| 20:17 Uhr

Proben des Amateurtheaters
Ein Piratenabenteuer mit E-Gitarren

 Die Seeräuber (v.l.) Benjamin Setz (Hank), Oliver Pitsch (Blackbeard) und David Schöneberger (Willy)
Die Seeräuber (v.l.) Benjamin Setz (Hank), Oliver Pitsch (Blackbeard) und David Schöneberger (Willy) FOTO: Theater der härteren Klangart
Nonnweiler. Das „Theater der härteren Klangart“ bringt in Nonnweiler eine Metal-Oper mit Liedern der Band „Tortuga“ auf die Bühne. Von Josefine Hoffmann

Das Theater der härteren Klangart (TdhK) inszeniert mit „Pirate´s Bride – Eine Metal-Oper nach Tortuga“ ein Piratenabenteuer mit entsprechend illustrem Personal. Dieses reicht von Seeräubern und Geistern über Mitglieder der Royal Navy bis hin zu Vollblut‑Seeräuberinnen und sich allmählich emanzipierenden Damen in Nöten. Schatz(karte), zünftige Sauflieder und unterhaltsame Choreographie für kollektives Deckschrubben inklusive. Die beiden Aufführungen sind für den 13. und 14. April in der Kurhalle Nonnweiler angesetzt.


Aber was ist denn nun eigentlich eine Metal‑Oper? „Man hätte als Untertitel auch ,Musiktheater mit E‑Gitarren̕ nehmen können“, erklärt Pressewart Oliver Pitsch während einer Probe, „aber das wäre sehr umständlich. Bei ,Metal-Operʼ haben die Hörer gleich eine Vorstellung im Kopf. Es werden eben Konzeptalben auf die Bühne gebracht, in diesem Falle das der saarländischen Band Tortuga.“ Bei derartigen Alben sind alle Songs einem bestimmten Thema gewidmet, hier sind es Piraten und die liefern auch die Grundlage der Geschichte um die titelgebende Piratenbraut.

Dieses Projekt ist das erste, das der seit zehn Jahren bestehende Verein TdhK mit nur zwölfmonatiger Vorbereitungszeit auf die Bühne bringt. Bisherige Produktionen, wie „Ammit“ (2011), „The Human Equation“ (2014) und „01011001“ (2016) nach Musik der niederländischen Band Ayreon waren zeitintensiver und führten das Ensemble bereits bis nach Rotterdam.



Die Liebe zum Metal und zum Schauspiel ist das verbindende Element im Theater der härteren Klangart. Der Name ist Programm, handelt es sich doch bei dieser Musikrichtung – egal ob Black, Death, Heavy oder Progressive Metal – definitiv um eine „härtere Klangart“ und die dürfte im regionalen Musiktheater wohl einzigartig sein. In ihrer Freizeit tummeln sich die Vereinsmitglieder daher auf einschlägigen Festivals, planen und erarbeiten aber auch gemeinsam regelmäßig Musiktheaterprojekte.

Es sind Teenager und Erwachsene bis Ende 40 beteiligt, von denen die meisten waschechte Saarländer sind, aber das Einzugsgebiet erstreckt sich bisweilen von Köln bis Luxemburg. Und hauptberuflich gehen sie fast alle einem nichtmusikalischen Broterwerb nach.

Der Aufwand in den letzten vier Wochen vor der Aufführung ist immens: Haupt‑  und Generalproben finden an verschiedenen Orten statt und müssen detailliert geplant werden. Es fehlen noch Strümpfe, auch über Perücken wird emsig diskutiert: Wenn mit Haar-Imitat gespielt wird, sollen sich die Navy‑Darsteller eigentlich rasieren – ein sehr heikles Thema für Metalfans, hängt Mann doch an seinem Bart. Fahrzeuge für den Transport der selbstgebauten Kulissen sind zu besorgen, die freiwilligen Helfer für Maske und Verkauf müssen eingeteilt werden.

Das TdhK ist Mitglied in diversen Amateurtheaterverbänden und in der saarländischen Szene bestens vernetzt, so dass ein Austausch von Personal und Kostümen zum Beispiel mit den Theaterwerken Bietzen stattfindet. Zum Jubiläum wurde wieder demokratisch abgestimmt, welches Projekt realisiert werden sollte. Die Wahl fiel auf die Alben „Pirate´s Bride“ (2015) und „When the Shit hits the Fan“ (2018) der Band Tortuga, zu deren Songs Regisseur Yannick Trampert dann eine unterhaltsame Geschichte schrieb. Die Dialoge sind auf Deutsch, die Songtexte hingegen wurden in Englisch belassen, weil sich dem Publikum die Geschichte auch ohne Übersetzungen erschließt. Trampert hängt am Saarland, sonst würde er nicht immer noch aus Heidelberg anreisen. Er erklärt, die Routine aller Beteiligten während der Probenphase sei ein Resultat aus den vorherigen Projekten, die Abläufe wurden optimiert. Jedes Hindernis scheint lösbar. Krankheitsbedingte Umbesetzungen beispielsweise förderten einstweilen schlummernde Talente zu Tage.

Zweifelsohne laufen die Proben problemlos, aber auch nur, weil jeder seinen Job macht. Zum Beispiel die angehende Musiklehrerin Wiebke Neu. Verantwortlich für das Einstudieren der Songs, insistiert sie auf sauberer Intonation und korrekter Aussprache. Schließlich spielt man live mit der Band, der man die Musik verdankt. Die Musiker um Schlagzeuger Andreas Meyer arbeiten geduldig dem Ensemble zu. Alles wird wiederholt, bis es sitzt und Kritik ist erwünscht. Deswegen wird zum Schluss nochmal die Silbenverteilung genau geklärt, damit der Vortrag auch rhythmisch einwandfrei ist.

Alle bringen sich ein, wo sie können. Tobias Palzer ist beispielsweise Kulissenbauer, Materialwart und Tontechniker in Personalunion und verantwortlich für den gesamten Sound der 22 gemieteten Headset‑Mikrofone. „Die Technik ist der größte Kostenfaktor“, erklärt Pitsch, „aber es müssen auch Räume zum Proben hergerichtet und Kulissen transportiert werden. Die Kurhalle in Nonnweiler wird nur für die Generalprobe und Aufführungen angemietet, die Hauptproben finden in einer anderen Halle statt. Der Ablauf muss für alle Darsteller klar sein, denn auf und hinter der Bühne sind über 60 Leute beteiligt.“ Diesen personellen und logistischen Aufwand kann wohl nur ermessen, wer vor Ort dabei war, denn schließlich müssen neben Requisiten, wie Schatzkiste, Pistolen, Bierkrügen auch eine Piratenkneipenausstattung und die Schiffskulisse mehrfach transportiert werden.

Nach sechs Stunden Proben ist er da, der Gänsehautmoment: Das Chorfinale „Tortuga Inn“ wird mehrstimmig gesungen. Die Erleichterung ist seh‑ und hörbar als das Ensemble vom Üben im Spielen ankommt und die Anspannung verflogen ist. Das ist mehr als Amateur‑Enthusiasmus. Hier singen und schauspielern Musikfans, die genau für solche Momente an ihren freien Wochenenden bei Wind und Wetter durchs halbe Saarland fahren um zu proben.

Tickets für 17 Euro/ermäßigt 15 Euro für die Aufführungen am 13. und 14. April in der Kurhalle Nonnweiler gib’s im Internet unter www.ticket-regional.de

 Svenja Trampert (Valery, Mitte) in Nöten, weil Wiebke Neu (Mary, rechts) sie von Bord schicken will. Die Piraten (v.l.) Bernd Schmitz (Bill), Benjamin Setz (Hank), David Schöneberger (Willy) möchten sie an Bord behalten.
Svenja Trampert (Valery, Mitte) in Nöten, weil Wiebke Neu (Mary, rechts) sie von Bord schicken will. Die Piraten (v.l.) Bernd Schmitz (Bill), Benjamin Setz (Hank), David Schöneberger (Willy) möchten sie an Bord behalten. FOTO: Theater der härteren Klangart