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Szenenapplaus für erfrischende Windböe

Magman & Friends beim Völklinger Auftritt, von links: Herbert Noll, Martin Müller alias „Magman“ und Sängerin Anne Dahlem (Wilfried Ruth, der Vierte im Bunde, ist hier nicht zu sehen). Foto: Jenal
Magman & Friends beim Völklinger Auftritt, von links: Herbert Noll, Martin Müller alias „Magman“ und Sängerin Anne Dahlem (Wilfried Ruth, der Vierte im Bunde, ist hier nicht zu sehen). Foto: Jenal FOTO: Jenal
Völklingen. So viel Sommer wie am Montag war noch nie bei der Reihe Summer-Open-Air: Glühende Hitze regierte im Völklinger Schillerpark. So bekam nicht nur die Band Magman & Friends Beifall, sondern auch der Wind, der zwischendrin für Abkühlung sorgte. Von SZ-Mitarbeiter Andreas Lang

Mit Strohhut und Sonnenbrille kam der "Magman" Martin Müller am Montag auf die Bühne der Konzertmuschel im Völklinger Schillerpark. Noch nie war bei den Summer-Open-Airs mehr Sommer als an diesem schwülen Abend. Und so sollte es bei diesem Konzert Szenenapplaus für etwas geben, das mit der Musik nichts zu tun hat - sondern mit dem Wetter.

Passend zu den Temperaturen spielte der Magman mit seinen Freunden - Sängerin Anna Dahlem, Wilfried Ruth am Cajun und Herbert Noll am Bass - den Oldie-Hit "Summertime". Das Quartett spielte "unplugged", also mit Instrumenten, die ohne Verstärker auskommen; der Magman stützte sich also ausschließlich auf seine Akustik-Gitarre. Und weil eben die elektrischen Effekte fehlen, muss der Musiker dabei sehr dynamisch und expressiv spielen. Müller schaffte das meistens, zum Beispiel bei "I hear you knocking" - dabei machte das Publikum klatschend und singend so lebhaft mit, dass die Vier das Thema noch einmal aufgriffen.

Gelegentlich bewies die Band mit der Musikauswahl aber ein nicht so glückliches Händchen. Zu Gary Moores "Still got the blues" gehört unbedingt die heulende Gibson LesPaul-Gitarre. Die fehlte hier zwangsläufig - auch wenn der Magman im Finale mit einem langen, virtuosen Solo auftrumpfen konnte. Alte Hits wie von Tracy Chapman oder Melissa Etheridge, die zu dieser Formation gut gepasst hätten, vermisste man dagegen. Wenigstens gab es noch "Black Velvet" von Allanah Myles.

Es war wohl der drückenden Hitze anzulasten, dass zum jüngsten Konzert der Summer-Open-Air-Reihe deutlich weniger Zuschauer kamen als in den Wochen zuvor. Irgendwo zwischen 300 und 400 dürfte sich am Montag die Zahl der Gäste eingepegelt haben. Die Besucher waren dann auch froh, als eine plötzliche Windböe den Schillerpark erfrischte; auf das kollektive Durchatmen folgte ein genüssliches "Aaaah!" - und der eingangs beschriebene Szenenapplaus.

Die Böe ging vielen tatsächlich unter die Haut. Regen aber blieb aus - das Publikum musste kurz vor Schluss mit einem musikalischen Regen vorlieb nehmen, dem "Purple rain" von Prince. Und als Zugabe gab es einen der am häufigsten gecoverten Titel überhaupt: "Knockin' on heaven's door".

Am kommenden Montag, 29. Juli, spielt die Band Mep live Titel aus den Bereichen Rock, Pop, Blues und Country, und zwar "unplugged". Los geht's um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Hutsammlung.

Von Anwohnern des Schillerparks gab es mehrfach Beschwerden über die "Summer-Open-Air"-Veranstaltungen: Die Musik sei zu laut (wir haben berichtet). Dazu hat uns Christoph Gottschalk, Mitveranstalter der Reihe, jetzt eine Stellungnahme geschickt. Das Spannungsfeld, schreibt er, sei den Veranstaltern von Anfang an bewusst gewesen: auf der einen Seite "das von uns voll akzeptierte Recht der Anlieger auf Ruhe", auf der anderen Seite "die Möglichkeit, in einer historischen Konzertmuschel in einer wunderschönen Umgebung für Hunderte von Menschen einmal in der Woche zu musizieren". Die Konzerte, so Gottschalk, würden daher stets "an der untersten möglichen Lautstärkegrenze" durchgeführt: "Wir sind die leiseste Blues-Rock-Veranstaltung in weitem Umkreis." Und bei der Einhaltung der Nachtruhe (ab 22 Uhr) gebe es keinerlei Kompromisse: "Wir hören immer vorher auf." Man werde sich weiter bemühen, so leise wie möglich zu spielen, "nicht zuletzt, weil wir gute Nachbarn sein wollen". Und Gottschalk lädt die Anwohner zum Konzertbesuch ein - "ausnahmsweise auch ohne Hutsammlung".