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Trierer Bischof räumt gravierende Fehler ein"Ackermanns Verhalten unentschuldbar"

Trier. Bei einem Meinungsaustausch zur verbesserten und gezielteren Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in seinem Bistum hat sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann gestern gegen teils heftige Kritik zur Wehr setzen müssen

Trier. Bei einem Meinungsaustausch zur verbesserten und gezielteren Aufklärung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in seinem Bistum hat sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann gestern gegen teils heftige Kritik zur Wehr setzen müssen. Bei dem Treffen mit rund 200 haupt- und ehrenamtlichen Bistums-Mitarbeitern und anderen Interessierten ging es insbesondere um Fragen des Umgangs mit Opfern und betroffenen Kirchengemeinden. Ackermann, der Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, wies Vorwürfe zurück, die katholische Kirche sei ein Einfallstor für Sexualstraftäter. Angesichts der Verjährungsfristen für Fälle sexuellen Missbrauchs sagte Ackermann, dass er eine Verlängerung oder Aufhebung dieser Fristen unterstütze.Den Meinungsaustausch hatte Ackermann kurz vor Weihnachten in einem offenen Brief an die "Lieben Mitchristen im Bistum Trier" in Aussicht gestellt. Mit dem Brief reagierte er auf neu bekannt gewordene Fälle sexuellen Missbrauchs durch zwei Priester im Saarland. Von der Kritik zeigte sich Ackermann "sehr" getroffen. Er räumte "gravierende Fehler" der Verantwortlichen im Bistum ein und bekräftigte zugleich seiner Linie einer "Nulltoleranz" gegenüber den schändlichen Verbrechen sexueller Gewalt. Über die Zahl der Täter sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verfüge das Bistum bislang über keine verlässlichen Zahlen. kna


Lübeck/Trier. Das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB) hat den Rücktritt von Bischof Stephan Ackermann gefordert. Grund seien Fehler Ackermanns im Umgang mit einem Missbrauchsfall, der im vergangenen Dezember öffentlich wurde. Ein mittlerweile pensionierter Saarbrücker Pfarrer hatte sich in den 1980er-Jahren an zwei minderjährigen Messdienerinnen vergangen. Der Fall war im Bistum seit Anfang 2011 bekannt, die Beurlaubung des Pfarrers erfolgte jedoch erst nach kritischen Medienberichten Ende des Jahres.

"Das Verhalten von Bischof Ackermann ist aus unserer Sicht nicht zu entschuldigen", heißt es in einer Mitteilung des Netzwerks. Wie es in der katholischen Kirche in der Vergangenheit üblich gewesen sei, habe auch Ackermann Täter geschützt und damit Betroffene sexualisierter Gewalt verhöhnt. "Hinter einem System stecken immer auch Menschen", sagte Vorsitzende des Netzwerks, Norbert Denef, gegenüber der SZ. "Herr Ackermann trägt Verantwortung und erhält dafür viel Steuergeld". Der Bischof habe einen groben Fehler begangen und solle nun die Konsequenzen ziehen.



Allerdings: Selbst wenn Ackermann der Aufforderung der Betroffenen folgen wollte, läge die Entscheidung über seinen "Rücktritt" nicht bei ihm. Laut Kirchenrecht kann ein Diözesanbischof dem Papst aus "schwerwiegenden Gründen" seinen Amtsverzicht anbieten. Wirksam wird dieser aber nur, wenn der Papst das Angebot annimmt. jkl

Foto: Dapd