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Über das Bauen auf dem Mond

Kaiserslautern. Wer in Mainz, Mannheim oder Saarbrücken ein Häuschen bauen will, muss einige Fragen klären: Soll es ein Sattel- oder ein Flachdach sein? Rollläden oder lieber Fensterläden? Wer auf dem Mond bauen will, kann über solche Fragen nur lächeln: Er hat ganz andere Probleme. Er braucht erstmal die passenden Materialen und Werkzeuge vor Ort Von dpa-Mitarbeiter Marc Strehler

Kaiserslautern. Wer in Mainz, Mannheim oder Saarbrücken ein Häuschen bauen will, muss einige Fragen klären: Soll es ein Sattel- oder ein Flachdach sein? Rollläden oder lieber Fensterläden? Wer auf dem Mond bauen will, kann über solche Fragen nur lächeln: Er hat ganz andere Probleme. Er braucht erstmal die passenden Materialen und Werkzeuge vor Ort. Und er muss ganz anders bauen, damit die Menschen dort überhaupt überleben können. Die Bedingungen auf dem Mond seien schließlich "alles andere als einladend", sagt der Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner. In Kaiserslautern beschäftigen sich seit gestern rund 200 Wissenschaftler mit der Frage, wie man auf dem Erdtrabanten bauen könnte.


Alle Raumfahrtnationen zieht es wieder zum Mond. Denn dieser sei längst nicht so wissenschaftlich ergründet wie angenommen, sagt Wörner. Von der Mondforschung erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über die Erde und neue Technologien. Außerdem gilt der Mond als "Sprungbrett" auf dem Weg zum Mars. Der Mond sei für eine bemannte Mars-Mission das ideale "technologische Testfeld", glaubt Wörner. Was dort funktioniere, könnte auch auf dem weit ferneren Mars klappen. Noch sind viele Fragen zu lösen. Zum Beispiel die, dass es derzeit noch kein Triebwerk gebe, das für eine bemannte Mission zum Mond geeignet ist, so Wörner. Eines Tages wird es aber eine feste Station auf dem Mond geben, wo sich Menschen länger aufhalten können, glaubt der DLR-Chef.

Kaum Wasser vorhanden



Probleme, die die Forscher beim Bau erwarten können, sind die im Vergleich zur Erde extremen Temperaturen auf dem Mond, die für die Menschen gefährliche Partikelstrahlung der Sonne und die Gefahr durch Meteoriten. Es gibt beispielsweise kaum Wasser, um dort oben Zement herstellen zu können. Kein Vergleich also zum Bauen auf der Erde. "Wenn auf der Erde ein Fenster nicht dicht ist, dichtet man es eben ab. Auf dem Mond ist das eine Frage der Sicherheit, sonst sind die Leute tot", sagt Wörner. Bauingenieur Jürgen Schnell von der Technischen Universität Kaiserslautern sagt, dass der Mensch auf der Erde 80 bis 90 Prozent seiner Zeit in Gebäuden verbringe. Wie er hier bauen müsse, ist bekannt. "Aber wie können wir das übertragen auf ganz andere Rahmenbedingungen?", fragt Schnell auf der Tagung.

Die Forschungen in diesem Bereich stehen noch am Anfang, es gibt noch viele Rätsel zu lösen, das wird auf der zweitägigen Tagung schnell klar. Erste Ideen gibt es aber schon: Als Baustoff käme wohl am ehesten Mondgestein infrage, aus dem man vielleicht eine Art Baustein "backen" könnte, glaubt Wörner. 380 Kilogramm etwa gibt es davon auf der Erde, sie stammen von früheren Mond-Missionen. Mit einer guten Begründung bekomme man von der Nasa ein paar Gramm für Forschungszwecke, sagt Wörner.