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Landtag
Tampon-Werbung einmal anders

Saarbrücken. Zur „Rettung der deutschen Sprache“ als „zentrales Element unserer nationalen und kulturellen Identität“ hat die AfD gestern den Verzicht von so genannter Gender-Sprache im öffentlichen Dienst gefordert – und Schiffbruch erlitten. Der AfD-Politiker Lutz Hecker nannte die im Amtsdeutsch inzwischen verbreitete Geschlechterunterscheidung (etwa „Saarländer und Saarländerinnen“, „Bürger und Bürgerinnen“) unnötig und zeitraubend. Kurz: „Es nervt“, so Hecker. Und er schlug vor: Die männliche Form behalten. Also, „Saarländer“ oder „Bürger“. Es gehe dabei nicht darum, „die Errungenschaften von Frauen in den letzten 100 Jahren abzuschaffen“, so Hecker. Nur eben um „Vereinfachung“. Von Johannes Schleuning
Johannes Schleuning

In einer süffisanten Gegenrede nahm sich Jutta Schmitt-Lang, Deutschlehrerin und CDU-Abgeordnete, der Sache an. Sie nannte die Forderung nicht nur „dogmatisch, einseitig und realitätsfern“, sondern im Alltagsleben auch eher unbrauchbar. „Ich bin nicht sicher, ob die Herren von der AfD von einer Tampon-Werbung angesprochen werden wollen, die dann heißt: Jeder erlebt die Tage anders.“ Anstatt „jede“. Sie schätze das „ehrenwerte Bemühen der AfD“ um die Wahrung der deutschen Sprache, „fast täglich fallen ja auch AfD-Politiker wie Höcke mit einer niveauvollen und höflichen Sprache auf“, so Schmitt-Lang mit viel Ironie. Gleichwohl plädierte sie dafür, tatsächlich existierende Extremfälle bei der Gender-Sprache zu vermeiden. Ihr Fett weg bekam die AfD auch von Linken und SPD („Sie versuchen Probleme zu schaffen, wo keine sind“). Entsprechend fand der AfD-Antrag keine Mehrheit im Landtag. In den folgenden Debatten wandten sich die AfD-Politiker zu Beginn ihrer Reden stets mit ausgesuchter Höflichkeit an die „verehrten Kollegen und Kolleginnen“ im Parlament.