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Streit um Facebook-Post
Til Schweiger muss vor Gericht

Til Schweiger
Til Schweiger FOTO: Tobias Hase / dpa
Saarbrücken. Der Schauspieler veröffentlichte die private Nachricht einer Sulzbacherin auf Facebook. Nun wehrt sich die Frau dagegen. Von Lisa Kutteruf

„Sie wollten doch Deutschland verlassen. Warum lösen Sie Ihr Versprechen nicht endlich ein?“, hat eine Sulzbacherin kurz nach der Bundestagswahl in einer privaten Facebook-Nachricht an Til Schweiger geschrieben. Hintergrund: Vor der Wahl soll der deutsche Schauspieler und Regisseur angekündigt haben, das Land zu verlassen, falls die AfD in den Bundestag einzieht. Schweiger antwortete: „Hey Schnuffi…! Date!? Nur wir beide?!“ und veröffentlichte den Nachrichtenverlauf auf seinem Facebook-Profil.



Daraufhin stellte die Frau einen Antrag auf einstweilige Verfügung am Landgericht Saarbrücken: Sie will, dass Schweiger den Beitrag löscht. Am kommenden Freitag, 17. November, um 12 Uhr verhandelt die 4. Zivilkammer im Saal 218 des Landgerichts Saarbrücken über die Angelegenheit. Sowohl Schweiger als auch die Sulzbacherin müssen zu dem Termin erscheinen.

Bei der Verhandlung geht es ausschließlich um die Veröffentlichung der Nachricht und nicht um deren Inhalt, wie Gerichtssprecher Sigurd Wern der Saarbrücker Zeitung mitteilte. Das bestätigte auch der Anwalt der Frau. Die Antragstellerin sehe in der Veröffentlichung der privat versendeten Nachricht ihr Persönlichkeitsrecht verletzt, denn außer der Nachricht an sich ist auch der volle Name und das Facebook-Profilbild der Frau zu erkennen.

Laut Wern haben bisher weder Schweiger noch seine Anwälte auf die Anordnung reagiert. Sollten sie nicht zur Verhandlung erscheinen, entscheidet das Gericht nach der Rechtslage – ohne die Sicht des Schauspielers angehört zu haben. „Gegebenenfalls droht dann ein Ordnungsgeld für Schweiger“, sagt Wern. Til Schweiger war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

2729 Personen gefällt der Facebook-Eintrag von Schweiger, 53 sind wütend darüber (Stand 14. November). Einige Fans verurteilen Schweigers Aktion. „Die Filme finde ich klasse, keine Frage. Aber private Nachrichten öffentlich darzustellen geht gar nicht. Tut mir Leid“, kommentierte eine Frau. Andere Kommentatoren finden Schweigers Vorgehen gut: „Gehört viel öfter gemacht“, schrieb ein anderer Nutzer.

Til Schweiger ist für seine Sprüche bei Facebook bekannt. Häufig eckt er damit an und häufig scheinen seine Aussagen unüberlegt zu sein. Das gibt der Schauspieler auch selbst zu. „Das Zitat, das ich gepostet habe, klingt schlüssig, aber wenn man weiter nachdenkt (nicht immer meine Stärke), hakt es auch!“, schrieb er am 26. September über einen seiner anderen Beiträge.

Die Vorliebe für das Teilen privater Nachrichtenverläufe scheint sich in den letzten Wochen sogar verfestigt haben. Nach der Nachricht der Sulzbacherin machte er fünf weitere Privatnachrichten publik – wieder mit den Namen und Profilbildern der Nachrichtenschreiber. Darunter sind Nachrichten von Fans, aber auch wütende Zeilen.

Es scheint, als sei das Veröffentlichen solcher Nachrichtenverläufe Schweigers neue Strategie, den Nörglern und Hasskommentaren im Netz zu begegnen. Dies legt unter anderem ein Beitrag über Stefanie Hertel nahe, den Schweiger ebenfalls auf seiner Seite verlinkt hat: Darin gibt die Schlagersängerin allen, die nörgeln, einen Denkanstoß: „Diskutieren ist ja immer gut, aber der erste Schritt zur Veränderung ist: Aufhören zu Jammern! Die eigene Einstellung muss doch nicht der Maßstab für andere sein.“

Der Post, der Schweiger vors Landgericht bringen soll.
Der Post, der Schweiger vors Landgericht bringen soll. FOTO: SZ