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Streit um artgerechte Pavian-Haltung
Jost kritisiert Affenhaltung in Neunkirchen

Zu wenig Platz: Legt man Bundesvorschriften zugrunde, ist die Zahl der Paviane im Gehege des Neunkircher Zoos deutlich zu hoch.
Zu wenig Platz: Legt man Bundesvorschriften zugrunde, ist die Zahl der Paviane im Gehege des Neunkircher Zoos deutlich zu hoch. FOTO: Jörg Jacobi
Saarbrücken/Neunkirchen. Landesregierung räumt ein, dass der vorhandene Platz für die Paviane im Neunkircher Zoo nicht den Bundesvorschriften entspricht. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Vor seinem heutigen Auftritt im Umweltausschuss des Landtags hat der Landestierschutzbeauftragte Hans-Friedrich Willimzik, Tierarzt aus Köllerbach, Rückenstärkung aus der CDU/SPD-Landesregierung erfahren. Willimzik kritisiert in seinem Jahresbericht, den er heute den Ausschussmitgliedern präsentiert, die Haltungsbedingungen für etwa 100 Paviane im Neunkircher Zoo (die SZ berichtete). Für die Affen gebe es viel zu wenig Raum, um ein artgerechtes Leben zu führen. Willimzik sprach von „Überbevölkerung“. Vor allem verwies er auf das Säugetiergutachten der Bundesregierung, das die Platzverhältnisse für die Pavianhaltung exakt vorschreibt. Demnach dürften statt 100 nur acht Paviane im Neunkircher Zoo leben.


Die Neunkircher Zoo-Leitung und die Tierschutzstiftung Saar hatten dagegen bisher keine Probleme bei der Haltung gesehen. Das Umweltministerium, dessen Veterinäre die Lebensbedingungen für die Paviane kontrollieren müssen, hatte sich ebenfalls auf die Seite des Zoos geschlagen.

Doch jetzt hat Umweltminister Reinhold Jost (SPD) in der Antwort auf eine Anfrage des Linksfraktion-Abgeordneten Ralf Georgi festgestellt, dass die Anforderungen des Säugetiergutachtens der Bundesregierung nicht eingehalten werden. Das Gutachten über Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren sieht vor, dass für eine sozial intakte Gruppe von bis zu fünf erwachsenen Tieren eine Grundfläche von 40 Quadratmeter bei 2,5 Meter Höhe vorhanden sein muss, erklärte das Umweltministerium. Für jedes weitere Tier seien weitere drei Quadratmeter bereitzustellen. Die Innengehege sollen temperiert sein und die Temperatur soll nicht längere Zeit unter 16 Grad absinken. Den Angaben des vorliegenden Grundrisses des Pavian-Innengeheges zufolge messe das Innengehege aber nur 47,48 Quadratmeter. „Das Innengehege ist damit zu klein dimensioniert. Die zeitgleiche Nutzung des temperierten Bereiches durch die gesamte Tiergruppe ist damit in Frage gestellt“, betonte das Umweltministerium.



Ebenfalls mangelhaft seien die im Innengehege vorhandenen erhöhten Ebenen, die zu klein seien für das Lausen, das gesellige Beisammensein und das Ruhen der Affen. Es fehle an nicht einsehbaren Rückzugsarealen. Zudem wurde dem Zoo empfohlen, dringend auf die Geburtenkontrolle zu achten, um ein weiteres Anwachsen der Paviangruppe auszuschließen.

Jetzt wartet Umweltminister Jost auf den Bericht eines auswärtigen Gutachters, den er für 5000 Euro bestellt hat, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob die Pavianhaltung im Neunkircher Zoo den Bestimmungen entspricht. „Der Gutachter soll darüber hinaus eine Einschätzung hinsichtlich des Wohlbefindens der Tiergruppe geben und eine Aussage darüber treffen, ob die Haltung artgerecht ist“, schrieb das Umweltmnisterium an Georgi. Hierzu seien „überdurchschnittliche Fachkenntnisse in Bezug auf die Tierart erforderlich“. „Die Vollzugsbehörde kann das Gutachten zur Begründung gegebenenfalls erforderlicher Anordnungen zur Erfüllung der Anforderungen Tierschutzgesetzes heranziehen“, so Josts Beamte. Das Gutachten soll bereits im Ministerium vorliegen, wie die SZ aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr. Wann Minister Jost dieses Papier veröffentlichen will, ist noch nicht bekannt.

Reinhold Jost
Reinhold Jost FOTO: dpa / Oliver Dietze