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Kritik an Pavian-Haltung
Überbevölkerung auf dem Pavian-Felsen

Bei den Pavianen im Neunkircher Zoo wird’s eng: Rund 100 Tiere leben in dem Gehege. Das hat nun Tierschützer auf den Plan gerufen.
Bei den Pavianen im Neunkircher Zoo wird’s eng: Rund 100 Tiere leben in dem Gehege. Das hat nun Tierschützer auf den Plan gerufen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Der Landestierschutzbeauftragte Willimzik sieht die Stadt Neunkirchen und die Zoo-Leitung in der Pflicht, die Probleme zu lösen. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Der Streit um die artgerechte Haltung von 100 Pavianen im Neunkircher Zoo zwischen Tierschutz-Gruppen auf der einen Seite und der Stadt- und Zoo-Verwaltung auf der anderen Seite hat jetzt auch den saarländischen Landtag erreicht. In nicht-öffentlicher Sitzung debattierte der Umweltausschuss mit dem Landestierschutzbeauftragten und Tierarzt Hans-Friedrich-Willimzik darüber. Willimzik bezog nun im SZ-Interview zu diesem Thema Stellung.


Wie sind Sie auf die Probleme des Neunkircher Zoos aufmerksam geworden, eine artgerechte Haltung von Pavianen zu gewährleisten?

WILLIMZIK Nach meinem Amtsantritt im Jahr 2014 habe ich die beiden Zoos in Saarbrücken und in Neunkirchen besucht. Und habe dabei auf die Stärken und Schwächen hingewiesen. Damals habe ich bereits auf die Schwäche im Neunkircher Zoo, den Pavian-Felsen, hingewiesen, weil er damals bereits deutlich überbelegt war. Damals wurde die Zahl mit 84 oder 86 Pavianen angegeben. In der Zwischenzeit haben sich noch ein paar Nachwüchse eingestellt. Ich habe aber keine aktuellen Zahlen. Ich bin kein Experte für Menschenaffen, aber ich bin Tierarzt und Verhaltenstherapeut. Ich habe gelernt, Tiere sehr genau zu beobachten. Im Sommer 2017 habe ich mehrere Stunden an dem Pavian-Felsen zugebracht und mir die Tiere sehr genau angeschaut.



Wie stellen sich die Probleme für die Paviane derzeit dar?

WILLIMZIK Das klare Problem ist, dass wir eine Überbevölkerung des Pavian-Felsens haben. Das sollte im Hinblick auf alle Fachleute unstrittig sein.

Wie lassen sich die Probleme im Neunkircher Zoo beseitigen? Können Paviane zum Beispiel an andere Zoos abgegeben werden, wo bessere Bedingungen bestehen?

WILLIMZIK Das würde ich bezweifeln. Wenn man aus der Gruppe der 100 Paviane Tiere abgeben will, dann muss man eine der dort existierenden Gruppen, etwa fünf bis 15 Tiere, aus dem Verbund herausholen. Es ist fraglich, inwieweit das überhaupt machbar ist. Das müssten die Fachleute vor Ort entscheiden. Man kann nicht willkürlich eine Zahl von Pavianen zusammengewürfelt dort herausholen und irgendwo anders reinsetzen. Das funktioniert nicht.

Das Ausmaß der Probleme im Neunkircher Zoo ist jetzt nach Ostern durch eine Besucherin über Facebook öffentlich gemacht worden. Hat die Landesregierung keine Möglichkeiten, entsprechende Kontrollen zu übernehmen, um die Rechte der Tiere in den Saar-Zoos zu schützen?

WILLIMZIK Die Landesregierung hat natürlich keine Verpflichtung dazu. In dem Zusammenhang muss man ja sehen, dass der Umweltminister (Reinhold Jost, SPD, d. Red.) im vergangenen Jahr sogar einen großen Betrag für den Neunkircher Zoo zur Verfügung gestellt hat. Für eine neue Quarantäne-Station, die auch dringend notwendig und vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist. Der Umweltminister tut da schon Einiges, würde ich sagen. Er hat auch immer wieder in den vergangenen Jahren etwas für den Neunkircher Zoo getan. Von daher ist es eine Aufgabe der Zoo-Leitung und der Stadtverwaltung Neunkirchen. Die sind in der Pflicht, ein entsprechendes Konzept zu haben.

In Neunkirchen sprechen sowohl Stadtverwaltung als auch Zoo-Leitung abschätzig von „Fanatikern“, die sich für die Paviane einsetzten. Sind die Einwände der Tierschutz-Gruppen wie Great Ape Project oder Tierbefreiungs-Organisation zur Pavian-Haltung nicht berechtigt?

WILLIMZIK Genau diese Argumentation, die dort zutage tritt, finde ich nicht in Ordnung. Es sollte in unserer Gesellschaft immer noch so sein: Wenn jemand etwas gut macht, dann sollte man ihn loben. Und wenn jemand etwas falsch macht, dann sollte man es auch kritisieren dürfen. Und vom Betroffenen her: Wenn ich etwas falsch mache, dann muss ich auch bereit sein, es zuzugeben. Ich kann nicht hingehen und sagen: nach der Quadratmeterzahl könnten sich dort theoretisch doppelt so viele Affen aufhalten. Das verstehe ich nicht. Das Problem hat aus meiner Sicht auch schon 2014 bestanden. Deshalb hatte ich damals schon mit der Leitung des Zoos darüber gesprochen.

Sie sind offenbar nicht durchgedrungen mit Ihren Ratschlägen?

WILLIMZIK Nein, ich bin nicht so ganz durchgedrungen, das ist richtig. Aber ich bin auch nicht damit an die Öffentlichkeit gegangen. Und nicht auf Facebook. Das hätte ich nicht als meine Aufgabe angesehen. Jetzt war es nicht nur die Dame, die aufmerksam gemacht hat, sondern es war auch eine Tierrechtsgruppe, die das in ihrem Sinne ausgenutzt und entsprechend auch publik gemacht hat. Das Schlimmste ist, dass von beiden Seiten versucht wird, Politik zu machen, statt nach einer vernünftigen Lösung zu suchen.

Das Gespräch führte Dietmar Klostermann

Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landesbeauftragter für 
Tierschutz des Saarlandes.
Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landesbeauftragter für Tierschutz des Saarlandes. FOTO: Andreas Engel