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Meinung
Sympathisch und fortschrittlich

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Frau will gut bezahlten Job? Wenn das Sabine Nowaczyks Ziel wäre, man müsste sie bedauern. Nowaczyk weiß, dass eine 33-fache Bewerbung ihren persönlichen Erfolg torpediert.

Nein, Frau hat eine Mission und will Aufmerksamkeit. Und nichts  spricht in Zeiten eines gnadenlosen Aufmerksamkeits-Wettbewerbes dagegen, durch kuriose Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen. Ihre Initiative  provoziert, gerade weil sie so aussichtslos scheint. Niemand erwartet, dass 2019 sie oder eine andere parteilose Quereinsteigerin auch nur einen einzigen der 34 freien Bürgermeisterposten erobern wird. Dabei sollen Direktwahlen genau dies ermöglichen: freien Zugang, losgelöst von den Rekrutierungsmechanismen der Parteien. Welch eine Chance! Das „Lust auf Bürgermeisterinnen“-Projekt macht sie uns klar und holt sie aus dem Dunkel der Partei-Hinterzimmer. In den Augen der Traditionalisten muss all das fragwürdig erscheinen. Dabei ist das Projekt vor allem eins: fortschrittlich. Denn Bewegungen sind die neuen politischen Organisationsformen.