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Prozessauftakt am Landgericht
Tödlicher Streit zwischen Nachbarn in Perl beschäftigt die Justiz

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(Symbolbild) FOTO: dpa / David-Wolfgang Ebener
Saarbrücken. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge muss sich ein 53-Jähriger vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten. Er soll eine Nachbarin (52) bei einem Streit auf der Straße so schwer verletzt haben, dass sie an den Folgen starb. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Mit den tragischen Folgen eines Nachbarstreites in der Weinbaugemeinde Perl muss sich seit Montag das Landgericht Saarbrücken befassen. Auf der Anklagebank sitzt ein 53 Jahre alter Luxemburger, der am Abend des 13. November 2017  eine  Nachbarin auf der Straße bei einer körperlichen Auseinandersetzung so schwer verletzt haben soll, dass die 52-Jährige zwei Tage später in einer Klinik an den Folgen starb. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb Körperverletzung mit Todesfolge vor.


Die Verteidigung geht offenbar von Notwehr aus. Der Angeklagte hat sich dazu vor Gericht bislang nicht geäußert. Bei der Polizei hatten er und seine Frau nach dem Vorfall spontan erzählt: Es sei Notwehr gewesen. Demnach habe die Nachbarin mit der Hand gegen sein Auto geschlagen.  Als er ausstieg, habe sie mit Steinen geworfen. Da habe er sich gewehrt. Es habe ein Gerangel gegeben. Beide seien in den Steingarten der Nachbarn gefallen. Er habe sie festgehalten, bis sie sich beruhigte. Und als er aufstand, sei die 52-Jährige liegen geblieben.

Wie die Richter den Fall am Ende sehen werden, das ist vor diesem Hintergrund offen. Nach dem ersten Tag der Beweisaufnahme zeichnet sich noch keine eindeutige Beweiskette in die eine oder die andere Richtung ab. Sicher scheint zu sein, dass in dem beschaulichen Wohngebiet zwischen den späteren Beteiligten zunächst eine gute Nachbarschaft gepflegt wurde. Beim Urlaub gab man sich sogar die Hausschlüssel. Doch dann entwickelte sich über Jahre ein Nachbarstreit und schaukelte sich immer weiter hoch.  Auslöser des Ganzen dürften die Haustiere der beiden Familien gewesen sein. Der spätere Angeklagte  ist Hundehalter und mag Rottweiler. Die verstorbene Hotelangestellte ist Katzenfreundin. Und der Hund jagte offenbar die Katzen. Das gab jedenfalls Streit. Und dieser weitete sich immer weiter aus, produzierte in den vergangenen Jahren rund 15 wechselseitige Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung oder Bedrohung.



Im Jahr 2012 soll dabei die Grenze zwischen verbalen und körperlichen Angriffen überschritten worden sein. Damals – so die Aussage des Mannes der getöteten Frau – habe er gesehen, wie der Nachbar seine Frau  mit dem Handy filmte. Er habe das unterbinden wollen und den körperlich wohl überlegenen Mann angegriffen. Seine Frau habe ihn verteidigt und sei dazwischen gegangen. Darauf habe der Nachbar die Frau gepackt, zu Boden gebracht und sich auf sie gesetzt. Diese Situation bekamen andere Nachbarn mit. Sie trennten die beiden Streitenden auf dem Boden.

Eine ähnliche körperliche Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und der Nachbarin könnte es auch an jenem Novemberabend gegeben haben. Jedenfalls rief die Ehefrau des späteren Angeklagten um 17.29 Uhr bei der Polizei an und meldete eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Personen. Etwa zwölf Minuten später war ein Streifenwagen der Bundespolizei als erster vor Ort.  Den beiden Beamten bot sich nach eigener Aussage ein surrealer Anblick.  Sie sahen die ruhige Sachgasse mit den Einfamilienhäusern. Auf der einen Seite stand ein Geländewagen, daneben eine Frau und ein Mann. Ganz ruhig. Keine Anzeichen für Streit. Aber auf der anderen Seite der Straße im Steingarten eines gepflegten Hauses lag eine Frau in dunklem Mantel im Kiesbett. Einer der Beamten ging sofort dorthin und hörte, wie der Mann sagte: „Die schauspielert nur.“ Aber die Frau schauspielerte nicht. Ihre Augen waren offen, sie hatte keinen Puls und atmete nicht mehr. Die Bundespolizisten begannen mit der Wiederbelebung. Wenig später kamen Feuerwehr und Notarzt.  Die 52-Jährige konnte von den Rettern zwar wiederbelebt werden. Sie starb aber zwei Tage später in einer Klinik an den schweren Hirnschäden, die sie durch Sauerstoffmangel erlitten hatte. Der Prozess wird fortgesetzt.