeichen aus, und das gleich mehrmals: etwa zum Neujahrsempfang der Ärztekammer in Saarbrücken oder zum Gelöbnis der Ausbildungskompanie des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken. Indes trat der vermeintliche „Oberstabsbootsmann“ Reimertshofer solo beim Neujahrsempfang der Stadt Sulzbach auf.