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Saar-Grüne
Tressel löst Ulrich als Grünen-Vorsitzenden ab

Markus Tressel wurde mit deutlicher Zustimmung sowohl zum Parteivorsitzenden als auch zum Spitzenkandidaten gewählt. Foto: Ruppenthal
Markus Tressel wurde mit deutlicher Zustimmung sowohl zum Parteivorsitzenden als auch zum Spitzenkandidaten gewählt. Foto: Ruppenthal FOTO: dpa / Ruppenthal
Saarwellingen. Grüne wählen Markus Tressel mit über 90 Prozent zum Nachfolger des zurückgetretenen Hubert Ulrich. Udo Lorenz

Stabwechsel und Aufbruchstimmung trotz Wahlschlappe bei den Saar-Grünen: Der 40 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Markus Tressel aus Saarlouis ist seit Sonntag neuer Vorsitzender der derzeit nicht mehr im Landtag vertretenen Partei. Beim Parteitag in Saarwellingen erhielt Tressel 90,35 Prozent (103 von 114) der Delegiertenstimmen. Er löst den nach der Wahlschlappe vorzeitig zurückgetretenen Landeschef Hubert Ulrich (59) ab, der sich aus der Landespolitik weitgehend zurückzieht, aber mit viel Lobreden und Applaus verabschiedet wurde. Tressel, dem als zweite Landesvorsitzende wie bisher Tina Schöpfer zur Seite steht, soll die Saar-Grünen auch als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl im Herbst führen. Dazu wurde er vom Parteitag mit 88,2 Prozent Zustimmung auf Listenplatz 1 gesetzt. Gegenkandidatin Andrea Schrickel bekam 11,2 Prozent. Während Tressel etliche Hände der Delegierten schüttelt und sich neben seiner Frau Alexandra mit Söhnchen Maximilian auf dem Arm zeigte, fragen sich viele Beobachter zu Beginn des Parteitages: Kommt gleich noch mal das große Aufwaschen um die Wahlniederlage im März? Gibt es doch noch eine Gegenkandidatur um den Parteivorsitz? Fehlanzeige. Ex-Minister Klaus Kessler aus Zeiten der Jamaika-Koalition gibt als erster die Marschrichtung vor: "Lasst uns in dieser Wahlniederlage zusammenrücken, nach vorne blicken und grüne Inhalte gemeinsam vertreten." Es gehe jetzt um einen historischen Neubeginn: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren." Ulrich, der die Saar-Grünen ein Vierteljahrhundert lang durch Höhen und Tiefen geführt hat, übernimmt ausdrücklich die Verantwortung für die Wahlschlappe und erklärt wie angekündigt auf dem Parteitag seinen Rücktritt: "Leicht fällt mir das nicht", sagt er und dankt dem Landesverband, den Delegierten und Mitgliedern, die ihm ans Herz gewachsen seien. Ulrich will in "seinem" Saarlouis weiter kommunalpolitisch arbeiten und sich in den Landesverband dann "weiter einbringen, wenn es erwünscht ist". Jetzt, so sagt er, sei es aber an der Zeit, dass man die Parteispitze verjünge und neu besetze. Dann zieht er sich in die letzte Reihe der Parteitagshalle zurück, hört nachdenklich die Würdigungen über ihn und isst später im Saal entspannt ein Eis in der Tüte. Der neue Grünen-Landeschef Tressel, der bei den Delegierten ein noch etwas besseres Stimmergebnis bei der Vorsitzendenwahl als zuletzt Ulrich 2016 (88 Prozent) erzielt, dankt seinem Vorgänger mit vielen Worten und einem Strauß gelber Blumen. Tressel erklärte, Ulrich sei immer ein "Aktivist im besten Sinne des Wortes" gewesen: "Wir Grüne haben das Land mehr geprägt als andere, die das Land 20 Jahre regieren."


Tressel, der als Experte für Umwelt, Verkehr und ländliche Regionen nur dann eine Chance hat, im Herbst 2017 wieder in den Bundestag einzuziehen, wenn die Saar-Grünen dabei auf etwa sechs Prozent Stimmen kommen, sagt, er könne nicht ausschließen, dass der Landesvorstand und er selbst beim Landtagswahlkampf Fehler gemacht hätten. "Man kann auch über Plakate diskutieren", meint er. Aber jetzt gehe es darum, geschlossen nach vorne zu blicken und den Grundstein für gute grüne Wahlergebnisse auch bei der Kommunalwahl 2019 und der Landtagswahl 2022 zu setzen. Dazu wollen sich die Grünen laut einem Beschluss des Landesparteirats "Zukunft gemeinsam gestalten" auch mehr für Nicht-Mitglieder öffnen und externen Sachverstand von Fachleuten aus Verbänden und Organisationen einholen. Die Co-Vorsitzende Tina Schöpfer, sagt, es sei richtig gewesen, ohne Koalitionsaussage in die Landtagswahl gegangen zu sein. Saarbrückens grüner Ex-Bürgermeister Kajo Breuer sieht dagegen Zustand und Zukunft der Landespartei in der jetzigen "Übergangsphase", wie er sie nennt, skeptischer. Die Saar-Grünen hätten nach innen und außen an Glaubwürdigkeit verloren. "In Rheinland-Pfalz ist nach dem Rauswurf aus dem Landtag der komplette Landesvorstand zurückgetreten und der Vorstand neu gewählt worden. Das war wirklich auch ein Neubeginn."