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SZ-Telefonaktion
Es sind viele Schritte nötig, um vom Alkohol wegzukommen

Trinkt der Partner zu viel, kann das zur Belastung für die Beziehung werden.
Trinkt der Partner zu viel, kann das zur Belastung für die Beziehung werden. FOTO: dpa / Alexander Heinl
Saarbrücken. Die Suchtberaterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Leser-Fragen zum Thema Alkohol beantwortet. red

Während unserer Telefonaktion zum Thema Alkohol gab es viel Informationsbedarf. Hier eine Übersicht über die häufigsten Fragen und die Antworten der Beraterinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.


Ich befürchte, dass mein Sohn (18) ein Problem mit Alkohol hat. Immer, wenn wir uns sehen, trinkt er drei, vier Flaschen Bier. Was er sonst trinkt, lässt sich leider nicht kontrollieren.

EXPERTIN Eine Kontrolle würde nichts nützen. Wer trinken will, findet immer Wege, die nicht kontrolliert werden können. Sie können ihm nur ganz sachlich mitteilen, dass Sie sich Sorgen machen. Bleiben Sie dabei möglichst in der Ich-Form. Sie können ihm auch den Vorschlag machen, gemeinsam eine Fachberatungsstelle aufzusuchen, um das Thema mit Experten zu besprechen. Adressen finden Sie zum Beispiel unter www.kenn-dein-limit.de. Hier werden nicht nur abhängige Menschen beraten, sondern auch jene, die ihren Alkoholkonsum reduzieren möchten.



Aber wenn mein Sohn keine Beratung will – was dann?

EXPERTIN Dann versuchen Sie, mit ihm im Kontakt zu bleiben, auch wenn er erst einmal nichts an seinen Trinkgewohnheiten ändern will. Es sind viele Schritte nötig, um vom Alkohol wieder wegzukommen.

Mein Mann hat zum wiederholten Mal wieder angefangen zu trinken. Meine Geduld ist zu Ende. Ich habe ihn rausgeworfen. Er sagt, ich könne ihn doch jetzt nicht hängen lassen. Was soll ich tun?

EXPERTIN Bleiben Sie bei Ihrer Entscheidung. Wenn er nicht bereit ist, sein Verhalten zu ändern, muss er die Konsequenzen tragen. Es ist ja nicht so, dass Sie ihn hängen lassen – er lässt Sie hängen, indem er viel Geld vertrinkt und sich um nichts anderes kümmert. Sicher, es ist keine leichte Entscheidung, sich von seinem Partner zu trennen. Aber wenn Sie alles so weiter laufen lassen wie bisher, hat Ihr Mann kaum eine Motivation, sich zu ändern. Vielleicht bringt ihn aber Ihr konsequenter Schritt zum Umdenken.

Mein Partner trinkt hin und wieder extrem viel. Vergangene Woche ist er dabei mir gegenüber gewalttätig geworden. Er hat daraufhin versprochen, nicht mehr zu trinken. Ich liebe ihn noch und möchte es gern glauben. Was soll ich machen?

EXPERTIN Setzen Sie sich eine Frist, zum Beispiel sechs Wochen. Notieren Sie in dieser Zeit, was vorfällt. Vielleicht fällt Ihnen danach die Entscheidung leichter zu gehen oder zu bleiben. In jedem Fall möchte ich Sie ermutigen, eine Frauenberatung in Anspruch zu nehmen, damit Sie für eventuelle Anzeichen erneuter Gewalt sensibilisiert werden. Adressen finden Sie zum Beispiel unter www.dajeb.de. Außerdem sollten Sie wissen: Es gibt auch noch ein Leben jenseits von Partnern, die trinken und gewalttätig werden.

Wie viel kann man problemlos trinken, ohne sich zu schaden?

EXPERTIN Gesunde erwachsene Männer können 24 Gramm Rein-Alkohol täglich trinken, das entspricht etwa zwei Gläsern Bier oder einem Viertel Wein oder einem doppelten Schnaps. Bei Frauen ist es rund die Hälfte.

Wenn ich nach Hause komme, gieße ich mir immer ein Glas Wein ein, um zu entspannen. Mehr wird es in der Regel nicht. Ist das in Ordnung?

EXPERTIN Was die Menge betrifft, liegen Sie am Limit. Zwei Tage in der Woche sollten Sie aber auf Ihre Gewohnheit verzichten, damit sich keine Sucht entwickelt. Sonst werden aus einem Glas schnell zwei und mehr. Der Körper gewöhnt sich an den Alkohol. Und um immer wieder den gleichen Effekt zu erzielen, muss man die Dosis erhöhen.

Das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter Tel. (02 21) 89 20 31 erreichbar. Info-Materialien gibt es unter www.bzga.de/Infomaterialien.