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Trauma-Ambulanz behandelt seit einem Jahr Opfer von Gewalttaten

Saarbrücken. Sozialminister Andreas Storm (CDU) bewertet das Pilotprojekt positiv: 22 Menschen haben seit einem Jahr Hilfe bei der Trauma-Ambulanz in Berus gesucht – meist Frauen. Eine der häufigsten Ursachen ist sexuelle Gewalt.

Schnelle und professionelle Hilfe für traumatisierte Opfer und Zeugen von Gewalttaten - das ist das oberste Ziel der Trauma-Ambulanz Saarland in der AHG Klinik Berus. Nach seiner einjährigen Pilotphase hat die landesweit einzige Anlaufstelle für traumatisierte Opfer und Zeugen von Gewalt eine durchweg positive Bilanz gezogen. Wie der Ambulanz-Leiter Rolf Keller berichtete, sind in dieser Zeit 16 Frauen und sechs Männer aus dem Saarland behandelt worden. Davon seien 18 Fälle abgeschlossen, bei vier Fällen dauere die therapeutische Behandlung noch an. Die Alterspanne reicht von 17 bis 60 Jahren.

"Wir haben erreicht, dass sich der Zustand der Betroffenen nicht verschlechtert hat und sie ihren Alltag wieder bewältigen konnten", bilanzierte Keller. Als Erfolg wertete er, dass aus Sicht der Patienten "eine deutliche Besserung zwischen Aufnahme und Entlassung erzielt worden ist." Dies habe die Bewertung der Trauma-Therapeuten bestätigt, wonach sich in 90 Prozent der Fälle der gesundheitliche Zustand gebessert habe.

14 der behandelten Patienten haben seelische und körperliche Gewalt durch Fremde erlitten, sagte Keller. "Überfälle auf offener Straße oder am See, Vergewaltigung im Park gehören zu den typischen Gewalterfahrungen", führte Keller aus. Auch kämen massives Stalking, Erpressung und Morddrohungen durch Unbekannte vor. Fünf Patienten erfuhren laut Trauma-Experten seelische und körperliche Gewalt durch ihren Partner beziehungsweise durch Angehörige. In zwei Fällen kam es zu einer Vergewaltigung beziehungsweise zu Missbrauch und körperlicher Gewalt durch Fremde. Eine Person erlitt sexuelle und körperliche Gewalt im Privaten.

Die Mehrzahl der Betroffenen leide vor allem unter den seelischen Folgen, so Keller. Dabei fühlten sie sich durch Unruhe, ein ständiges Wiedererleben der Gewalttat, Ängste vor einer Wiederholungstat und Vermeidungsverhalten belastet. Dazu kämen körperliche Reaktionen bei hoher Anspannung, zum Beispiel Herzrasen, Schwitzen oder Druck- und Engegefühle. "Wenn diese Reaktionen länger als vier Wochen anhalten, liegt in der Regel eine posttraumatische Belastungsstörung vor", so Keller. In je neun Fällen habe das sechsköpfige Trauma-Ambulanz-Team eine akute Belastungsreaktion und posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Für eine Behandlung in der Trauma-Ambulanz Saarland gilt Folgendes: Die Tat muss sich auf deutschem Boden zugetragen haben und die Betroffenen müssen einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) stellen beziehungsweise bereits gestellt haben. Das Landesamt für Soziales (LAS) prüft und bewilligt den Antrag binnen weniger Tage. Die Kosten für die Therapiesitzungen trägt bei positivem Bescheid das LAS.

1,9 Millionen Euro in einem Jahr

Seit mehr als 15 Jahren hat sich die AHG-Klinik Berus auf Trauma-Patienten spezialisiert. "Da in unserer Klinik die Kompetenz da ist, lag es nahe, hier die Trauma-Ambulanz einzurichten", erläutert Keller. Nach Ansicht von Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU) sei das Pilotprojekt "als sehr erfolgreich anzusehen." Dem Saarland sind nach Ministeriumsangaben für die bewilligten Leistungen wie Therapiesitzungen oder Heimunterbringungen 2012 Kosten in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro entstanden. Davon hat der Bund rund 420 000 Euro erstattet. www.ahg.de/berus