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Um 23 Uhr ist meistens Schluss

Saarbrücken. "Wenn wir in Spanien Urlaub machen, dann sind wir begeistert, wie schön es war, bis spät in die Nacht in den Straßencafés zu sitzen. Zurück in Deutschland regen wir uns auf, dass der Kneipenlärm in unserer Straße zu groß ist Von SZ-Redaktionsmitglied Fabian Bosse

Saarbrücken. "Wenn wir in Spanien Urlaub machen, dann sind wir begeistert, wie schön es war, bis spät in die Nacht in den Straßencafés zu sitzen. Zurück in Deutschland regen wir uns auf, dass der Kneipenlärm in unserer Straße zu groß ist." Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands im Saarland, zeigt den Widerspruch in der Diskussion zwischen Anwohnern und Kneipenwirten in Saarbrücken. Auf der einen Seite die Anwohner, die sich durch Straßenlärm und nächtliche Kneipenbesucher in ihrer Ruhe gestört fühlen. Auf der anderen Seite die Wirte, die montags bis donnerstags und am Sonntag um 23 Uhr ihre Gäste bitten müssen reinzugehen, weil sie sonst Ärger mit dem Ordnungsamt bekommen. Erst 2007 trat eine neue Landesverordnung zum Schutz vor Lärm durch Außengastronomie in Kraft, die den Wirten längere Ausschankzeiten zugestand. Danach dürfen Kneipen an Freitagen, Samstagen und an den Tagen vor gesetzlichen Feiertagen ihre Außenbereiche bis 24 Uhr öffnen, an allen anderen Tagen bis 23 Uhr. Lokale am Staden oder außerhalb von Wohngebieten nehmen diese Vorgaben nicht so genau. Jochen Gräser, Inhaber des Sankt J. am St. Johanner Markt, nimmt schon 45 Minuten vor Ende der Sperrfrist die letzte Bestellung entgegen. Trotzdem hat er Ärger mit dem Ordnungsamt. Denn viele Gäste kaufen drinnen ihr Getränk und gehen dann nach draußen. Mittlerweile hat er einen Türsteher engagiert, der aufpasst, dass keiner mit seinem Getränk vor die Tür geht. Henriette Weidler ist Betriebsleiterin im Kulturcafé am St. Johanner Markt. Sie kann den Ärger der Anwohner nicht verstehen. "Wer an den St. Johanner Markt zieht, sollte sich im Klaren sein, dass es dort lauter ist, als anderswo. Ich selbst habe hier einmal gewohnt." Weidler fügt an: "Längere Öffnungszeiten bedeuten mehr Umsatz. Das ist wegen der Wirtschaftskrise wichtig." Die Stadt Saarbrücken könnte, so steht es in der Landesverordnung, längere Öffnungszeiten verfügen. Macht sie aber nicht. Tanja Krämer von der Stadtpressestelle erklärt warum: "Da es sich beim St. Johanner Markt um ein Wohngebiet handelt, gilt es, zweierlei Interessen zu wahren: die der Gastronomie und die der Anwohner. Um beiden Parteien gerecht zu werden, richtet sich die Stadt nach der Landesverordnung." > Bericht: Seite C 3