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Angebliche Vergewaltigung in Dillingen
Übergriff durch Syrer wohl erfunden

Blaulicht an einem Polizeiauto. (Symbolbild)
Blaulicht an einem Polizeiauto. (Symbolbild) FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Dillingen/Saarbrücken. Die Polizei ermittelt nun gegen das angebliche Vergewaltigungsopfer von Dillingen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Den angeblichen sexuellen Übergriff dreier Migranten auf eine junge Frau am Dillinger Bahnhof hat es nach Erkenntnissen der Polizei offenbar nie gegeben. Die 20-Jährige hatte am Sonntag, 14. Januar, bei der Polizei angegeben, dass sie in den frühen Morgenstunden gegen sechs Uhr von drei Männern zwischen 20 und 25 Jahren in der Nähe der Gleise angegriffen worden sei – darüber hatte auch die SZ in der Montag-Ausgabe berichtet.


Gestern nun die spektakuläre Wende in dem Fall: Die Ermittler des Landespolizeipräsidiums kommen nach den gut einwöchigen Ermittlungen zu dem Zwischenergebnis, dass das Sexualdelikt mutmaßlich vorgetäuscht war. „Aufgrund des bisherigen Ermittlungsergebnisses wurde gegen die 20-Jährige ein Verfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet“, teilte ein Sprecher des Landespolizeipräsidiums am Nachmittag mit.

Die Frau aus dem Regionalverband Saarbrücken hatte angegeben, dass sie nach einem Diskothekenbesuch in Dillingen zu Fuß in Richtung Bahnhof gegangen sei. Hierbei sei sie von drei Männern, Syrern, verfolgt worden, einer von ihnen habe Rasta-Locken gehabt. Einer der Männer, so schilderte die Frau weiter, habe sie auf dem Bahnhofsgelände massiv bedrängt und anschließend vergewaltigt, die beiden anderen hätten zugeschaut. Als ein Zug in den Bahnhof eingefahren sei, habe der Täter von ihr abgelassen und alle drei seien geflüchtet.



Das Dezernat für Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Saar-Polizei habe nach umfangreichen Ermittlungen „erhebliche Zweifel“ an der Darstellung der Frau, erklärte ein Polizeisprecher. So hätten die Ermittler zwei Zeugen ausfindig gemacht, die die Frau von der Diskothek zum Bahnhof begleiteten. Diese Zeugen hätten keine anderen Personen am Bahnhof bemerkt.

Außerdem sei die Videoüberwachungsanlage am Bahnhof – entgegen anderslautenden Informationen – in einem Probebetrieb aktiv gewesen. Die Auswertung der Aufnahmen habe die Aussagen der Zeugen bestätigt. „Die Beschuldigte ließ sich in der Folge nicht mehr zum Sachverhalt ein“, so die Polizei.

Die vor der Landtagswahl von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und der Bahn angekündigte Videoüberwachung am Bahnhof Dillingen sollte eigentlich 2017 starten. Doch die Inbetriebnahme verzögerte sich wegen technischer Probleme. Die Bahn hatte der SZ zuletzt mitgeteilt, dass die Kameras in Dillingen wie auch in St. Wendel, Burbach und Friedrichsthal erst im Spätsommer 2018 in Betrieb gehen sollen.