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Strafprozess am Landgericht
„Er ist wie ein Stein untergegangen“

Unter Tränen verfolgte die Mutter des getöteten 16-Jährigen gestern den Strafprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts in Saarbrücken.
Unter Tränen verfolgte die Mutter des getöteten 16-Jährigen gestern den Strafprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts in Saarbrücken. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Auftakt im Totschlag-Prozess gegen einen 18-Jährigen: Er soll Anfang des Jahres einen Jugendlichen (16) bewusstlos geschlagen und in die Saar geworfen haben. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Wegen Verdachts des Totschlags muss sich seit gestern ein 18 Jahre alter Deutscher vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten. Der Angeklagte macht auf Anraten seines Anwalts bislang von seinem Recht auf Schweigen Gebrauch. Er soll am 24. April 2018 auf dem Leinpfad an der Saar in Höhe des Saarbrücker Finanzamtes einen 16-Jährigen mit pakistanischen Wurzeln im Zuge eines Streites zwischen jungen Männern getötet haben. Der 18-Jährige soll sein Gegenüber zunächst bewusstlos geschlagen und dann in die Saar geworfen haben. Der 16-Jährige ging unter und konnte erst 30 Minuten später geborgen werden. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus.


Am ersten Tag des bis in den November hinein geplanten Strafprozesses vernahmen die Strafrichter mehrere direkte Zeugen der Tat an der Saar. Insgesamt fünf junge Männer sollen dort laut Anklage im Zuge eines möglichen Haschisch-Kaufs aneinander geraten sein. Der Angeklagte und zwei Bekannte auf der einen Seite; das Opfer und ein Bekannter auf der anderen Seite. Angeblich wollte der Bekannte des einen bei einem Bekannten des anderen Haschisch kaufen und diese beiden bekamen Streit. Der 16-Jährige soll sich dabei zwischen die beiden Kontrahenten gestellt und versucht haben, zu schlichten. Vergebens. Es entstand ein handfester Streit, bei dem der Angeklagte und der 16-Jährige direkt aneinander gerieten. Im Nahe gelegenen Finanzamt wurde eine Mitarbeiterin auf den Lärm aufmerksam und schaute aus dem Fenster. Sie berichtete als Zeugin vor Gericht, dass sie fünf Personen gesehen habe. Diese hätten sich in zwei Gruppen geteilt. Sie habe zwischen den Gruppen hin und her geschaut. Dann sei ihr Blick an der Zweiergruppe hängen geblieben. Dort habe ein junger, eher schmächtiger Mann auf dem Boden gelegen. Sein Gegenüber habe sich über den Jungen gebeugt, ihn gepackt, über den Boden zur Saar gezogen und in den Fluss geworfen. „Er ist wie ein Stein untergegangen“, sagt die bis heute sichtlich betroffene Zeugin.

Zur gleichen Zeit ging eine andere Frau mit einer Freundin spazieren. Sie beobachteten von der nahe gelegenen Brücke den Beginn des Streites unter den fünf jungen Männern und riefen die Polizei. Das anschließende Telefonat mit einem Beamten dauerte etwa drei Minuten, in denen die Frau mit dem Telefon die Geschehnisse an der Saar im Auge behielt. Vor Gericht schilderte sie die entscheidenden Momente des Streites so: „Es ging alles sehr schnell.“ Der Junge habe auf dem Boden gelegen, der andere Mann habe darüber gestanden. Er habe den Jungen zwei Mal richtig fest mit dem Oberkörper auf den Boden geschlagen, dabei habe der Kopf des Jungen nach unten gehangen. „Dann packt er ihn, schleift ihn zur Saar und wirft ihn hinein.“ Mit Leichtigkeit. Die Zeugin weiter: Als der Junge in der Saar landete, habe er keine Bewegung gemacht. „Er ist einfach untergegangen. Er war auf einmal weg.“