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Neue Behandlungsmethode im Saarland
Sulzbacher Augenklinik feiert „Durchbruch“ bei Sehkrankheit

Dr. Boris Stanzel ist Experte für die Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration.
Dr. Boris Stanzel ist Experte für die Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration. FOTO: Klinik
Sulzbach . In Deutschland ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) die häufigste Erblindungsursache bei Menschen über 50 Jahren. Rund viereinhalb Millionen Bundesbürger leiden an der Erkrankung, die ihnen oftmals schleichend ihre Sehkraft raubt. Die Sulzbacher Augenklinik will nun Abhilfe schaffen. Von Jana Bohlmann

Hier werden jährlich um die 10 000 ADM-Patienten behandelt. Mit einem nach Angaben der Klinik deutschlandweit einzigartigen Verfahren will der Leiter des zur Augenklinik gehörenden Makulazentrums Saar, Dr. Boris Stanzel, nun die Krankheit stoppen. Dafür hat der Stammzellenforscher einen operativen Ansatz mit einer Stammzelltherapie entwickelt.


Bei AMD handelt es sich um eine Entzündung in der äußersten Zellschicht der Netzhaut, wodurch diese geschädigt wird und es zu einer Verschlechterung der Sehkraft kommt. Zellen der Netzhaut können so ihre Funktion verlieren. Der Verlust der Makula kann dazu führen, dass Patienten keine Bildzentren und Gesichter mehr erkennen können, sagt der Experte. Verzerrungen könnten durch Narbenbildungen auf der Netzhaut ebenfalls auftreten, sagt Stanzel. Seit mehr als zehn Jahren erforscht er die Krankheit und hat nun die Hoffnung, diese mit einer Stammzelltherapie heilen zu können, so dass der Krankheitsverlauf bei Patienten gestoppt wird und sie nicht noch mehr Sehkraft verlieren.

Bei einem minimal-invasiven Eingriff sollen gesunde Zellen, die aus Stammzellen gewonnen werden, unter die Netzhaut transplantiert werden. Die Stammzellen werden aus dem Blut des Patienten entnommen. Diese werden im Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) in Sulzbach anschließend zum Beispiel zu gesunden Augenzellen umprogrammiert, erklärt Stanzel. „Es besteht somit die einmalige Chance, hier am Standort Sulzbach in engster Kooperation der beiden Institutionen, also dem Fraunhofer-IBMT und der Augenklinik, die neusten Entwicklungen im Labor direkt zum Nutzen für die Patienten zum Einsatz zu bringen“, sagt Professor Dr. Hagen von Briesen, Leiter der Hauptabteilung Medizinische Biotechnologie am Fraunhofer-IBMT.



Die gesunden Zellen, welche im Fraunhofer-Institut hergestellt werden, können dann im Auge platziert werden. Läuft alles gut, nimmt der Körper die Zellen an und die AMD kann gestoppt werden. Noch ist die Behandlungsmethode Teil der Studie „SuGAR AMD“ (Sulzbacher Geographisches Atrophie-Register bei AMD). Chefarzt Professor Dr. Peter Szurman bezeichnete die Methode als „Durchbruch“. „Unser Ziel ist es, nächstes Jahr mit der Behandlung an Patienten zu beginnen“, so Szurman. Stammzellenexperte Stanzel spricht von seiner Methode als „Geburt einer neuen Medikamentenklasse“.