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Technik, die trocken hält

Die Bundesstraße 51 in Luisenthal im Alltag – mit offenem Hochwassertor. Foto: Dietze
Die Bundesstraße 51 in Luisenthal im Alltag – mit offenem Hochwassertor. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Völklingen/Saarbrücken. Die Bilder der Hochwasserkatastrophe an Donau und Elbe haben Erinnerungen wachgerufen: Im Dezember 1993 strömten die Saar und ihre Nebenflüsse den Anwohnern in die Häuser. Was hat sich seither in der Region getan beim Hochwasserschutz? Der Saarausbau hilft, Überschwemmungsgebiete wurden ausgewiesen. Und es gibt hie und da schützende Bauten. Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Am besten gibt man Flüssen genug Raum; dann verursacht Hochwasser keinen Schaden. Doch was tun, wenn der fürs Wasser nötige Raum fehlt? Dann, sagt Jens Götzinger, Hochwasser-Experte im saarländischen Umweltministerium, sei "technischer Hochwasserschutz" nötig: Bauen. Doch er warnt zugleich vor zu großemVertrauen in die Technik: "Jedes technische Bauwerk kann mal versagen."

Völklingens Kläranlage liegt hinter einem Deich, berichtet Götzinger. Ein Damm schützt Luisenthal und Rockershausen vor der Saar. Niedrig, "mehr ist nicht nötig". Unauffällig; man versuche stets, solche Bauten in die Landschaft einzupassen. Doch angelegt ist der Luisenthaler Damm - er reicht vom Hochwassertor auf der Bundesstraße 51 bis fast zur Staustufe Burbach - nach rein technischen Kriterien. In die Mitte, sagt Götzinger, kommt Lehm als Dichtung. Seitlich schütte man Sand an zum Stabilisieren. Drunter ist hie und da eine Filterschicht eingebaut. So sickert Wasser im Durchfeuchtungsfall nur an den eigens dafür bestimmten Stellen durch.

Der Damm und das zugehörige Hochwassertor stehen unter Obhut der RAG. Gebaut wurden beide in den 1980er Jahren, sagt Axel Schäfer, Leiter der RAG-Abteilung Bergschäden und Bautechnik. Damals plante die Grube Luisenthal Kohleabbau im Alsbachfeld. Der hätte Teile Luisenthals und Rockershausens stark abgesenkt und so dem Saar-Hochwasser ausgeliefert; das Bergbauunternehmen musste Schutz bauen. Das Tor komplettiert die Damm-Lücke an der B 51: Steigt die Saar, hängen Techniker dort mit Dichtungen versehene Metall-Elemente ein - beim Hochwasser 1993 hat sich "Fort Laramie", wie das Bauwerk im Volksmund genannt wird, erstmals bewährt. Der Kohleabbau endete dann vorzeitig, die Senkungen fielen geringer aus als vorhergesagt; von daher, sagt Schäfer, sei der Luisenthaler Hochwasserschutz großzügig dimensioniert. Die RAG pflegt und wartet die Anlagen, eine "Ewigkeitslast" des Bergbaus. Und einmal jährlich wird der Umgang mit dem Tor geübt. Im Ernstfall muss es geschlossen sein, ehe der Saar-Pegel in St. Arnual 824 Zentimeter - das Maximum des Jahres 1993 - erreicht hat. "Sonst steht das Wasser auf der Straße", sagt Fachmann Peter Meyer vom Wasser- und Schifffahrtsamt.

Zum technischen Hochwasserschutz gehört auch das Burbacher Wehr. Es steuert den Abfluss der Saar: Es lässt so viel Wasser durch, dass kein Rückstau entsteht. Doch es darf auch nicht zu schnell die Klappen öffnen: "Sonst kriegen die Moselaner drei Hochwasserscheitel gleichzeitig, Saar, Sauer und Mosel", sagt Meyer.

Und wie sieht es mit flussnaher Industrie aus? Ein 100-Jahre-Hochwasser, beantwortet Saarstahl-Sprecherin Ulrike Jungmann die SZ-Frage, lasse die Völklinger Saarstahl-Produktionsanlagen unberührt. Extremhochwasser wie jüngst in Ostdeutschland könne aber das LD-Stahlwerk und das Walzwerk Nauweiler gefährden. Für diesen Notfall seien Pumpen und wasserdichte Schotten eingebaut sowie Kanalschieber zur Saar hin, die einen Rückstau verhindern. Außerdem: Die Werkfeuerwehr "hält permanent ein Kontingent an Sandsäcken vor".

Technik nützt auch dem Umweltschutz. Das Umlagerungsbauwerk auf dem Fürstenhausener Kokereigelände, das giftige Betriebs-Überreste einkapselt, wurde mit Blick auf Saar-Hochwasser errichtet, berichtet Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz, der in seiner Zeit bei der RAG Montan Immobilien die Kokerei-Sanierung betreut hat. Ehe man die verseuchte Erde aufschüttete, habe man aufgefüllt. So hoch, dass die Altlast mehr als einen Meter über dem Niveau eines 100-Jahre-Hochwassers liege.


Beim Weihnachtshochwasser 1993 hat das Luisenthaler Hochwassertor, von Anwohnern „Fort Laramie“genannt, seine Bewährungsprobe erlebt – es hielt stand. Foto: Becker & Bredel
Beim Weihnachtshochwasser 1993 hat das Luisenthaler Hochwassertor, von Anwohnern „Fort Laramie“genannt, seine Bewährungsprobe erlebt – es hielt stand. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
So hoch eingekapselt, dass Hochwasser sie nicht erreicht: Giftige Altlast im so genannten Umlagerungsbauwerk auf dem früheren Fürstenhausener Kokereigelände. Foto: Jenal
So hoch eingekapselt, dass Hochwasser sie nicht erreicht: Giftige Altlast im so genannten Umlagerungsbauwerk auf dem früheren Fürstenhausener Kokereigelände. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Mit dem Burbacher Wehr lässt sich der Wasserabfluss der Saar regulieren. Foto: Dietze
Mit dem Burbacher Wehr lässt sich der Wasserabfluss der Saar regulieren. Foto: Dietze FOTO: Dietze